Vermittlung von Senioren an Studenten und Auszubildende

Aubing: Wohnbörse für Senioren gegen Einsamkeit und Wohnungsnot

Michaela Hohenthaner und die Neuaubingerin Elfriede Maier wohnten im Rahmen von „Wohnen für Hilfe“ 15 Monate zusammen, ehe die Studentin im Februar auszog.
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Michaela Hohenthaner und die Neuaubingerin Elfriede Maier wohnten im Rahmen von „Wohnen für Hilfe“ 15 Monate zusammen, ehe die Studentin im Februar auszog.
  • Andreas Schwarzbauer
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Warum der Bezirksausschuss Aubing trotz erfolgreicher Plattform aus Neuhausen „Wohnen für Hilfe“ eine Online-Mitbewohnerbörse für Senioren will  

  • Bezirksausschuss Aubing fordert von der Stadt Online-Wohnbörse für Senioren
  • Neuhauser Projekt „Wohnen für Hilfe“ vermittelt bereits Studenten und Azubis an Senioren mit Wohnraum
  • Aubinger Viertelpolitiker sehen dennoch Bedarf für zusätzliche Plattform

Aubing - Eine Online-Mitbewohnerbörse unter Federführung der Stadt München wünscht sich der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied für seine Senioren. Viele Ältere lebten nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des Lebenspartners alleine in großen Wohnungen und Häusern. Sie benötigten zudem häufig Hilfe im Haushalt.

Online-Börse für Senioren aus Aubing gegen die Wohnungsnot

Gleichzeitig hätten vor allem Studenten und Azubis Probleme, bezahlbare Wohnungen zu finden. „Ich arbeite als Praxismanagerin in Aubing und bekomme das Problem immer wieder mit“, sagt Initiatorin Sibylle Schrott (CSU). Eine Onlinebörse könne die beiden Gruppen einfach zusammenbringen.

Die Aubingerin Sibylle Schrott fordert eine lokale Online-Mitbewohnerbörse für Senioren.

Allerdings gibt es ein derartiges Projekt bereits. Der Seniorentreff Neuhausen vermittelt im Rahmen von „Wohnen für Hilfe“ schon seit 25 Jahren Studierende und Auszubildende an Senioren – auch in Aubing. Die 85-jährige Elfriede Maier aus Neuaubing hatte bereits zwei Mitbewohnerinnen. „Es war für mich der Idealzustand.“

Projekt „Wohnen für Hilfe“ ermöglicht günstiges Wohnen im Tausch gegen Hausarbeit

Zunächst wohnte eine 20-Jährige eineinhalb Jahre bei ihr, die eine Ausbildung zur Altenpflegerin machte. „Sie hat eine so positive Energie verbreitet. Ich war sehr traurig, als sie nach ihrer Ausbildung auszog.“ Daher war für Maier klar, dass sie erneut eine Mitbewohnerin suchte. Sie fand Michaela Hohenthaner, die in Pasing soziale Arbeit studierte.

Die jungen Frauen mussten nur die Nebenkosten für ihr 20 Quadratmeter großes Zimmer bezahlen. Dafür halfen sie im Haushalt. Die Faustregel bei „Wohnen für Hilfe“ ist, dass die Mitbewohner pro Quadratmeter ihres Zimmers eine Stunde Hilfe im Monat leisten müssen. Für Maier war aber mindestens genauso wichtig, dass sie nach dem Tod ihres Mannes nicht alleine im Haus war. „Wir saßen abends meistens zusammen. Das war wunderschön.“

Corona als Herausforderung

Dieser gesellschaftliche Aspekt sei für viele Senioren der Hauptgrund mitzumachen, sagt Marion Schwarz vom Seniorentreff Neuhausen. Derzeit gibt es rund 60 Wohnpaare in München. Die längste Wohnpartnerschaft dauerte 14 Jahre.

„Viele Teilnehmer treten wieder an uns heran, wenn der Studierende oder Auszubildende ausgezogen ist“, sagt Schwarz. Auch Maier will sich wieder einen Mitbewohner suchen. Allerdings sei dies im Moment wegen Corona schwierig, denn die Universitäten sind derzeit geschlossen. Deshalb will sie den Sommer erst einmal pausieren.  Grundsätzlich seien bei „Wohnen für Hilfe“ die Anfragen in der Corona-Zeit aber nur minimal zurückgegangen, sagt Schwarz.

Online-Börse für Aubinger, Lochhausener und Langwieder Senioren

Trotz „Wohnen für Hilfe“ sieht die Aubingerin Sibylle Schrott noch Bedarf für eine Online-Börse vor Ort. „Viele Ältere wollen Mitbewohner aus dem Stadtbezirk, trauen sich aber nicht, jemanden anzusprechen.“ Für die Senioren sei zudem die Hemmschwelle höher, wenn sie sich an eine fremde Einrichtung wenden müssten. Deshalb sei es wichtig, beispielsweise das Alten- und Servicezentrum in Aubing zu beteiligen. Es sei eine etablierte Institution, der die Menschen vertrauten.

Das glaubt auch der Aubinger Seniorenbeauftragte Norbert Stellmach: „Das ist ein ganz sensibler Bereich. Man kann das nur über eine Vertrauensbasis aufbauen.“ Priorität hat für ihn allerdings ,dass in Freiham ein Altenheim oder Seniorenwohnungen gebaut werden. Auch das hatte der Bezirksausschuss auf Antrag der CSU gefordert. Zwar sei dafür bereits ein Bauplatz reserviert, aber nun die Senioren- und Pflegeeinrichtung auch rasch realisiert werden. 

Informationen zu „Wohnen für Hilfe“ gibt es beim Seniorentreff Neuhausen.

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