Protest gegen Vorgehen der Stadtverwaltung

Ist Aubing bei der Stadtplanung nur noch eine Randnotiz von Freiham?

Sie kritisieren die Stadt scharf (von links): Klaus Bichlmayer von „1000 Jahre Urkunde Aubing“ sowie Dagmar Mosch, Jürgen Müller und Barbara Ney von der Bürgervereinigung.
+
Sie kritisieren die Stadt für die Bürgerbeteiligung in Freiham und Aubing scharf (von links): Klaus Bichlmayer von „1000 Jahre Urkunde Aubing“ sowie Dagmar Mosch, Jürgen Müller und Barbara Ney von der Bürgervereinigung.
  • Andreas Schwarzbauer
    VonAndreas Schwarzbauer
    schließen

Bürgervereinigung Aubing moniert mangelnde Bürgerbeteiligung. Hallo München verrät, welche Kritikpunkte die Aubinger bei der Gestaltung des Ubo-Areals, der Verkehrsanbindung Freihams und dem Bahnhof haben

Aubing - Die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing kritisiert, dass die Stadt die Bürger aus Aubing, Lochhausen und Langwied nicht ernst nimmt. Der Bau des neuen Stadtteils Freiham habe massiven Einfluss auf den 22. Stadtbezirk. Viele betroffene Aubinger wollen deshalb bei der Planung mitreden, aber: „Wir haben den Eindruck, dass die Stimmen am Stadtrand einfach nicht zählen. Aktive Bürgerbeteiligung wird eher als störend denn als bereichernd wahrgenommen“, moniert Dagmar Mosch, die im Beirat der Bürgervereinigung sitzt.

Weiterbau von Freiham ohne Rücksicht auf Aubing

Die Anwohner würden mit „halbgaren Lösungen abgespeist und vertröstet“. „Wir haben das Gefühl, dass der Weiterbau von Freiham auf Gedeih und Verderb durchgezogen werden muss und die Bürger mit ihren Anliegen nur stören“, moniert Jürgen Müller, zweiter Vorsitzender der Bürgervereinigung. Der alte Stadtbezirk scheine nur noch eine Randerscheinung von Freiham zu sein. Das Vertrauen in die Stadtverwaltung werde dadurch massiv beschädigt. In einer Pressekonferenz zeigten er und seine Mitstreiter dies anhand dreier Beispiele auf.

Unzureichende Bürgerbeteiligung bei Planung eines Dorfzentrums für Aubing auf Areal an der Ubostraße

Bei den Planungen für das Areal zwischen Ubostraße und Aubinger Bahnhof würden die Bürger weitgehend außen vor gelassen, so der Vorwurf von Klaus Bichlmayer vom Verein „1000 Jahre Urkunde Aubing“. Das sei falsch, denn man müsse das Areal als Dorfzentrum begreifen, das alle Anwohner etwas angehe und die Identifikation mit dem Ort erhöhe.

Die Stadt schaffe jedoch mit Bauvoranfragen für die Neubauten der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks (THW) Tatsachen. „Die Verwaltung versucht, einen Weg zu gehen, der eine Beteiligung der Öffentlichkeit nicht vorsieht. So finden die wichtig­sten Veränderungen ohne die Bürger statt.“ Nur bei der Schaffung eines Dorfplatzes auf dem heutigen Parkplatz des Ubo 9 sollen sie beteiligt werden. „Das ist ein Zuckerl für die Öffentlichkeit und dient als Ablenkung.“ Bichlmayer fordert stattdessen einen Bebauungsplan und Wettbewerb für das gesamte Gebiet, im Rahmen dessen alle Aubinger miteinbezogen werden.

Stadt verweist auf Zeitschiene und Fördergelder für Areal an Ubostraße

Kerstin Oertel vom Planungsreferat hält das für schwierig: „Ein Wettbewerb für das ganze Areal ist nicht sinnvoll wegen der Zeitschiene. Wir müssen den Dorfplatz möglichst zügig herstellen, um noch Gelder der Städtebauförderung zu bekommen. Die Feuerwehr benötigt ihr neues Gebäude aber frühestens 2026, das THW nicht vor 2023/24.“

Das Technische Hilfswerk hat auf dem Areal an der Ubostraße in Aubing viel zu wenig Platz und hofft auf zwei Neubauten.

Außerdem sei der Umgriff mit der Förderbehörde abgestimmt. „Und wir bekommen nur dafür Gelder.“ Immerhin: Soll neben dem Dorfplatz auch das Umfeld des Bahnhofs miteinbezogen werden. „Wir prüfen, was möglich ist.“ 

Vorschläge zur Verkehrsanbindung von Freiham an Aubing „nicht tragbar“

Auch über die Verkehrsanbindung von Freiham herrscht Unmut. Es habe zwar mehrere Bürgerbeteiligungen gegeben. Dort seien aber sieben Varianten präsentiert worden, die „alle nicht tragbar waren“, so Jürgen Müller. „Eine Möglichkeit, Alternativen ins Spiel zu bringen, gab es nicht, obwohl die Aubinger unzählige Ideen haben.“

Die beiden Vorschläge für eine neue Verbindung, die derzeit näher untersucht werden, seien keine Optionen. „Variante 6 geht durch die 30er-Zone rund um die Heimag-Siedlung und endet in der Altostraße. Variante 7 schneidet den Aubinger Geschichtspfad und mündet auch in die Altostraße. Wo fließt der Verkehr dann hin? Die Stadt hat versprochen, dass der Aubinger Ortskern davon nicht berührt wird. Wie soll das funktionieren?“

Eine Variante zur Anbindung von Freiham sieht vor, den Verkehr in die 30er-Zone in Aubing zu leiten.

Die Bürgervereinigung fordert, die Planung des zweiten Realisierungsabschnitts von Freiham zu stoppen. Zuerst müsse der öffentliche Nahverkehr so ertüchtigt werden, dass die Nutzung des Autos unattraktiv werde. Außerdem soll die Stadt mit den Bürgern ein Verkehrskonzept erarbeiten. Die Stadt kündigt für Herbst einen weiteren Bürgerdialog zu diesem Thema an.  

30 Jahre Warten auf eine barrierefreie Ortsverbindung am Bahnhof Aubing

Mehr als 30 Jahre kämpfen die Aubinger für eine barrierefreie Ortsverbindung am Bahnhof Aubing. Weil nichts passiert ist, hat die Bürgervereinigung 2018 von Architekten einen eigenen Vorschlag erarbeiten lassen: Eine sogenannte Rotunde soll spiralförmig nach unten führen. 2019 beschloss der Stadtrat einen Wettbewerb zur Gestaltung des Bahnhofumfelds, bei dem auch die Rotunde geprüft werden soll.

Seit mehr als 30 Jahren kämpfen die Aubinger mit der Treppe am Bahnhof. Sie fordern eine barrierefreie Lösung.

Dies wird allerdings einige Jahre in Anspruch nehmen. Stadtbaurätin Elisabeth Merk versprach daher im Oktober 2019, dass schnellstmöglich eine provisorische Lösung kommen soll. Doch zuletzt war davon keine Rede mehr. Vielmehr verwies die Stadtverwaltung auf den geplanten Wettbewerb. „Das hindert niemanden daran eine provisorische Rampe zu bauen“, moniert Barbara Ney von der Bürgervereinigung. Diese müsse jetzt realisiert werden. Wie dringend es ist zeigt die Bürgervereinigung in einem Film.

Auch interessant:

Meistgelesen

Neubaugebiet Paul-Gerhardt-Allee –Einkaufszentrum und besonderer Platz sollen entstehen
München West
Neubaugebiet Paul-Gerhardt-Allee –Einkaufszentrum und besonderer Platz sollen entstehen
Neubaugebiet Paul-Gerhardt-Allee –Einkaufszentrum und besonderer Platz sollen entstehen
Das Aubinger Wirtshaus Stand vor dem Aus – jetzt kommt die neue Pächterin
München West
Das Aubinger Wirtshaus Stand vor dem Aus – jetzt kommt die neue Pächterin
Das Aubinger Wirtshaus Stand vor dem Aus – jetzt kommt die neue Pächterin
Katastrophe im Blick – Nach dem Umbau: Kritik an neuer Ampelschaltung am Romanplatz
München West
Katastrophe im Blick – Nach dem Umbau: Kritik an neuer Ampelschaltung am Romanplatz
Katastrophe im Blick – Nach dem Umbau: Kritik an neuer Ampelschaltung am Romanplatz
Hort-Not: Betreuungsplätze an der Grundschule Manzostraße reduziert – Eltern verzweifelt
München West
Hort-Not: Betreuungsplätze an der Grundschule Manzostraße reduziert – Eltern verzweifelt
Hort-Not: Betreuungsplätze an der Grundschule Manzostraße reduziert – Eltern verzweifelt

Kommentare