Lebendige Erinnerung für Zwangsarbeiterlager an der Ehrenbürgstraße

Ein Ort für Zeitzeugenvideos und Biografien

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In Baracke 5 soll es eine Dauerausstellung zum Thema Zwangsarbeit geben.

Neuaubing – Es sind die Geschichten trauriger Schicksale: Hunderttausende Zwangsarbeiter schufteten während des Zweiten Weltkrieges in und um München – Jetzt sollen sie eine Gedenkstätte bekommen

150 000 bis 200 000 Zwangsarbeiter waren während des Zweiten Weltkriegs in 550 Lagern in München interniert. „Es gab kaum einen Münchner Betrieb, der nicht auf diese personellen Ressourcen zurückgriff“, so das NS-Dokuzentrum. Auch in Neuaubing kamen Zwangsarbeiter im Ausbesserungswerk der Reichsbahn zum Einsatz. Die Baracken an der Ehrenbürgstraße, in denen sie untergebracht waren, stehen größtenteils heute noch und sind das einzige noch erhaltene Lagerensemble in Süddeutschland. „Als seltene bauliche Zeugen des massenhaften Unrechts der Zwangsarbeit sind die Gebäude von größter historischer Bedeutung“, sagt Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Deshalb will das Dokuzentrum dort eine Zweigstelle eröffnen und einen „lebendigen Erinnerungsort“ schaffen.

Kulturreferent Hans-Georg Küppers fordert eine Ausstellung, in der die Geschichten der Baracken-Insassen im Mittelpunkt stehen.

Dafür sollen die Geschichten der Insassen im Mittelpunkt stehen. Im Außenbereich wird es Tafeln mit den Biografien von zwölf Zwangsarbeitern geben. „Diese erinnern an diejenigen Menschen, die hier einst lebten, bieten einen emotionalen und persönlichen Zugang zum Thema und dienen als erster Impuls“, erklärt das Dokuzentrum sein Konzept. Darüber hinaus gibt es Tafeln, die über die Geschichte des Geländes informieren. Sie erläutern die Funktion der verschiedenen Gebäude und die Nutzung des Areals nach dem Zweiten Weltkrieg.

Tiefer in das Thema eintauchen können die Besucher in Baracke 5. Dort soll eine Dauerausstellung das gesamte Thema beleuchten. Über die Formen der Zwangsarbeit, die Lagerorganisation, den Alltag der Insassen und ihre Befreiung sollen vor allem Audio- und Videoeinspielungen von Zeitzeugen informieren, die das Team des Dokuzentrums in den vergangenen Monaten gesammelt hat.

Es wird zudem eine interaktive Karte geben, die die Standorte der Lager in München und auch die Betriebe zeigt, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben.Zusätzlich plant die Stadt eine App, die die wesentlichen Inhalte der Ausstellung erklärt. Sie soll in acht Sprachen verfügbar sein und kann über das freie Wlan auf dem Gelände heruntergeladen werden.

In eine zweite Baracke, die derzeit leersteht, werden Seminarräume zur Vor- und Nachbereitung der Rundgänge, eine Erinnerungswerkstatt und Toiletten gebaut. Die Zweigstelle soll vor allem Schüler und Jugendliche als Besucher gewinnen. Die Sanierung und der Umbau der beiden Baracken dauert noch etwa drei Jahre, sodass die Zweigstelle voraussichtlich 2022 eröffnen kann. Die Informationstafeln sollen schon deutlich früher fertig werden.

Andreas Schwarzbauer

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