Wissen für die Masse

Weltliteratur mit Playmobil erklärt

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In seiner Küche dreht Michael Sommer die Videos. Hier entsteht sein Film zum „Radetzkymarsch“.

Pasing - Seit drei Jahren spielt ein Pasinger auf Youtube Klassiker der Literatur nach – jetzt startet er etwas Neues

Mehr als 600 Darsteller bevölkern die Wohnung von Michael Sommer (41). Der Pasinger kann jede Rolle besetzen: ob Effi Briest, Winnetou oder den griechischen Helden Odysseus. Denn Sommers Schauspieler sind Playmobil-­Figuren. Mit ihnen spielt er seit 2015 Klassiker der Weltliteratur nach und lädt sie auf Youtube hoch. 

Ab 9. April startet Sommer ein neues Projekt. In einer monatlichen Live-Sendung will er Themen aufgreifen, die in den Videos keinen Platz haben. Er möchte darin unter anderem weitere Informationen zu Autoren und Epochen liefern. Die erste Sendung befasst sich mit der Aufklärung. Außerdem wird jedes Mal ein Prominenter zu Gast sein, allerdings nur im Playmobilformat. Die Zuschauer werden dort nicht nur Sommers Finger sehen, die die Figuren bewegen, sondern auch ihn selbst. Und Hund Watson bekommt ebenfalls eine feste Rubrik. Wichtig ist Sommer, dass die Sendung interaktiv abläuft. Zuschauer können daher in einem Live-Chat Fragen stellen. 

Seine etwa zehnminütigen Videos über Literaturklassiker wird es weiterhin geben. Rund 500 Filme sind bereits entstanden. „Ich gebe eine kleine Zusammenfassung und versuche die heilige Literatur mit kleinen und albernen Playmobil-Figuren und in jugendlicher Sprache rüberzubringen“, erklärt Sommer. Sommers Zuschauer sind vor allem Schüler und Studenten. „Viele schauen das Video, nachdem sie das Buch gelesen haben und sagen, es hätte ihnen nochmal veranschaulicht, worum es im Buch geht“, erklärt der Pasinger. 

Videos als Werbung für Literatur

Seine Zusammenfassungen sollen den Jugendlichen allerdings nicht das Lesen der Werke ersparen. Vielmehr will der Pasinger Werbung für Literatur machen. „Es ist mir ein Anliegen, dass die Leute tatsächlich mal ein Buch in die Hand nehmen. Das Playmobil ist dabei für mich ein Köder, um die Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Fast 55 000 Abonnenten hat Sommers Youtube-Kanal inzwischen. Am beliebtesten sind Klassiker, die in der Schule meist zur Pflichtlektüre gehören. Faust beispielsweise hat bereits fast eine halbe Million Aufrufe. Es folgen „Die Verwandlung“ von Kafka (236 000) und „Die Leiden des jungen Werther“ (207 000). 

Die Idee entstand eher zufällig: Als Dramaturg am Ulmer Theater spielte Sommer 2013 als Einführung für die Inszenierung von „Dantons Tod“ erstmals die Handlung mit Playmobil-­Figuren nach. Ein Video davon war so beliebt, dass der Pasinger erkannte: „Hier gibt es eine große Nachfrage.“ Er startete mit „Sommers Weltliteratur to Go“. Anfangs experimentierte er mit Lego-Männchen und Barbies, aber: „Playmobil-­Figuren sind am besten zu handhaben und am menschlichsten.“ 

Werke werden nach speziellen Kriterien ausgesucht - Reclam hat auch ein Wort mitzureden

Die Werke wählt Sommer anhand seines eigenen Interesses, der Lehrpläne und der Verkaufszahlen von Reclam aus. Mit dem Verlag arbeitet der Pasinger seit einiger Zeit zusammen. Außerdem ließ er seine Zuschauer abstimmen. Das Ergebnis: Heuer werden „Harry Potter“ und „Winnetou“ dazukommen. Neben seinem Projekt schreibt er Singspiele sowie Theaterstücke und arbeitet an einer Fachschule für Sozialpädagogik als Deutsch-Lehrer. Das Material wird ihm auf keinen Fall ausgehen: „Ich will demnächst auch Werke anpacken, die nicht so bekannt sind, und mehr Autorinnen in mein Repertoire aufnehmen“, kündigt Sommer an. A. Schwarzbauer

Die Videos gibt es im Internet auf seinem Youtube-Kanal „Sommers Weltliteratur to Go“.

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