Diskussion im Münchner Westen

Trambahn statt U3-Verlängerung

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Nach dem Willen der Mehrheit des Bezirksausschusses Pasing-Obermenzing soll die Tram am Autobahnende an der Verdistraße halten.

München - Weil die Mehrheit im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing lieber eine Trambahn nach Obermenzing anstatt einer U3-Verlängerung möchte, wird hitzig diskutiert

Ein Bürger hatte in der Bürgerversammlung für Neuhausen-Nymphenburg vor einiger Zeit eine P&R-Anlage am Ende der A8 gefordert, um den Verkehr schon am Stadtrand abzufangen (Hallo berichtete). Das Planungsreferat lehnte dies mit der Begründung ab, dass die Stadt solche Parkplätze nur im direkten Umfeld einer S- oder U-Bahn baue. Daraufhin forderte die CSU, die Planung für die Verlängerung der U3 nach Pasing mit Haltestellen in Untermenzing und eben am Ende der A8 voranzutreiben. Dann gebe es dort die Voraussetzungen für eine P&R-Anlage.

Mit Fassungslosigkeit reagierte der CSU-Fraktionsvorsitzende Frieder Vogelsgesang, als sich Grüne und SPD dagegen aussprachen. Andreas Bergmann (Grüne) meinte: „Eine U-Bahn-Station auf der grünen Wiese lohnt sich nicht. Man müsste immens verdichten, damit sie sich rechnet. Wollen wir, dass dort eine Trabantenstadt gebaut wird?“ Auch Christian Müller (SPD) sagte: „Dort wohnen kaum Menschen. Es macht keinen Sinn, überall U-Bahnen zu fordern, um dann nur heiße Luft von A nach B zu fahren.“ Er fragte, wie die Stadt „den ganzen Käse“ finanzieren solle. Vogelsgesang meinte daraufhin: „Ich dachte, es besteht Konsens darüber, dass wir den Individualverkehr am Stadtrand abfangen wollen.“

Das Gremium ist gespalten

Sein Parteikollege Sven Wackermann sagte über das Münchner Nahverkehrssystem: „Wir müssen von dem einen Strang, den wir haben (die Stammstrecke, Anmerkung der Redaktion), zu einem Spinnennetz kommen.“ Dafür sei die U3-Verlängerung ein wichtiger Baustein. „Die CSU möchte, dass die U-Bahn auch im Münchner Westen ein Leistungsträger wird.“ Unterstützung erhielt er von Klement Bezdeka (FDP): „Wir brauchen Visionen. Die U-Bahn nicht mal fordern zu wollen, ist eine ganz schwache Nummer“, warf er der SPD vor. SPD und Grüne sprechen sich stattdessen für die Verlängerung der sogenannten Schlösser-Tram aus. Die Linie 17 soll künftig nicht wie bisher am Botanischen Garten umdrehen, sondern über die Verdistraße bis zum Obermenzinger Kreisel an der A8 fahren. „Sie ist barrierefrei und realisierbar“, meinte Müller. Auch für die Straßenbahn könnte man eine P&R-Anlage bauen, schlug Constanze Söllner-Schaar (SPD) vor. Die Stadt müsse nur ihre Haltung überdenken, Parkplätze nur im Umfeld von S- und U-Bahn-Stationen zu bauen.

Den Kompromissvorschlag vom Chef des Bezirksausschusses, Romanus Scholz (Grüne), mittelfristig einen P&R-Parkplatz mit Nahverkehrsanschluss und langfristig die U-Bahnverlängerung zu fordern, lehnte die Mehrheit im Bezirksausschuss mit 15 zu 13 Stimmen ab. Stattdessen will das Gremium über den Stand bei der Schlösser-Tram informiert werden.

Andreas Schwarzbauer

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