Vor verschlossenen Toren

Stadt sperrt Anwohner von Fußballplatz in Neuaubing aus

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Sie hoffen, dass der Fußballplatz am Überlinger Weg bald wieder offen ist (von links): Manfred Kuschel vom „Fredl“, Dagmar Mosch vom Helferkreis und Trainer Boubacar Tangara.

Neuaubing - Plötzlich hing ein großes Schloss am Tor: Die zahlreichen Bewohner des Viertels waren ausgesperrt - Warum sich die Stadt zu diesem Schritt gezwungen sah, wer besonders betroffen ist und was die Bürger vorschlagen

Als Boubacar Tangara mit seinen Spielern der Hobbymannschaft FC Mainaustraße auf dem Fußballplatz am Überlinger Weg trainieren wollte, stand er plötzlich vor einem verschlossenen Tor. Ein dickes Schloss war angebracht worden und ein Zettel informierte, dass den Platz ausschließlich die benachbarte Mittelschule nutzen dürfe. Der FC Mainaustraße, eine Mannschaft aus Flüchtlingen, spielt äußerst erfolgreich in der Freizeitliga „Royal Bavarian Liga“ mit. Vergangenes Jahr landeten sie in ihrer Spielklasse auf dem zweiten Platz und stiegen auf. Grundlage dafür war das regelmäßige Training. Dreimal die Woche kickten die Jungs auf dem Platz am Überlinger Weg. Doch damit war vorerst Schluss. 

Christina Warta vom Referat für Bildung und Sport (RBS) teilte mit: „Der Platz wurde von Passanten vermüllt, Hunde verrichteten dort ihr Geschäft. Um den Schülern einen Sportunterricht in sauberer Umgebung zu ermöglichen, ist die Einzäunung deshalb leider erforderlich.“ Doch nicht nur für die Kicker des FC Mainaustraße ist das ein Problem. Viele Bewohner aus der Umgebung haben den Platz bisher außerhalb der Schulzeiten intensiv genutzt: Tangara trainierte dort zusätzlich mit den Kindern der Gemeinschaftsunterkunft an der Mainaustraße. Die Jugendlichen der Freizeitstätte „Fredl“ nutzten die Fläche nicht nur zum Fußballspielen, sondern auch zum Bogenschießen oder Boomerangwerfen, denn der Platz in und um das Jugendzentrum ist begrenzt. 

Betreuerin Burcin Dellefant sagt: „Es wäre schon schön im Stadtteil einen Sportplatz zu haben, auf dem die Jungs ihre Energie loswerden können.“ Ihr Kollege Manfred Kuschel ergänzt: „Der Fußballplatz ist ganz ganz wichtig für das Viertel. Es ist ein Unding, dass er geschlossen ist.“ Im Umfeld sind vor kurzem 240 Wohnungen im Rahmen des Projekts „Wohnen für Alle“ entstanden. Auch dort gebe es zahlreiche Kinder und Jugendliche, meint Dagmar Mosch. Sie ist im Helferkreis der Gemeinschaftsunterkunft und hat gemeinsam mit der Unterkunftsleiterin und den Verantwortlichen von „Fredl“ und „Wohnen für Alle“ den Bezirksausschuss um Hilfe gebeten: „Bitte unterstützen Sie uns, dass es möglich ist, hier eine praktikable Lösung für alle Beteiligten zu finden.“ Mosch sagt: „Es geht natürlich nicht, dass der Platz vermüllt und der Hausmeister der Schule ständig aufräumen muss.“ Deshalb schlägt sie vor, dass die drei Einrichtungen im Wechsel für die Sauberkeit der Fläche verantwortlich sind. 

Tangara und der FC Mainaustraße haben inzwischen eine Lösung. Sie haben den Platz von der Stadt gepachtet und zahlen dafür jährliche Gebühren. Allerdings haben die Fußballer eigentlich schon genug damit zu kämpfen, die Kosten für die Teilnahme an der Freizeitliga aufzubringen. Doch die Stadt kann die Pacht nicht erlassen: „Die Verschenkung und unentgeltliche Überlassung von Gemeindevermögen sind unzulässig“, so das RBS. A. Schwarzbauer

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