ADFC verklagt die Stadt wegen fehlender Radwege

Pasinger Radverbindung: ADFC verklagt die Stadt – Gericht fällt Entscheidung

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Der ADFC beklagt, dass der Radweg entlang der Nordumfahrung im Nichts endet.

Laut ADFC fehlt eine vernünftige Radverbindung durch das Pasinger Zentrum . Doch die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. Jetzt hat das Verwaltungsgericht eine Entscheidung getroffen...

Update: 29. Mai 2019

Pasing – Radeln in Pasing soll angenehmer werden. Nachdem der ADFC mit seiner Klage gegen die Stadt unterlag, stellt nun der örtliche Bezirksausschuss zwei entsprechende Anträge.

Nur mit knapper Mehrheit setzte sich der Vorschlag durch, den Taxistand am Bahnhofsplatz zu verkleinern. Nur noch drei Fahrzeuge sollen dort stehen, sodass ein Radweg entstehen kann. Dafür soll die Stadt in der Bäckerstraße auf Höhe des Neubaus Pasing Central Nachrückplätze markieren. Antragssteller Frieder Vogelsgesang (CSU) versprach: „Die Anzahl der Taxis wird so beibehalten.“

SPD-Sprecherin Constanze Söllner-Schaar hielt davon wenig: „Wir halten Standplätze auf der Bäckerstraße für ungeeignet, weil es zu gefährlich für die Radler ist. Die Fahrer reißen plötzlich die Türen auf. Dazu fahren dort die Straßenbahn und die Busse. Und als Radler bist du dazwischen eingequetscht.“ 

Romanus Scholz (Grüne) glaubte, dass die Taxis in der Bäckerstraße keinen Sichtkontakt mit ihren Kollegen am Bahnhofsplatz hätten. Das sei problematisch. Vogelsgesang widersprach. Bei einem Ortstermin habe ein Vertreter der Stadt versichert, dass eine Sichtbeziehung möglich sei. Letztendlich nahm der Bezirksausschuss den Antrag mit 15 zu 12 Stimmen an.

Einigkeit herrschte dagegen darüber, dass ein Teil der Treppe, die von der Josef-Felder-Straße zum Platz vor den Arcaden führt, zu einer Fahrradrampe umgebaut werden soll – wenn dies möglich ist. Denn dort werde der Radweg entlang der Nordumfahrung abrupt unterbrochen.

Andreas Schwarzbauer

Erstmeldung: 06. März 2019

Martin Feldner beklagt das Fehlen eines Fahrradstreifens durch das Pasinger Zentrum.

Pasing – Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) verklagt die Stadt München, weil es keinen Radweg durch das Pasinger Zentrum gibt. „Wir können nicht damit leben, dass man dort nicht mit Reisegeschwindigkeit durchfahren kann“, sagt Kläger Martin Feldner. Es fehle eine vernünftige Verbindung: Im Süden dürfe über den Pasinger Marienplatz nur in Schrittgeschwindigkeit geradelt werden. Entlang der stark befahrenen Nordumfahrung gebe es keinen durchgehenden Radweg. „Zuletzt wurde auf dem neuen Bahnhofsvorplatz der Radweg gesperrt zugunsten der in der Planung vergessenen, für die Bürger aber unverzichtbaren, Taxistellplätze“, kritisiert Feldner.

„Es werden mit großen Getöse große Projekte geplant und am Ende hat man die Radfahrer vergessen.“ Das sei schon auf dem Luise-Kiesselbach-Tunnel und bei der Allianz-Arena so gewesen, kritisiert Feldner.

Ein Jahr lang habe der ADFC versucht, im Pasinger Zentrum Verbesserungen zu erreichen. Aber es sei nichts passiert. „Wir finden es wahnsinnig enttäuschend, dass weder Bürgermeister und Stadtverwaltung noch der Bezirksausschuss darüber reden wollten.“

Denn die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf: „Es gibt im Pasinger Zentrum eine Radverbindung. Sie besteht nicht nur aus baulichen Radwegen, sondern aus gemeinsamen Fuß- und Radwegen und Markierungen“, so Sprecher Johannes Mayer vom Kreisverwaltungsreferat. Hinzu komme die Route entlang der Bodensee- und Landsberger Straße im Süden. Die Stadt hält dies für ausreichend.

Der ADFC sieht daher den Klageweg als letzte Möglichkeit, um Verbesserungen zu erreichen. Man habe der Stadt mehrere Vorschläge präsentiert, sagt Kläger Martin Feldner. Im April entscheidet das Verwaltungsgericht über die Zulässigkeit. 

Andreas Schwarzbauer

Fahrrad-Club will Taxistand verlegen

Anstelle eines Radwegs befindet sich am Pasinger Bahnhofsplatz inzwischen der Taxistand. Radler müssen sich den Gehweg mit den Fußgängern teilen.

Gefordert wird eine durchgehende Ost-West-Verbindung. Eine Möglichkeit sei es, den Taxistand, der derzeit den Radweg unterbricht, auf den Bahnhofsvorplatz zu verlegen. Dafür müssten einige Verkaufsstände weichen. „Aber wenn ich die Wahl zwischen Radweg und Imbissbude habe, ist meine Entscheidung klar“, so Feldner.

Ein anderer Vorschlag war es, vom Gehweg neben dem Taxistand zwei Meter für einen Radweg abzutrennen. Da der Bürgersteig aber am Ende sehr schmal wird, wollte der ADFC die drei östlichsten Taxiplätze streichen, um den Radweg dort wieder vom Gehweg hinunterführen zu können. Als Ersatz könnten in der Bäckerstraße Nachrückplätze für die Taxler entstehen. „Das wäre städtebaulich hässlich, aber verkehrstechnisch funktioniert es“, sagt Feldner.

Stadt und Bezirksausschuss (BA) winken allerdings ab. Eine Verlegung des Taxistandes auf dem Bahnhofsvorplatz sei nicht möglich, weil der Grund der Bahn gehöre. Zudem müsste in diesem Fall die Haltestelle des 53er-Busse verlegt werden. Das lehne aber die MVG rundherum ab, so Sven Wackermann, Vorsitzender des Unterausschusses Verkehr im BA. Nachrückplätze auf der Bäckerstraße seien ebenfalls schwierig, weil dann der Gehweg für die Fußgänger zu schmal werde.

Sven Wackermann, Vorsitzender des Unterausschusses Verkehr im Bezirksausschuss.

Wackermann will zudem keinen Schnellradweg durch das Pasinger Zentrum. „Dort müssen Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen und es wird nicht möglich sein, mit 25 Stundenkilometern mit dem Fahrrad durchzubrausen.“ Der Bezirksausschuss kann sich stattdessen einen durchgehenden Radweg entlang der Josef-Felder-Straße vorstellen. Im Zuge der Baustelle für die U5-Verlängerung könnte man ihn anlegen.

Auch Feldner befürwortet diese Verbindung: „So könnte man wenigstens auf einer Seite des Bahnhofs mit Reisegeschwindigkeit radeln.“ Dennoch wünscht er sich weiterhin einen Radweg durch das Zentrum. Eine Anbindung an die Promenade neben den Pasing Arcaden sei dringend notwendig, denn aufgrund der geplanten Brücke über die Offenbachstraße entstehe dort eine Fahrrad-Hauptroute. „Man muss dort nicht mit 20 Stundenkilometern durchrauschen, aber auch nicht mit fünf Stundenkilometern durchschleichen.“

Weil die Fronten zwischen ADFC und Stadt aber verhärtet sind, muss nun das Verwaltungsgericht entscheiden, wie es weitergeht.

Andreas Schwarzbauer

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