Nicht alles, was zurückkommt, gefällt ihr

Die Pasinger Postkarten-Königin: Manuela Merl (46) bekommt täglichbunte Grüße aus der ganzen Welt

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2085 Postkarten hat Manuela Merl schon verschickt, 2086 hat sie bekommen. In der Hand hält sie ihr Lieblingsmotiv.

Pasing: Sie ist stets auf Weltreise – doch dafür muss sie gar nicht in die Ferne schweifen. Ein Gang zum Briefkasten reicht und schon hat Manuela Merl neue Eindrücke aus Asien, Afrika oder Amerika gesammelt. 

Ihre Lieblingskarte sieht ziemlich trostlos aus: Sie ist ganz in Grau gehalten und zeigt inmitten von Fluten eine einsame niederländische Fahne an einem kahlen Baumstamm, der aus dem Wasser ragt. „Greetings from Holland“ steht oben auf der Karte und unten drunter: „Anno 2020“. „Witzig, oder?“, fragt Manuela Merl und kichert. „Rabenschwarzer Humor zum Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel – so was mag ich gerne.“

Merl ist Postcrosserin. „Das bedeutet, dass ich – meist auf Englisch – Postkarten mit kurzen Infos über mich und meine Heimat in alle Welt schreibe und für jede abgeschickte Karte mindestens eine von irgendwoher zurückbekomme“, erklärt die 46-jährige Pasingerin. Die Adressen erhält sie über die Internetseite www.postcrossing.com, bei der sie sich vor neun Jahren registrieren ließ. „Seither habe ich 2085 Postkarten verschickt und 2086 bekommen.“ Damit zählt sie zu den Top 100 der deutschen Postcrosser – und dürfte die fleißigste Kartenschreiberin Pasings sein.

„Mein Mann hat mich damals darauf gebracht“, erzählt Merl. „Er meinte, das sei doch eine gute Beschäftigung für mich. Ich bin ja Frühpensionistin und deshalb immer dankbar für einen sinnvollen Zeitvertreib.“ Und das Kartenschreiben und -bekommen ist noch mehr als das: „Ich sehe dadurch ständig etwas von fernen Ländern, in die ich aus gesundheitlichen Gründen nicht reisen kann.“

Jedoch gefällt Merl nicht alles, was so in ihrem Briefkasten landet. „Drei Karten habe ich bislang weggeworfen“, sagt sie. „Zwei davon hatten so schlüpfrig-erotische Motive und auf einer war eine Weltkriegs-Kanone drauf – Waffen mag ich aber nicht.“ Was sie mit den mehr als 2000 anderen kleinen Pappen angestellt hat? „Die lagern in Kartons“, antwortet Merl. „Immer mal wieder hole ich welche heraus und schmöker ein bisschen darin.“ Und übrigens: „Nicht alle der Karten sind tatsächlich Pappen.“

Manuela Merl kramt in ihrer Sammlung und zieht dann ein Rechteck hervor, das zwar wie eine normale Postkarte aussieht, aber nicht so leicht ist. „Die ist aus Holz, vermutlich aus Balsa“, erklärt die Kennerin und ergänzt: „Das Ding zeigt die Silhouette der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh in Holzbrandmalerei.“

Dass Merl sich mit Techniken wie dieser bestens auskennt, liegt daran, dass sie selbst Künstlerin ist. Sie malt, schreibt, fotografiert – und entwirft auch eigene Postkarten. Passend zur Osterzeit hat sie aktuell eine mit bunten Eiern in petto. „Ich selbst kriege aber lieber Weihnachtsmotive, das wissen die anderen Postcrosser auch.“ Warum? „Ach, die gefallen mir einfach. Ist doch toll, dass ich sagen kann: Bei mir ist das ganze Jahr über Weihnachten!“

Auch deshalb kann Merl sich nicht vorstellen, das Kartenschreiben je wieder aufzugeben. Und so wird sie wohl auch 2020 noch weitermachen. In dem Jahr also, in dem Holland hoffentlich noch immer existiert – trotz ihres Lieblingsmotivs.
Christopher Beschnitt

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