Offene Türen für Trauergäste 

Symmetrie sticht Platzmangel: Hier fordert der Denkmalschutz kreatives Denken

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Der Platz in der Aussegnungshalle ist begrenzt. Nun soll die linke Tür vergrößert werden, damit dort auch Besucher stehen können.

Pasing – Bei größeren Beerdigungen wird das Gedränge in der Aussegnungshalle auf dem Pasinger Friedhof groß. Eine Vergrößerung der Halle ist allerdings aus Gründen des Denkmalschutzes schwierig. 

In der Aussegnungshalle des Pasinger Friedhofs wird es häufig eng. In dem kleinen Raum stehen derzeit 22 Stühle. „Bei einer Beerdigung mit 50 Trauergästen drücken sich die Leute rein. Das ist unwürdig“, sagt die stellvertretenden Vorsitzende des Pasinger Bezirksausschusses, Maria Osterhuber-Völkl (CSU). Zudem müssten regelmäßig ältere Leute stehen. Immer wieder gebe es deshalb Beschwerden aus der Bevölkerung. 

Als nun die Friedhofsverwaltung das benachbarte Zimmer räumte und nach Obermenzing umzog, sahen die Viertelpolitiker ihre Chance, die Aussegnungshalle zu vergrößern. Da das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz steht und deshalb die Zwischenwand nicht einfach herausgerissen werden kann, schlugen die Viertelpolitiker vor, zwei zusätzliche Türen einzubauen. Bei Trauerfeiern könnten sie offenstehen, sodass die Gäste dort ebenfalls der Zeremonie folgen können. „Es ist eine pragmatische Lösung“, meinte Osterhuber-Völkl.

Uli Walter vom Landesamt für Denkmalpflege sah dies anders. Der Gebäudekomplex aus Kirche und Aussegnungshalle auf dem Pasinger Friedhof stamme aus dem Jahr 1903 und sei ein wichtiges Zeugnis des Reduktionsstils. „Der Raum ist komplett unverändert erhalten und bautechnisch noch völlig intakt“, sagte Walter bei einem Ortstermin mit dem Bezirksausschuss. Nur die Wandmalereien stammten aus den 80er-Jahren. 

Der Einbau von mehreren Türen verändere den Charakter des Saals. Türen, Decke, Boden und selbst die Uhr im Raum seien derzeit auf eine Mittelachse ausgerichtet. Weitere Öffnungen entwerteten diese Achse. „Es kommt zu Unregelmäßigkeiten. Die Symmetrie wäre nicht mehr vorhanden.“ Deshalb könne er aus denkmalpflegerischen Gründen nicht zustimmen. Für die Stadtviertelpolitiker war das zwar nachvollziehbar, aber: „Es muss doch auch eine Weiterentwicklung möglich sein“, meinte Osterhuber-Völkl.

Walter verwies darauf, dass die Aussegnungshallen vieler Friedhöfe zu klein geworden seien. Vielerorts gebe es deshalb Neubauten. „Warum sollen wir neu bauen, wenn wir etwas haben?“, fragte Evelyn Lang (SPD).

Klement Bezdeka (FDP) schlug daraufhin vor, die Türe zu verbreitern, sodass im Eingangsbereich mehr Menschen stehen könnten. „So bleibt die Symmetrie erhalten“, sagte er. Die Denkmalschützer begrüßten diesen Vorschlag und wollen ihm zustimmen. Für das Sitzplatzproblem hatte die Stadt bereits zugesagt eine weitere Reihe mit elf Klappstühlen bereitzustellen.

Andreas Schwarzbauer

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