Neuer Vorstoß, um der Plage am Pasinger Bahnhof Herr zu werden

Neue Taubenhaus-Allianz: Kommen jetzt Toiletten fürs Federvieh?

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Der Einsatz eines Falken gegen die Taubenplage ist keine Option mehr: BA, Stadt und Tierschützer starten deswegen eine Offensive am Pasinger Bahnhof.

Pasing - Seit Jahren ärgern sich Fahrgäste, Händler und Politiker über die Taubenplage am Pasinger Bahnhof. Alle Versuche, die Tauben zu vertreiben, waren erfolglos. Jetzt gibt es einen neuen Plan

Die Tauben am Pasinger Bahnhof sind eine Plage und die Geschäftsleute fühlen sich damit ziemlich alleingelassen. „Keiner fühlt sich zuständig“, sagt Stefanie Igl-Obermüller, Inhaberin der Bahnhof-Apotheke. Der Kot der Tiere habe die Fassade des Hauses beschädigt. Die Ärzte in den oberen Stockwerken konnten nicht mehr lüften, weil sich sofort Tauben auf dem Fensterbrett niederließen. „Das ist ein Hygieneproblem“, so Igl-Obermüller.

Bisherige Maßnahmen gegen Tauben am Pasinger Bahnhof erfolglos

Karl-Heinz Wittmann aus dem Unterausschuss Umwelt des Pasinger Bezirksausschusses beklagt die aktuellen Abwehrmaßnahmen gegen die Tauben.

Auch der Pasinger Bezirksausschuss (BA) kämpft seit Jahren für eine Lösung. Karl-Heinz Wittmann aus dem Unterausschuss Umwelt sagt: „Die derzeitigen Abwehrmaßnahmen helfen nichts. Die Tiere sitzen auf den Stacheln, die sie abhalten sollen, und hauen ihren Dreck runter.“ Deshalb schlug der Bezirksausschuss vor, einen Falken einzusetzen. Bei einem Ortstermin winkte Reinhard Bodisch vom Referat für Umwelt und Gesundheit (RGU) ab: Der Einsatz des Raubvogels sei wegen durchfahrender Züge, Hochspannungsleitungen und Glasfassaden zu gefährlich.

Die Tauben fänden zudem in und um den Bahnhof genügend Rückzugsmöglichkeiten, zu denen ihnen ein Falke nicht folgen könne. Ein weiteres Problem ist, dass München „flächendeckend mit Wanderfalken versorgt“ sei. Derzeit lebten in der Landeshauptstadt vier bis fünf Paare, unter anderem in Langwied und südlich von Pasing. Bei der Ansiedelung weiterer Raubvögel drohten Revierkämpfe. Ein Falkner wiederum, der mehrmals die Woche kommt, sei sehr teuer, so Bodisch.

Auch wendigere Raubvögel keine Option

Ein Taubenhaus, wie hier auf einem Hochhaus in Bogenhausen, könnte auch die Lösung für den Pasinger Bahnhof sein.

Eine Alternative sei es, Sperber oder Habichte in Bahnhofsnähe anzusiedeln. Sie seien kleiner und wendiger und könnten daher besser die Tauben im Bahnhof jagen. Aber: „An der Würm sind viele seltene Vogelarten zuhause und der Habicht fängt nicht nur Tauben. Außerdem hätte er sich wohl schon dort angesiedelt, wenn der Lebensraum geeignet wäre“, sagt Bodisch. Somit kommt wohl auch diese Option nicht infrage.

Iris Albold von der Taubenhilfe München wünscht sich ein Taubenhaus.

Für Iris Albold von der Taubenhilfe München sind Raubvögel sowieso das falsche Mittel: „Das ist Quatsch, denn sie vertreiben die Tauben nur woanders hin. Das löst das Problem nicht.“ Doch auch sie sieht Handlungsbedarf. Allerdings plädiert sie für ein Taubenhaus. Dort bekommen die Vögel Futter und Wasser. Es gibt Sitzstangen und Nistmöglichkeiten. „Durch ein Taubenhaus sind Tauben seltener auf Futtersuche und obendrein können wir die Eier gegen Attrappen austauschen, um die Population zu kontrollieren“, so Albold.

Auch für Bodisch vom RGU ist das Taubenhaus die beste Option: „Nachts halten sich die Tauben durchgehend darin auf und auch tagsüber verbringen sie 70 bis 80 Prozent der Zeit im Haus, weil sie dort Vollverpflegung haben“, sagt er. Das bedeutet, die Vögel fliegen viel seltener durch den Bahnhof und hinterlassen dort kaum noch Kot. Um die Betreuung des Taubenhauses würde sich der Tierschutzverein kümmern.

Darum bremst die Bahn

Allerdings sträubt sich bisher die Bahn – obwohl das Umweltreferat die Finanzierung übernehmen würde und einen geeigneten Standort identifiziert hätte: zwischen Gleis 1 und der Nordumfahrung. Die Bahn sei unzufrieden mit dem Taubenhaus am Hauptbahnhof und wolle deshalb keines in Pasing, so Bodisch. Das Unternehmen gab dazu keine Auskunft. Sprecher Anton Knapp teilte nur mit, dass am Bahnhof Netze und Spikes zum Einsatz kommen. Die Raubvogelschreie über Lautsprecher, die die Bahn in Pasing zur Vertreibung der Tauben einsetzte, finden nicht mehr statt. Sie hätten keinen nachhaltigen Effekt gehabt. Der BA will nun mit der Bahn einen Ortstermin wegen eines Taubenhauses.

Andreas Schwarzbauer

Taubenhaus für Obermenzing

Seit Jahren ärgern sich Bürger und Politiker über die Taubenplage in der Stadt. Könnte ein Taubenhaus die Lösung sein?

Bisher gibt es 14 Taubenhäuser in München. Am Obermenzinger Bahnhof wird bald eines dazukommen. Es ist auf einem Privatgrundstück in der Nähe des Bahnhofs geplant. Eigentümer und Mieter seien einverstanden, so das RGU. Allerdings gebe es Bedenken der Nachbarn, dass dadurch mehr Kot auf den geparkten Autos landet.

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