Maschinen-Lärm macht uns krank!

Nachbarn einer Stahlfirma klagen im BA Aubing über massive Belästigung

Unter den beiden blauen Kränen stehen die Maschinen, deren Lärm Franz-Xaver Rechner für unerträglich hält.
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Unter den beiden blauen Kränen stehen die Maschinen, deren Lärm Franz-Xaver Rechner für unerträglich hält.

Aubing: Von frühmorgens bis spätabends hämmert, kracht und rattert es ohne Pause auf dem benachbarten Betriebsgelände an der Bergsonstraße, klagt Franz-Xaver Rechner aus Aubing.

Am frühen Morgen, teilweise vor 6 Uhr, gehe der Lärm los, klagt Franz-Xaver Rechner aus Aubing. „Wenn man die Fenster nicht zumacht, dann haut es einen aus dem Bett“, sagt er. Erst Abends ab 21 oder 22 Uhr sei Ruhe. Verursacher des Lärms ist das Unternehmen BTM Bewehrungstechnik.

Die Firma verarbeitet im Aubinger Gewerbegebiet Stahl. Schwere Maschinen verbiegen den Stahl, große Kräne transportieren die Teile mit einem Rattern. Besonders laut seien allerdings die Schlagscheren, die überstehende Teile abschlagen. Im Rhythmus von wenigen Sekunden erklängen die Schläge – oftmals über mehrere Stunden, klagt Rechner.

Bauboom sorgt für mehr Lärm an der Bergsonstraße

Der Rentner wohnt im benachbarten Mischgebiet. Sein Grundstück an der Berg­sonstraße ist nur durch einen Streifen Wiese vom Firmengelände getrennt. Das Unternehmen produziert zwar schon seit mehr als 40 Jahren in Aubing. Aber der Lärm habe in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, sagt Rechner. BTM sei aufgrund des Baubooms immer mehr gewachsen. Inzwischen sei der Lärm so unerträglich geworden, dass sich Rechner Doppelfenster eingebaut hat. Nun höre man im Haus zwar nichts mehr, aber: „Im Garten zu sitzen, ist unmöglich, wenn die Schlagscheren arbeiten“, so Rechner.

Lärm liegt innerhalb der Grenzwerte

Der Niederlassungsleiter von BTM, Rudolf Seifert, ist überrascht, als er von den Vorwürfen erfährt. Eine Lärmmessung habe ergeben, dass die Firma die gesetzlichen Grenzwerte einhalte. Das bestätigt das Referat für Gesundheit und Umwelt. Es teilte mit, „dass der Gewerbelärm zwar als störend empfunden werden kann, jedoch unter den für ein Mischgebiet zulässigen Richtwerten von 60 Dezibel lag.“ Einzelne Geräuschspitzen durch die Schlagscheren lägen ebenfalls unter den Grenzwerten von 90 Dezibel. Damit gebe es keine gesetzlichen Grundlagen, dem Unternehmen Lärmschutzmaßnahmen aufzuerlegen, so das Umweltreferat.

Seifert teilt zudem mit, dass BTM bereits 2014 freiwillig eine Lärmschutzwand am Stahllager sowie Einhausungen für die Maschinen gebaut habe.

Auf dem Gelände steht tatsächlich eine drei Meter lange Holzwand. Rechner ist damit nicht zufrieden: „Das bringt überhaupt nichts.“ Und von Einhausungen sei überhaupt nichts zu sehen, sagt der Aubinger erbost.

Bezirksausschuss will, dass Stadt Arbeitszeiten überprüft

Unterstützung erhält er von weiteren Anwohnern, die neben dem Firmengelände wohnen. Darunter ist Rainer Riek.- Er sagt: „Wenn man draußen ist oder die Fenster offen hat, ist es immer noch sehr laut. Man versucht er zwar zu ignorieren, aber es zehrt an den Nerven. Ich würde mir deshalb wünschen, dass die Maschinen in ein schallisolierendes Gebäude kommen.“

Bei der vergangenen Sitzung wendeten sich Rechner und Riek an den Bezirksausschuss. Neben Lärmschutz wünschten sie sich, dass die Stadt die Arbeitszeiten der Firma überprüft. Rechner wirft BTM vor, die Angestellten arbeiteten teilweise durchgehend von 6 bis 22 Uhr. Das sei nicht mit den Arbeitsschutzgesetzen vereinbar.

Niederlassungsleiter Seifert räumt dies ein. Er sagt aber: „Das war eine Ausnahme, weil ein neuer Arbeiter nicht gewusst hat, dass er nicht so lange arbeiten darf.“

Der Bezirksausschuss werde sich dafür einsetzen, dass die Stadt prüft, ob BTM Lärmgrenzen und Betriebszeiten einhält, versichert der Vorsitzende Sebastian Kriesel. Sollte das in Ordnung sein, müssten die Anwohner allerdings mit der Geräuschkulisse leben. Dann gebe es keinen Anspruch auf eine Lärmschutzwand oder ähnliches.
Andreas Schwarzbauer

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