Kein Platz für die Schäferwagen

Entdeckerdorf: Stadt entzieht kurzfristig die Standort-Zusage – Sozialprojekt vor dem Aus

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Das Schäferwagendorf existiert nicht nur als Modell. Pia Novak hat es bereits 2016 in Königsdorf ins Leben gerufen.

Seit 2016 bieten Pia Novak und ihre Mitstreiter Familien mit geringem Einkommen die Möglichkeit, in ihrem Schäferwagendorf günstig Urlaub zu machen. Doch nun steht das Projekt plötzlich vor dem Aus...

Pasing – Das Entdeckerdorf Muck will auch Familien mit geringem Einkommen einen Urlaub ermöglichen. Sie können dort für wenig Geld einen Schäferwagen zum Übernachten mieten. Die Stadt lobt das Pasinger Sozialprojekt als vorbildlich. Doch jetzt steht es vor dem Aus, denn der gemeinnützige Trägerverein findet keinen Standplatz.

Bisher standen die sieben Wagen auf einem Jugendzeltplatz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Allerdings sei das nicht ideal gewesen, weil dort aufgrund vieler Jugendgruppen zu viel Trubel war. „Die meisten unserer Besucher wollen Entspannung und Ruhe“, sagt die Pasingerin Pia Novak, die das Dorf gemeinsam mit Mitstreitern 2016 ins Leben gerufen hat. 

Umso erfreuter war sie, als die Stadtgüter München, die Gutshöfe der Stadt in und um München verwalten, dem Verein eine Wiese auf dem Gut Schorn im Landkreis Aichach-Friedberg anboten. Der Verein war bereits dorthin umgezogen, als die Stadt im Februar kurzfristig absagte. „Das kam völlig überraschend für uns“, sagt Novak. 

Zwar boten die Stadtgüter dem Entdeckerdorf mehrere Grundstücke in anderen Gemeinden an. Aber: „Als ich in den entsprechenden Rathäusern anrief, sagte man mir, dass unser Projekt dort nicht möglich ist, weil die Flächen im Außenbereich sind“, sagt Novak. Das Problem: Im Außenbereich ist eine Bebauung nur im Ausnahmefall möglich. Das Schäferwagendorf fällt nicht unter eine dieser Ausnahmen. 

Kommunalreferat schweigt zu den Hintergründen

Warum die Stadt dem Verein die Standorte anbot, will das zuständige Kommunalreferat ebensowenig beantworten wie die Frage, warum es seine Zusage für das Gut Schorn wieder zurückzog. „Sachverhalte zu Vertragsverhältnissen und -verhandlungen mit Dritten kommentieren wir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht öffentlich“, heißt es.

Novak kann das alles nicht nachvollziehen. Sie fühlt sich im Stich gelassen. Es gebe im Baurecht Spielräume, aber der Verein sei auf Wohlwollen der Gemeinden angewiesen. Mit Unterstützung der Stadt hätte man dies erreichen können, ist sich die Pasingerin sicher.

Doch als der Verein Oberbürgermeister Dieter Reiter um Hilfe bat, teilte dieser nur mit, dass die Stadt keine geeigneten Flächen besitze. „Ich sehe leider keine Möglichkeit, weiter bei der Suche nach Standorten behilflich zu sein.“

Initiatorin hofft auf mehr Anerkennung

Novak kann das nicht glauben: „Wir haben keine hohen Ansprüche.“ Nicht einmal eine Toilette vor Ort sei nötig, weil der Verein einen Sanitär-Container mieten könnte. Und die Pachtkosten für das Grundstück könne der Verein mithilfe von zwei Stiftungen selbst tragen. „Ich wünsche mir mehr Anerkennung für unsere Arbeit. Wir haben drei Jahre lang sehr viel Herzblut reingesteckt und die Stadt auch ein Stück weit bereichert“, so Novak.

Sollte sich nicht kurzfristig eine Lösung finden, ist es das Ende für das Entdeckerdorf. „Wir haben keine Einnahmen und können deshalb keinen Stellplatz für die Wagen finanzieren. Also müssen wir sie verkaufen“, sagt Novak.

Andreas Schwarzbauer

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