Gebäude direkt am Gehweg: Kein Platz für Radler und Fußgänger

Warum der Bezirksausschuss einen Neubau kritisiert, dem er selbst zugestimmt hat

Constanze Söllner-Schaar ärgert sich, dass kaum Platz für einen Geh- und Radweg bleibt.
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Constanze Söllner-Schaar ärgert sich, dass kaum Platz für einen Geh- und Radweg bleibt.

Pasing – Zwischen Neubau und Straße ist kaum Platz. Trotzdem sollen dort noch ein Rad- und ein Fußweg hin. Der Bezirksausschuss kritisiert das – obwohl er dem Bauvorhaben selbst zugestimmt hat

Nur ein schmales Stück ist zwischen der Hauswand des Neubaus und der Fahrbahn der Planegger Straße in Pasing noch frei. „Es sind vielleicht drei Meter“, sagt Constanze Söllner-Schaar, Fraktionssprecherin der SPD. Dort soll ein Fuß- und ein Radweg Platz finden. „Wie man so etwas genehmigen kann, ist mir ein Rätsel. Wir wollen eine fahrradfreundliche Stadt sein und das wird natürlich alles andere als ein bequemer Radweg“, kritisiert Söllner-Schaar. Außerdem schränke das Gebäude an der Planegger Straße 47, das in einer Kurve steht, die Sicht auf die Straße ein.

Besonders ärgert Söllner-Schaar, dass auf der anderen Seite des Grundstücks noch viel Platz ist. „Man hätte das Gebäude einfach einige Meter verschieben können“, sagt sie. „Es wäre eine Win-Win-Situation für alle gewesen.“ Radler und Fußgänger hätten genügend Platz und diejenigen, die in den geplanten Büroräumen im Erdgeschoss arbeiten werden, „sitzen nicht halb auf der Straße“.

Der Pasinger Bezirksausschuss kritisiert, dass die Stadt den Bau trotz dieser Engstelle genehmigt hat – Dabei hat er dem Bauvorhaben zuvor selbst zugestimmt hat.

Das sehen auch ihre Kollegen im Pasinger Bezirksausschuss so und kritisieren die Genehmigung des Baus in einem interfraktionellen Antrag. Das Pikante: Der Bezirksausschuss selbst hat den Plänen auch zugestimmt. Roland Schichtel, Vorsitzender des federführenden Unterausschusses Bau, sagt: „Im Bauvorbescheid hat man nicht gesehen, dass das Gebäude so weit nach vorne geht.“ Auch Söllner-Schaar sagt: „Mir ist das nicht aufgefallen, aber ich bin keine Architektin, sondern Ärztin.“ Schichtel sieht in solchen Fällen die Lokalbaukommission in der Pflicht.

Deren Sprecher Ingo Trömer verweist allerdings darauf, dass es dort eine Baulinie gibt, die direkt an der Grundstücksgrenze und damit direkt an der Straße liegt. „Das bedeutet, dass die Baukörper an diese Linie gebaut werden müssen.“ Das alte Gebäude sei an der gleichen Stelle gestanden, sodass sich die Verhältnisse nicht geändert hätten.

Söllner-Schaar ärgert sich trotzdem. „Es wäre eine Chance gewesen, die Situation zu verbessern. Der Eigentümer wäre flexibel gewesen“, sagt sie. Trömer verweist darauf, dass der Bauherr keinen Antrag auf Befreiung von der Baulinie gestellt habe. „Wir müssen in Zukunft genauer hinschauen und mehr miteinander sprechen“, sagt Söllner-Schaar. Ob das in diesem Fall etwas geholfen hätte ist allerdings zweifelhaft. Denn Trömer sagt: „Eine Befreiung wäre wohl im Hinblick auf die umliegenden Gebäude, die alle ebenfalls an der Baulinie beziehungsweise Grundstücksgrenze stehen, auch nicht erteilt worden.“

Andreas Schwarzbauer

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