Scharfe Kritik an Nachverdichtungsplänen

Droht den Pasingern hier der Verkehrsinfarkt?

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Die vierstöckigen Mehrspänner sollen auf fünf bis sechs Etagen aufgestockt werden.

Pasing – Schon jetzt herrscht zwischen Varnhagen-, Volm- und Hieronymusstraße Parkchaos – Doch das Immobilienunternehmen Vonovia will dort mehrere Gebäude aufstocken – zum Ärger der Anwohner

Die Parksituation im Quartier westlich der Lortzing­straße und südlich der Bahnlinie ist bereits jetzt angespannt. Die Straßen sind beidseitig zugeparkt. Oft sei die Fahrbahn für Müllwagen oder Schneeräumfahrzeuge zu schmal. „Eine weitere Belastung ist für die Bewohner des Viertels unzumutbar“, finden die Anwohner Christian Löhr, Michael Nagi und Thomas Heindl. Deshalb waren sie entsetzt, als sie von den Nachverdichtungsplänen von Eigentümer Vonovia erfuhren.

Zwischen Varnhagen-, Volm- und Hieronymusstraße müssen Anwohner schon jetzt lange nach einem Parkplatz suchen.

Die viergeschossigen Mehrspänner an der Volmstraße sollen auf fünf bis sechs Etagen aufgestockt und die Satteldächer durch Flachdächer ersetzt werden. An der Ecke von Volm- und Hieronymusstraße plant Vonovia zudem ein Hochhaus. An der Lortzingstraße will das Unternehmen ebenfalls nachverdichten, sodass insgesamt 230 neue Wohnungen entstehen.

Stellplätze will Vonovia in zwei Tiefgaragen schaffen. Sprecherin Bettina Benner sagt: „Zusätzlicher Wohndruck im Umfeld soll auf jeden Fall verhindert werden.“ Die Anwohner glauben nicht daran. Die Stadt München schreibe vor, pro Wohneinheit einen Stellplatz zu schaffen, aber: „Das ist entschieden zu wenig. Die Leute haben nicht nur ein Auto pro Familie“, sagt Löhr. Nagi fürchtet deshalb den Verkehrsinfarkt. Verschärft werden könnte die Lage durch ein Mobilitätskonzept, an dem Vonovia derzeit arbeite, wie Sprecherin Benner verrät. Dadurch könnten die Stellplätze noch reduziert werden.

Christian Löhr (rechts), Michael Nagi sind um die geplante Nschverdichtung besorgt. Schon jetzt führten die zugeparkten Straßen zu massiven Problemen.

Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner ist, dass sich die neue Bebauung nicht in die Umgebung einfügt. Mit Ausnahme von drei Hochhäusern gebe es in der Umgebung fast nur maximal vierstöckige Gebäude mit Satteldach. „Die geplanten Aufstockungen sind ein echter Stilbruch“, kritisiert Nagi. „Uns ist klar, dass die Stadt dringend Wohnungen benötigt, aber die Bauweise sollte sich ins Quartier einfügen.“

Für Vonovia wird das Quartiersbild durch die Nachverdichtung dagegen „eine markante Aufwertung“ erhalten, so Benner. Die Dachform sei aus den unteren Etagen nicht mehr erkennbar. Zudem biete sich durch die geplante Dachbegrünung „Raum zur Förderung der ökologischen Vielfalt“. Benner verweist auf ähnliche Dachformen entlang von Lortzing- und Bodenseestraße. Löhr und Nagi kritisieren zudem, dass im Zuge des Bauvorhabens auch einige Bäume mit ortsbildprägenden Charakter weichen müssen. Wo Fällungen nötig seien, gebe es Ersatzpflanzungen, so Benner. 

Andreas Schwarzbauer

Löhr und Nagi hoffen, dass die Vonovia ihre Pläne nochmal überdenkt. Dafür wollen sie weitere Nachbarn mobilisieren. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail unter dermichaelnagi@yahoo.de oder christian@loehr.ch melden.

Vorgabe für Stellplätze

Seit 2008 regelt eine Satzung in München, wie viele Stellplätze bei Neubauvorhaben entstehen müssen. Pro Wohnung muss es einen Parkplatz geben. Bauherren müssen weniger Stellplätze nachweisen, wenn sie ein Mobilitätskonzept vorlegen und beispielsweise Car-Sharing, Leihräder oder Abstellplätze für Räder bereitstellen.

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