Platzmangel gefährdet Bestand von heilpädagogischem Kinderhaus

Ist das Kinderhaus in Gefahr?

Florian Roder (links) und Wolfgang Schäfer hoffen auf eine Lösung für das Kinderhaus.
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Florian Roder (links) und Wolfgang Schäfer hoffen auf eine Lösung für das Kinderhaus.

Pasing – Seit einem halben Jahrhundert existiert das Kinderhaus an der Floßmannstraße. Doch nun muss die heilpädagogische und integrative Einrichtung um ihre Zukunft kämpfen

15 Kinder drängen beim Mittagessen in einem kleinen Raum um drei Tische, die Geräuschkulisse ist hoch. Ein Stockwerk höher hat sich eine kleine Schlange vor der einzigen Toilette für die 22 Kinder im Obergeschoss gebildet. Zum Wickeln ist es darin zu eng. Dazu müssen die Mitarbeiter in das benachbarte Turn- und Musikzimmer ausweichen – wenn es frei ist. Im Kinderhaus an der Floßmannstraße am Pasinger Bahnhof herrscht akuter Platzmangel.

Deshalb suchen die Verantwortlichen eine Lösung. „Das Gebäude erfüllt nicht mehr die aktuellen Standards für eine Kindertagesstätte. Wir wissen nicht, wie lange es noch geduldet wird. Wir bekommen von der Regierung von Oberbayern Signale, dass wir etwas machen müssen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schäfer.

Eine Möglichkeit wäre ein Anbau. „Aber es ist unklar, ob er genehmigt wird“, sagt der pädagogische Leiter Florian Roder. Denn das Gebäude befindet sich in der Pasinger Villenkolonie, die unter Ensembleschutz steht. Deshalb suchen Roder und Schäfer parallel nach einer anderen Lösung. So wollten sie mithilfe von Fördergeldern und Spenden auf einem Grundstück in der Blumenau ein neues Gebäude bauen. Doch das zerschlug sich. Die Zukunft des Kinderhauses gerate zunehmend in Gefahr, so die Verantwortlichen. Sie wandten sich an den Bezirksausschuss und baten um Hilfe.

Der Bedarf nach integrativen und heilpädagogischen Angeboten sei in München sehr hoch. „Wir könnten jeden Platz viermal vergeben“, sagt Roder. Die Zahl der Kinder mit besonderen Förderbedarf steige an. Das Kinderhaus genieße höchstes Renommee und sei personell gut ausgestattet (siehe Kasten), so Roder. „Wir sind ein Schiff in voller Fahrt.“ Nun braucht es nur noch einen Platz zum Ankern.

Andreas Schwarzbauer

Kinderhaus Floßmannstraße

In der integrativen Einrichtung herrscht Platzmangel.

Das Kinderhaus Floßmannstraße ist ein heilpädagogischer und integrativer Kindergarten. Es wird seit 1970 von einem Verein getragen, der als freier Träger der Arbeiterwohlfahrt angeschlossen ist. In fünf Gruppen werden 50 Kinder von je zwei bis drei Fachkräften betreut. Außerdem hat die Einrichtung zwei Psychologinnen, eine Logopädin und eine Physiotherapeutin. Insgesamt 23 Fachkräfte arbeiten derzeit im Kinderhaus. 

Der Integrationskindergarten umfasst zwei Gruppen mit je 15 Plätzen. Er besteht aus gesunden und behinderten beziehungsweise deutschen und ausländischen Kindern. Beim gemeinsamen Spielen sollen sie lernen, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu verstehen. Die drei heilpädagogische Gruppen besuchen 20 Kinder mit Behinderung. Sie werden gezielt gefördert.

Tim Uhlendorf

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