Münchens ältestes Kabarettfestival sagt „Servus“

Ein letztes Piksen: Das "Kabarett Kaktus“ hört nach 30 Jahren auf

+
Albert Kapfhammer winkt zum Abschied vom Kabarett kaktus von der Bühne der Pasinger Fabrik.

Pasing – Es ist das Ende einer Ära: Nach 30 Jahren schließt das Kabarett „Kaktus“  seine Pforten – In Hallo verrät der Gründer, Albert Kapfhammer, warum Schluss ist

Das „Kabarett Kaktus“, Münchens ältestes Kabarettfestival, hört nach 30 Jahren auf. Für viele namhafte Künstler wieDjango Asül, Klaus von Wagner, Marc-Uwe Kling oder den neuen Fastenprediger Maxi Schafroth war es der Startschuss für ihre Karrieren. Aber nun ist Schluss: „Wir haben seit ein paar Jahren den Eindruck, dass nicht mehr alles so passt“, sagt Albert Kapfhammer. Er rief den Kleinkunstwettbewerb 1989 gemeinsam mit Helmut Schleich, Christian Springer und Andreas Rüttenauer ins Leben.

Kabarett Kaktus will piksen

Für viele namhafte Künstler wie Vince Ebert (links) und Klaus von Wagner (rechts) bot das Kabarett Kaktus die Karriere-Startrampe.

Damals mangelte es an München an Auftrittsmöglichkeiten. Darunter litten auch die Jung-Kabarettisten Schleich, Springer und Rüttenauer. Über einen Bekannten trafen sie auf Kapfhammer, der als Sozialpädagoge bei dem Verein „Kultur & Spielraum“ arbeitete. „Die Pasinger Fabrik war damals unser Spiele- und Requisitenlager. Aber wir hatten gerade angefangen, die Räume auch für Veranstaltungen zu nutzen. Da habe ich ihnen angeboten: Wenn ihr euch um den inhaltlichen Teil kümmert, organisiere ich alles andere“, erinnert sich Kapfhammer. Und so entstand das „Kabarett Kaktus“. Anfangs war es eine offene Bühne, drei Jahre später wurde es zu einem mehrtägigen Wettbewerb, bei dem sich junge Kabarettisten zeigen konnten. Der Name „Kaktus“ lag nahe, denn: „Kabarett soll auch ein bisschen piksen“, so Kapfhammer.

Gründe für das Aus

Nach schwierigen Anfangsjahren folgte ab Mitte der 90er die Hochzeit des „Kabarett Kaktus“. Das Festival musste von einem kleinen Saal in die große Wagenhalle der Pasinger Fabrik umziehen. Aber seit etwa fünf Jahren sei es schwieriger geworden, geeignete Künstler zu finden. „Wir wollen Kabarettisten, die ein Anliegen haben“, sagt Kapfhammer. „Was wir nicht unterstützen wollen, ist, wenn Kabarett einfach nur als Geschäftsfeld gesehen wird.“ Das treffe aber inzwischen häufig zu. „Wir hatten in den vergangenen Jahren fast nur noch mit Agenturen zu tun.“

Auch Django Asül trat in seinen Anfangsjahren beim Kaktus auf.

Außerdem habe sich die gesamte Landschaft im Kleinkunstbereich geändert. „Es gibt inzwischen Wettbewerbe ohne Ende und mit dem Internet noch ganz andere Wege, sich darzustellen“, sagt Kapfhammer. Der Kaktus sei nur noch eine Möglichkeit unter vielen. Das merken die Organisatoren auch. „Die Künstler haben oft keine Zeit mehr, sich mehrere Abende freizuhalten.“

Ein weiteres Problem sei, dass immer weniger Zuschauer kommen. Die Höhepunkte mit Auftritten namhafter Künstler seien nach wie vor sehr gut besucht, aber an den Wettbewerbsabenden mit den Nachwuchstalenten sei es der Saal manchmal nur noch halbvoll. „Der Kern des Kaktus ist der Wettbewerb. Wenn das für die Leute nicht mehr interessant ist, dann ist es Zeit aufzuhören“, sagt Kapfhammer.

Er blickt ohne Groll zurück. „Ich bin zufrieden und stolz. Bei uns standen fast 450 Künstler auf der Bühne. Viele Gewinner sind heute gut im Geschäft und einen kleinen Teil dazu hat der Kaktus beigetragen. Dafür hat es sich gelohnt.“

Andreas Schwarzbauer

Die Abschieds-Sieger beim „Kaktus“

Bei der letzten Ausgabe des „Kabarett Kaktus“ gewann der Kölner Juri van Stavenhagen. Auf dem zweiten Platz landete der gebürtige Ukrainer Konstantin Korovin.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare