Schnellrestaurant blockiert Blindenleitsystem

Fastfood-Ärger am Bahnhof

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Frieder Vogelsgesang und Maria Osterhuber-Völkl zweifeln, ob der Bauzaun, der die Terrasse des Schnellrestaurants am Pasinger Bahnhof begrenzt, mit dem Denkmalschutz vereinbar ist.

Pasing - Verschandelung am Bahnhof: Ein Schnellrestaurant bekommt jetzt Ärger mit dem Denkmalschutz

Eine Metallabsperrung mit dem Charme eines Bauzauns steht als Begrenzung der Terrasse des Schnellrestaurants vor dem Pasinger Bahnhof. An ihm hängen Plakate, die das Angebot bewerben. Für Maria Osterhuber-Völkl und Frieder Vogelsgesang (beide CSU) ist dies eine Verschandelung des denkmalgeschützten Pasinger Bahnhofs. Sie fordern deshalb in einem Antrag im Bezirks­ausschuss, dass die Stadt alle Freischankflächen am Bahnhof nochmal unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes bewertet. 

Absage für ein Bushäuschen, aber Zusage für Reklametafeln?

Die beiden Politiker ärgert besonders, dass die Bahn zwar ein Buswartehäuschen für die Fahrgäste der Linie 56 am Vorplatz abgelehnt hat, weil es nach Aussage des Unternehmens den Blick auf das denkmalgeschützte Gebäude zu sehr beeinträchtigt. Gleichzeitig aber den Terrassen der beiden Schnellrestaurants und zudem zwei Verkaufsständen am Vorplatz zugestimmt habe. „Die Verunstaltung des Bahnhofs durch zwei Fastfood-Ketten ist jedenfalls ein bedeutend größeres Ärgernis“, meinen Osterhuber-Völkl und Vogelsgesang. „Wir haben nichts gegen Freischankflächen, aber sie sollen optisch dazu passen“, sagt Osterhuber-Völkl. 

Unansehnlich und nicht passend zum denkmalgeschützen Gebäude: Die provisorischen Zäune vor KFC.

Während die Terrasse von McDonalds mit Pflanzentrögen recht ansehnlich gestaltet sei, sehe der Zaun vor KFC einfach nur billig aus, kritisiert Vogelsgesang. Die Untere Denkmalschutzbehörde teilte mit, dass grundsätzlich nichts gegen eine Freischankfläche einzuwenden sei. Die Werbeplakate wird die Behörde allerdings nochmal prüfen. Die Deutsche Bahn will sich zu diesem Thema nicht öffentlich äußern. 

Zusätzliches Ärgernis: Terrassen blockieren das Blindenleitsystem

Ein weiteres Ärgernis für Osterhuber-Völkl und Vogelsgesang ist, dass beide Terrassen das Blindenleitsystem blockieren. Zwar stehen die Begrenzungen inzwischen nicht mehr wie bisher direkt auf den Markierungen, allerdings sind sie nur wenige Zentimeter weggerutscht. „Die Blinden rennen so doch immer noch volle Kanne gegen den Blumentrog. Das geht gar nicht“, meint Vogelsgesang. 

Die Sprecherin von McDonalds, Carolin Vuotto, teilte mit, dass das Problem dem Unternehmen bisher nicht bekannt war. „Wir werden entsprechend intern Rücksprache halten und die Tröge so verschieben, dass den Blinden das Leitsystem voll zugänglich ist.“ 

KFC sieht dagegen keine Handlungsbedarf: Die Terrassenabtrennung sei vorschriftsmäßig aufgestellt worden und in gutem Zustand, teilte eine Sprecherin mit. „Bei der von Ihnen vermuteten Orientierungshilfe für Blinde handelt es sich lediglich um eine Wasserablaufrinne“, so das Unternehmen. Allerdings gehört die Rinne zum Bodenleitsystem am Bahnhof, wie die Behindertenbeauftragte Franziska Miroschnikoff betont. „Es ist sogar vorgeschrieben, wie viel Abstand zu dieser Rinne freigehalten werden muss, damit der Blindenstock nicht behindert wird.“

Andreas Schwarzbauer

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