Die Stadt widmet einem fast Vergessenen eine Gedenkstele

So erinnert die Stadt an den im KZ Dachau ermordeten Bernhard Haas

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Peter Knoch, Bernhard Schoßig und Bernhard Koch haben sich dafür eingesetzt, dass an der Varnhagenstraße eine Gedenkstele aufgestellt wird.

Pasing – Vor 80 Jahren ermordeten die Nationalsozialisten den Pasinger Juden Bernhard Haas im KZ Dachau. Dank der Geschichtswerkstatt „Jüdisches Leben in Pasing“ widmet die Stadt ihm nun eine Gedenkstele

Der Pasinger Bernhard Haas bekommt in der Varnhagenstraße eine Gedenkstele. Haas war Jude und ein Opfer der Reichskristallnacht im November 1938. Die Nationalsozialisten verhafteten ihn am 10. November und brachten ihn ins KZ Dachau. Dort starb er drei Wochen später.

Dass Haas nun mit einer Gedenkstele gedacht wird, ist ein Verdienst der Geschichtswerkstatt „Jüdisches Leben in Pasing“. Die Mitglieder recherchierten seit 2005 die Schicksale zahlreicher Pasinger Juden im Dritten Reich. Das sei nicht ganz einfach gewesen, sagt der Vorsitzende Bernhard Schoßig. „Es gab die These, dass es in Pasing damals keine Juden gab. Aber das konnte so nicht stimmen“, so Schoßig.

Die Stele wird an der Varnhagenstraße 9 an Haas’ Todestag, dem 28. November, um 16 Uhr enthüllt.

Und tatsächlich stieß der Verein auf rund 40 jüdische Namen aus Pasing und Obermenzing, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. „Es war eine Detektivarbeit“, sagt Bernhard Koch. Sie durchforsteten Unterlagen vom Finanzamt, Grundbuch­einträge und Todeslisten aus dem KZ-Dachau. Sie befragten Leute aus dem Stadtteil und spürten Nachkommen der Verstorbenen auf. „Es war eine anstrengende Arbeit, aber mich hat die Neugier angetrieben, dass dort etwas gewesen sein muss“, sagt Peter Knoch.

Als die Stadt den ermordeten Juden mit Erinnerungsstelen gedenken wollte, machten sich Schoßig, Koch und Knoch für Bernhard Haas stark. „Er war der einzige Pasinger, der die Pogromnacht mit dem Leben bezahlt hat“, sagt Knoch. Der 80. Jahrestag sei der passende Anlass, um Haas zu ehren. Die drei begrüßen, dass die Stadt Stelen aufstellt. „Man sieht sie von Weiten, sie sind auf Augenhöhe und man tritt nicht drauf. Deshalb sind sie mir sympathischer als Stolpersteine“, sagt Koch.

Die Stele wird an der Varnhagenstraße 9 an Haas’ Todestag, dem 28. November, um 16 Uhr enthüllt.

Andreas Schwarzbauer

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