Mehr als nur Integration

Erfolgreiche Kicker vor dem Aus?

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Die Fußballer um Trainer Boubacar Tangara (links) hoffen, dass es mit ihrer Mannschaft FC Mainaustraße weitergeht.

Westkreuz – Flüchtlingsmannschaft FC Mainaustraße benötigt Sponsor, um weiter bestehen zu können

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die nun jäh gestoppt werden könnte: Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft am Westkreuz schlossen sich 2017 zu einer Fußballmannschaft zusammen (Hallo berichtete) und spielen seitdem als FC Mainau­straße in der Freizeitliga „Royal Bavarian Liga“ (RBL). Und das ziemlich erfolgreich: Im ersten Jahr verloren sie nur ein Spiel und stiegen auf Anhieb auf. In der höheren Liga landete der FC Mainaustraße auf Platz vier. Doch jedes Jahr mussten die jungen Männer bangen, ob es weitergeht. Denn die Hobbyliga kostet Geld. Rund 1200 Euro sind jährlich für Platzmiete, Schiedsrichter, Anmeldegebühr und Ausrüstung fällig. Für die Flüchtlinge ist das ein Problem. „Es sind viele junge Männer dabei, die noch in die Berufsschule gehen, um ihren Abschluss zu erwerben. Sie verdienen noch kein Geld“, sagt Lauren McLaughlin, die für die AWO das Projekt betreut. In den vergangenen Jahren halfen der Verein „Lichterkette“ und der Aubinger Bezirksausschuss finanziell aus. Allerdings fördern beide Institutionen Projekte nur einmalig und nicht dauerhaft. Deshalb sucht der FC Mainaustraße nun Sponsoren oder Spender. McLaughlin hofft, dass es klappt: „Es ist ein tolles Konzept, denn in der Freizeitliga kommen sie mit ganz vielen verschiedenen Mannschaften in Kontakt.“ So trafen die Kicker des FC Mainaustraße schon auf das Team eines Burschenvereins oder eine Theken-Truppe. Und es bleibt oft nicht beim Fußball. Oft sitzen die Kicker beider Teams auch nach dem Spiel noch zusammen. Zudem müssen die Flüchtlinge den Spielbetrieb selbst organisieren. Dazu gehört es, einen Termin mit dem Gegner abzusprechen, einen freien Platz zu buchen oder einen Schiedsrichter zu finden. „Sie haben ihre eigenen Strukturen geschaffen“, sagt McLaughlin. Auch das sei wichtig, um selbstständig zu werden. Insgesamt ist die Bürokratie in der RBL gering: Spielerpässe sind nicht notwendig und Freunde können auch kurzfristig noch für die Mannschaft angemeldet werden. Wer den FC Mainaustraße als Sponsor und Spender unterstützen will, kann sich per E-Mail an kontakt@helferkreis-mainaustrasse.de wenden. A. Schwarzbauer

So funktioniert die Freizeitliga

Die Royal Bavarian Liga existiert seit 1985 und startete damals mit acht Mannschaften. 2018 traten 185 Teams in vier Spielklassen sowie drei Staffeln für Ü30-Teams an. Wie im regulären Spielbetrieb wird in der RBL über 90 Minuten auf normalen Fußballfeldern gespielt. Allerdings darf beliebig oft gewechselt werden, neue Mitspieler können kurzfristig registriert werden und es gibt keine festen Spieltage. Die Teams müssen innerhalb eines Rahmenkalenders ihre Spiele selbstständig organisieren. Pro Mannschaft dürfen nur zwei Spieler in einem regulären Verein des Fußballverbands (maximal Kreisklasse) kicken. Weitere Informationen gibt es unter www.royalbavarianliga.de.

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