Anwohner wegen Bauzaun wie im Gefängnis

Eingesperrt in der eigenen Wohnung

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Helga Mutombo muss sich mit ihren Krücken über den Rasen quälen, weil der Bauzaun den betonierten Weg versperrt.

Freiham . An der Clarita-Bernhard-Straße blicken die Hausbewohner direkt auf einen zwei Meter hohen Bauzaun. Jetzt reicht es den Bewohnern

Wenn Helga Mutombo vor die Haustüre an der Clarita-Bernhard-Straße in Freiham tritt, blickt sie seit kurzem direkt auf einen zwei Meter hohen Bauzaun. Er versperrt ihr den Zugang zum asphaltierten Fußweg, der zur Straße führt. Die gehbehinderte Frau muss stattdessen über einen schmalen Streifen Wiese gehen. Vorsichtig tastet sie sich vorwärts. Immer wieder sinkt sie mit ihren Krücken in der Wiese ein. „Es ist wahnsinnig schwer zum Laufen“, klagt Mutombo.

Der Grund für den Bauzaun ist eine Baustelle hinter dem Mehrspänner, in dem Mutombo wohnt. Dort soll ein Bürogebäude entstehen. Das Gitter sperrt die Zufahrt für die Baufahrzeuge ab, die nur etwa drei Meter von den Haustüre der Freihamerin entfernt verlaufen soll. Eineinhalb bis zwei Jahre sollen die Arbeiten dauern. Für Mutombo ist das kein Zustand: „Das ist ein Irrsinn. Der Krankenwagen kommt nicht mehr zu den Wohnungen und es ist kein Fluchtweg mehr da.“ Und auch der Blick aus dem Fenster ist nicht besonders schön. „Ich komme mir vor, wie in einem Gefängnis“, sagt sie. 

Eingeschränkte Menschen kommen gar nicht mehr aus dem Haus

Und nicht nur das: Mutombo muss regelmäßig ins Krankenhaus. Dafür wird sie eigentlich direkt vor der Haustüre mit dem Auto abgeholt. Das ist nun nicht mehr möglich. Die Rentnerin muss sich die rund 100 Meter zur Straße über den unebenen Rasen quälen. Und der Fahrer muss ihr schweres Sauerstoffgerät nach vorne schleppen. Eine Nachbarin sei mit ihrem Mann extra in eine behindertengerechte Wohnung gezogen, berichtet Mutombo. Doch nun komme sie wegen des Bauzauns nicht mehr aus dem Haus. 

In der Nacht fürchtet Mutombo über die Betonfüße der Absperrung zu stolpern, denn beleuchtet ist das Rasenstück nicht. Und an Regen will die Freihamerin gar nicht denken. „Dann verwandelt sich das in einen Sumpf“, fürchtet sie. Mutombo ärgert sich vor allem, weil es ihrer Meinung nach Alternativen gegeben hätte. So hätte der Fußweg vom S-Bahnhalt Freiham für die Baufahrzeuge gesperrt werden können, denn es gebe Alternativen für die Bahnfahrer. Die GVD-Hausverwaltung, kümmert sich um die betroffenen Gebäude an der Clarita-Bernhard-Straße. Sie teilte mit, dass der Weg, auf dem die Bauzäune stehen, zum hinteren Grundstück gehöre. „Wir haben dort nur Wegerecht.“ Sie verweist auf die Stadt, die das genehmigt hätte. 

Dort fühlt sich allerdings niemand zuständig. Die Lokalbaukommission sei nur für die Genehmigung des Neubaus selbst zuständig, so das Planungsreferat und verweist auf das Kreisverwaltungsreferat (KVR). Dessen Sprecher Johannes Mayer wiederum sagt: „Es handelt sich um Privatgrund. Die mit Bauzäunen eingezäunte Baustellenspur ist kein öffentlicher Verkehrsgrund – das KVR ist also nicht zuständig.“ 

Andreas Schwarzbauer

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