Clara Klug tritt bei Paralympics an

Blinde Biathletin aus Pasing auf Medaillenkurs

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Clara Klug hält sich bei der Abfahrt am Stock von Guide Martin Hartl fest.

Pasing - Von wegen Handicap: Mit 23 Jahren läuft Münchnerin Clara Klug bei Olympia - und das vollkommen blind

Die Pasingerin Clara Klug fiebert dem 10. März entgegen. Dann steht bei den paralympischen Spielen in Südkorea nämlich der erste Wettbewerb für die blinde Biathletin an. Mit ihrem Lotsen (Guide) Martin Härtl tritt sie im Sprint über sechs Kilometer an. Klug rechnet sich gute Chancen auf eine Medaille aus: „Im diesjährigen Weltcup haben wir gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind“, sagt die 23-Jährige. Bereits im ersten Rennen dieser Saison konnte sie sich für die Paralympics qualifizieren. Danach sei es etwas holprig gelaufen, meint Klug. Sie verletzte sich kurz vor Weihnachten am Daumen und musste beim Schießtraining kürzertreten. „Meine Beine haben davon aber profitiert“, erzählt sie lachend. 

Im Januar erwischte sie dann der Noro-Virus. „Statt ins Trainingslager ging es nach Hause und ich musste komplett pausieren.“ Bei der Generalprobe, den deutschen Meisterschaften im Februar, stürzte Klug erneut auf den Daumen. Dennoch bleibt sie zuversichtlich. Immerhin konnten sie und Härtl bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr dreimal aufs Podium springen. „Wir haben eine realistische Chance auf eine Medaille, aber geschenkt wird uns nichts“, sagt sie. Seit vier Jahren bereitet sich die Pasingerin vor: „Damals hat Martin gefragt, ob ich das Ganze professioneller machen möchte – mit dem klaren Ziel Pyeongchang.“ Diesem Traum ordnete sie alles unter. Für ihre Hobbys Klavierspielen und Reiten blieb kaum noch Zeit. Ihr Studium der Computerlinguistik hat sie für ein Semester auf Eis gelegt. Aber: „Im Frühjahr nach den Spielen plane ich, meine Bachelorarbeit zu schreiben.“ Andreas Schwarzbauer

So funktioniert Biathlon für Blinde

Clara Klug nimmt nach dem Schießen die Stöcke in die Hand, um das Rennen wieder aufzunehmen.

• Langlaufen: Auf der Strecke läuft ihr Guide Martin Härtl vor ihr und führt sie mit verbalen Kommandos. Mit einem ständigen „hop, hop, hop“ gibt er die Richtung vor. Mithilfe der Uhrzeiten beschreibt er den Verlauf der Kurven. Eine enge Linkskurve ist beispielsweise eine Elf. Bei steilen Abfahrten hält der Athlet die Stockspitze des Guide. Dabei darf er sich aber auf keinen Fall ziehen lassen. 

• Schießen: Härtl bringt Klug zur Schießmatte, wo die Waffe bereit liegt. Sie setzt einen Kopfhörer auf. Beim Anvisieren erklingt ein „tock tock“. Je näher Klug mit der Waffe auf die Scheibe zielt, desto schneller wird es. Sobald der Athlet die Zielscheibe anvisiert, wird es zu einem durchgehenden Pfeifton. Jeder Ring auf der Scheibe hat eine bestimmte Tonfrequenz. Wenn Klug abdrückt, hört sie durch ein Signal sofort, ob sie getroffen hat.

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