Irrer Streit um die Buche

Bitterer Erbstreit um Pasings heimliches Naturdenkmal

Der traurige Höhepunkt eines Erbstreits: Nicht einmal mehr nahe Verwandte dürfen einen Fuß auf das Grundstück setzen.
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Der traurige Höhepunkt eines Erbstreits: Nicht einmal mehr nahe Verwandte dürfen einen Fuß auf das Grundstück setzen.

Pasing - Plötzlich hing es da: Das Schild „Naturdenkmal“ haben Unbekannte an einer 190 Jahre alten Rotbuche auf einem Privatgrundstück angebracht – Warum? Das erklärt Hallo

Plötzlich stand er da: Der zwei Meter hohe Bauzaun in der Pfeivestlstraße 4, direkt am Garten von Constantin Tabor. Blickdicht trennt er am Pasinger Stadtpark drei Grundstücke, die vor kurzem vereint waren. „Die Warnschilder verbieten mir den Zutritt“, sagt der Nachbar, der den Rasen bis vor kurzem mitmähte. Jetzt darf er keinen Fuß mehr auf die Wiese setzen, die seinen Cousins gehört: Die Familien sprechen nicht mehr miteinander – trauriger Höhepunkt eines Erbstreits. 

Grund für den Familienzwist ist die alte Blutbuche, die mitten im Garten steht: „Ich will sie erhalten, die Erbengemeinschaft den Grund samt Baum verkaufen. Sie haben einen Makler engagiert, wollen mit dem Verkaufserlös die Erbschaftssteuer begleichen.“

Auf der Bürgerversammlung in Pasing hat Tabor, der seit 13 Jahren im Haus, zu dem einmal der ganze Grund gehörte lebt, nun einen Antrag gestellt, den Baum als Naturdenkmal auszuweisen. Sein Antrag wurde einstimmig von allen Anwesenden angenommen. Einige Unbekannte haben diese Entscheidung gar nicht erst abgewartet und setzten bereits vorher ein Zeichen: In einer Nacht- und Nebelaktion schlichen sie auf das Grundstück und brachten am Baum bereits das Schild „Naturdenkmal“ an „Ich war es nicht“, betont Tabor, der nicht dagegen ist, dass neben ihm neu gebaut wird. „Aber ich bin dagegen, dass alle alten Bäume im Garten unserer Familien gefällt werden.“

Er will die Blutbuche mit legalen Mitteln erhalten: „Sie ist mit ihren drei Meter Stamm­umfang und einer Blätterkrone von stolzen 20 Metern einmalig und rund 190 Jahre alt, eine weitere Linde auf dem Grund wird sogar auf 230 Jahre geschätzt.“ Laut Unterer Naturschutzbehörde dauert es jedoch einige Jahre, bis die Einzeldenkmal-Ernennung, die in der Bürgerversammlung gefordert wurde, geprüft und beschieden wird. Wenn nun die Bagger kommen, ist es für den Baum zu spät. 

Marie-Julie Hlawica

Das sind die Richtlinien

Paragraf 28 Bundesnaturschutzgesetz verbietet bei Naturdenkmälern klar, „die Beseitigung (...) sowie alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung führen können.“ Auch Rückschnitt oder Beschädigung der Wurzeln sind strengstens untersagt. Bei „Naturdenkmälern“ handelt es sich um so genannte „Einzelschöpfungen der Natur“, für die ein besonderes wissenschaftliches, naturgeschichtliches oder landeskundliches Interesse vorliegt, oder die sehr schön oder selten sind. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt München entscheidet in einem aufwändigen Verfahren nach Alter, Gattung, Stammumfang und Krone. In Pasing sind bereits vier Bäume Naturdenkmäler. Unter www.muenchen.de kann man sehen, wo sie stehen.

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