Gefährliche Unterführungen und Hauptstraßen

Angst als Schulweg-Begleiter: Weil die MVV-Schülerkarte zu viel kostet

Schulkinder haben immer öfter gefährlichere Strecken vor sich, um überhaupt in die Schule zu kommen.
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Schulkinder wie Marie haben immer öfter gefährlichere Strecken vor sich, um überhaupt in die Schule zu kommen.

München-West - Gefährliche Wege und Straßenkreuzungen: Obwohl Schülerin Marie jeden Tag einen riskanten Weg gehen muss, bekommt sie von der MVV keinen Rabatt auf ihre Schüler-Karte

Dunkle Wege, unfallträchtige Straßenkreuzungen: Wenn ein Schulweg „besonders gefährlich“ ist, können die Kosten einer MVV-Schüler-Karte auch bei Distanzen von unter drei Kilometern vom Schulamt übernommen werden. Im Fall einer neunjährigen Schülerin fehlen zur Kostenübernahme etwa 300 Meter. Daran ändern auch dunkle Unterführungen, stark befahrene Straßen und gefühlte Unfallschwerpunkte nichts. Der Schulweg ist zu kurz – die Bearbeitungszeit der Stadt für den Widerspruch dafür auffällig lang. Knapp 2,7 Kilometer misst Maries Schulweg von Obermenzing nach Pasing, als sie im September 2016 aufs Gymnasium wechselt. Auf dem Fuß- und Radweg wechseln sich große Straßenkreuzungen mit dunklen Unterführungen ab, weshalb ihre Mutter einen Antrag auf Kostenübernahme beim Referat für Bildung und Sport (RBS) stellt. „Zur Winterzeit ist es an der Würm zappenduster, der Autoverkehr an den stark befahrenen Straßen Pippinger-, Kafler- oder Lortzingstraße nimmt bei schlechten Witterungsverhältnissen noch zu. Für mich ist die besondere Gefährlichkeit eindeutig gegeben“, so die Mutter. 

Trotz Gefahren-Schulweg: RBS lehnt den Antrag auf Kostenübernahme ab

Das sieht man beim RBS anders: Am 21. September 2016 wird die Kostenübernahme abgelehnt. Dagegen legt die Mutter zehn Tage später Widerspruch ein, verweist auf insgesamt acht­spurige Straßen und besondere Unfallschwerpunkte. Sie zahlt die Buskarte selbst – und hört nichts mehr. Erst ein Jahr später, im September 2017, kommt die endgültige Absage der Regierung von Oberbayern. Mehr noch: Dieser Tage landet zudem eine Rechnung im Briefkasten: 98,68 Euro Bearbeitungsgebühren sind fällig – Marie ist mittlerweile elf Jahre alt, besucht die 6. Klasse. Kurios: Ganze neun Monate vergehen, ehe die Stadt den Widerspruch an die zuständige Regierung von Oberbayern weiterleitet. Wie es zu dieser Verzögerung kam, konnte das RBS Anfrage bis Redaktionsschluss nicht beantworten. Von 14 914 Anträgen hat das RBS im vergangenen Schuljahr 2524 abgelehnt. Gegen 492 Ablehnungen legten die Eltern Widerspruch ein – 172 Mal mit Erfolg. Im laufenden Schuljahr gibt es bei 12 129 Anträgen auf Erstattung der Schulwegkosten 2449 ablehnende Bescheide. Von 384 Widersprüchen hatten bisher 117 Erfolg – allerdings ist die Bearbeitung noch nicht abgeschlossen. mjh

So bewertet die Polizei die Anträge

Die Polizeiinspektion Pasing betreut 30 schulische Einrichtungen mit 13 Grundschulen – und wird vom Referat für Bildung und Sport in die Entscheidung, ob ein Schulweg sicher ist, mit einbezogen. Polizeirat Peter Löffelmann erklärt: „Wenn eine Schulweganfrage kommt, schauen wir nicht bei Google, sondern mit Beamten den konkreten Wegverlauf vor Ort an. Bestimmte Kriterien müssen erfüllt sein – beispielsweise muss es einen geschützten Wegbereich wie einen Bürgersteig geben. Straßen und Kreuzungen müssen durch Ampelanlagen und Zebrastreifen gequert werden können. Einen kleinen Umweg dafür kann ein Kind in Kauf nehmen.“ Für Pasings Schulwege gibt der Dienststellenleiter Entwarnung: „Es gab im letzten Jahr nur zehn Schulwegunfälle. Die von Eltern gefühlte Gefahr ist zwar nachvollziehbar, aber nicht durch Unfälle belegt.“

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