Alleingang beim Zwangsarbeiterlager

Alleingang beim NS-Lager: Stadt beschließt Konzept ohne Beteiligung der Künstler

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Peter Heesch hofft, dass die Künstler der Ehrenbürgstraße bei der Gestaltung des Areals noch eingebunden werden.

Neuaubing - Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager an der Ehrenbürgstraße soll neu gestaltet werden. Die Stadt versprach, die dort ansässigen Kreativen bei der Planung miteinzubeziehen. Nun traf der Stadtrat einen Beschluss – ohne Beteiligung des Künstlerverbunds.

Bei der Sanierung des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers an der Ehrenbürg­straße wächst der Unmut über das Vorgehen der Stadt. Eigentlich wollte die Stadt die „Freien Ateliers und Werkstätten Ehrenbürgstraße“ (Fauwe), die dort ihre Räumlichkeiten haben, einbinden (Hallo berichtete). Doch vergangene Woche beschloss der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung ein Konzept. Der Vorsitzende der Künstlervereinigung, Peter Heesch, beklagte auf der Bürgerversammlung, dass er davon nur zufällig erfahren habe. Er forderte den versprochenen runden Tisch, um zu erfahren, wie die Pläne aussehen.

Die neue Leiterin des zuständigen NS-Dokuzentrums, Mirjam Zadoff, antwortete ihm, dass es sich nur um ein grobes Konzept mit einem Finanzierungsrahmen handele. Die Details werde man bei einem runden Tisch in diesem Sommer besprechen, versicherte sie. „Wir vom NS-Dokuzentrum werden auch davon profitieren, wenn der Ort so schön und romantisch bleibt, wie er ist“, sagte Zadoff.

Die Stadt hat konkrete Maßnahmen für Areal an der Ehrenbürgstraße beschlossen – Die Künstler sind jedoch bislang ohne Informationen.

Allerdings scheinen die Pläne zur Gestaltung des Geländes schon sehr konkret zu sein. Der Sprecher des Kommunalreferats, Bernd Plank, teilte auf Hallo-Nachfrage mit, dass folgende Maßnahmen bereits beschlossen seien: Auf dem Hofinnenbereich, zwischen den Baracken und um die Splitterbunker herum werde es „Eingriffe in die vorhandene Vegetation“ geben. Außerdem sei eine Begradigung des Wegesystems erforderlich. Die Stadt werde das Gehölz auf dem gesamten Areal auslichten und an den Baracken dringliche Sofortmaßnahmen durchführen, teilte Plank weiter mit.

Die Künstler sollen die rückwärtigen Bereiche als private Rückzugsorte erhalten. Dort soll auch der Pflanzenbestand erhalten bleiben. Als neuer Nutzer des Geländes kommt eine Dependance des NS-Dokumentationszentrums hinzu. Deren Betriebskonzept verabschiedet der Stadtrat voraussichtlich im September. „Die Belange der Künstler und Handwerker vor Ort sind in vollem Umfang berücksichtigt“, so Plank.

Das sieht Heesch anders. Sie hätten keinerlei offizielle Information bekommen. Die Pläne klängen nach einem Kahlschlag. Es solle wohl ein musealer Innenhof geschaffen werden. „Solche Pläne können wir nicht mittragen. Wenn der Innenhof kahl ist und nicht genutzt werden kann, die Nutzer auf die Rückseite gedrängt werden, dann wird es ein toter Ort sein“, so Heesch. Er wünscht sich weiterhin, dass die Künstler miteinbezogen werden. Es gebe eine große Chance zur Entwicklung eines alternativen Zugangs zur Geschichte. 

A. Schwarzbauer

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