Erschließung von Freiham 

Bezirksausschuss zerpflückt Systemvergleich zwischen U-Bahn und Tram

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Vehement fordert die Aubinger Bezirksausschuss eine U-Bahn nach Freiham. 

Stadtteilpolitiker üben harte Kritik an der Straßenbahn zur Erschließung Freihams

Völlig veraltete Zahlen, ein konstruiertes Ergebnis und eine nicht nachvollziehbare Berechnung - so lauteten die Kritikpunkte des Aubinger Bezirksausschusses (BA) an dem Gutachten, ob eine Tram oder eine U-Bahn den neuen Stadtteil in Freiham erschließen soll. 

Höherer Nutzen der U-Bahn unstrittig

Die U-Bahn ist für die Aubinger leistungsstärker und schneller. Nur sie könne die Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen. Das sehen auch die Nachbarn so. 

Das Gutachten räumt zwar ein, dass der Nutzen einer U-Bahn im Vergleich zur Tram fast doppelt so groß wäre. Allerdings rechtfertige das nicht die wesentlich höheren Investitionskosten: Die U-Bahn kostet 485 Millionen Euro, die Straßenbahn nur 53 Millionen Euro. Auch der Unterhalt sei achtmal so teuer. 

Gutachten zeichnet "völlig falsches Bild der Realität"

Die Gutachter gehen zudem davon aus, dass der Stadtbezirk durch Autobahn, S-Bahnen und Busse bereits jetzt so gut angebunden sei, dass selbst nach der Bebauung Freihams keine weiteren öffentlichen Verkehrsmittel notwendig sind. So seien beispielsweise die S4 und die S8 derzeit nur zu 60 beziehungsweise 65 Prozent ausgelastet. 

Der Aubinger Bezirksausschuss widerspricht dieser Einschätzung vehement: Schon heute seien Bus, Bahn und Straße komplett überlastet. "Von einer hervorragenden Erschließung (...) kann keinesfalls die Rede sein, das zeigt ein völlig falsches Bild der Realität." 

Datenbasis der Studie teilweise veraltet

Die Datenbasis der Studie sei generell falsch oder völlig veraltet, kritisiert der BA. So hat sie als Einwohnerzahl für Freiham 20.000 Personen angesetzt und sich damit um etwa 40 Prozent verschätzt, denn derzeit gehen die Planer von mindestens 27.000 neuen Bewohnern aus. 

Der BA wirft den Gutachtern auch vor, bei ihrer Kosten-Nutzen-Analyse eine mögliche Weiterführung der U-Bahn über die Stadtgrenzen hinaus nach Germering unberücksichtigt zu lassen. Dadurch würden die Fahrgastzahlen steigen und die Kosten durch die Beteiligung der Nachbarkommune sinken.

Weitere Kosten könnte die Stadt sparen, wenn sie die angedachten vier Haltestellen an Westkreuz, Radolfzeller Straße, Riesenburgstraße und in Freiham auf drei reduziere. 

Zahlreiche Nachteile einer Trambahnverlängerung

Außerdem blendet die Studie nach Ansicht der Stadtteilpolitiker viele Nachteile der Trambahn aus: So würden wohl zahlreiche Parkplätze wegfallen, um Platz für die Schienen zu schaffen. Sie sei wesentlich anfälliger für Verspätungen durch Verkehrsstaus. Die Straßenbahn könnte höchstens im Fünf-Minuten-Takt fahren, da für ein zusätzliches Gleis der Platz fehlt. Außerdem würden derzeit bestehende Haltestellen wegfallen, da die Straßenbahn, die die Buslinie 57 ersetzen würde, seltener hält. 

Als Fazit hält Jürgen Schrader (CSU) fest: "Wir haben ernsthafte Zweifel an der Berechnung. Es wirkt wie ein konstruiertes Ergebnis." Der BA gibt einer U-Bahn in Verbindung mit einem engmaschigen Busnetz klar den Vorzug. "Wir haben ein ordentliches und leistungsstarkes Verkehrsmittel verdient", sagt Schrader. Und das sei nur die U-Bahn. "Wenn sie nicht kommt, werden wir von der Stadt München abgehängt und fühlen uns als Bürger zweiter Klasse", warnt er.  

Andreas Schwarzbauer

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