Allacher hören Schüsse – von Dreharbeiten oder Krähen-Jagd?

Krach im Kieswerk

Filmemacher nutzen das Allacher Kieswerk gerne als Kulisse. Werksleiter Jens Engels berichtet von einer Sprengung .

Filmleute, Jäger oder dumme Jungs – Wer ballert wiederholt in Allach herum?

Allach wird zum Krimi-Schauplatz. Mysteriöse Schüsse versetzen die Bürger in Aufregung. Mehrere Leser, darunter Klaus Trapp und Brigitte Stern, berichten der Hallo-Redaktion, dass sie in den vergangenen Wochen spät­abends oder nachts wiederholt Schüsse gehört hätten. Auch die Polizei wurde von verunsicherten Bürger alarmiert, konnte bisher aber keinen Verursacher ausmachen. Als mögliche Erklärung nennen die Beamten Dreharbeiten im Kieswerk, Krähen-Jagd oder Böller-Streiche. „Uns sind auf jeden Fall in diesem Zusammenhang keine Straftaten bekannt“, sagt Stephan Feistenberger von der Polizeiinspektion Moosach (PI 44). Brigitte Stern ist trotzdem besorgt: „Kurz nach dem Amok­lauf ist man schon ziemlich verunsichert.“

Ein Knall könnte eventuell auf Dreharbeiten im Kieswerk am Paul-Ehrlich-Weg 130 zurückzuführen sein. Mitte August drehte dort ein Team der Münchner Produktionsfirma Neuesuper an drei Tagen Szenen für eine neue Serie. „Die haben auch einen Bauwagen in die Luft gehen lassen. Aber das war tagsüber“, sagt Kieswerksleiter Jens Engels (44). Alles sei nach Absprachen mit Polizei und Feuerwehr abgelaufen. „Auch die Nachbarn waren informiert“, so Engels. Weitere geräuschvolle Dreharbeiten hätten in den vergangenen Jahren dort nicht stattgefunden. Ab und zu würden Filmstudenten oder Modefotografen die Kulisse für Aufnahmen nutzen. „Aber die machen keinen Krach. Ich vermute eher, dass die Leute die Jäger hören, die hier manchmal Krähen schießen“, sagt der 44-Jährige.

Im Gegensatz zu Filmfirmen, die sensible Drehs schon aus eigenem Interesse vorher mit den Behörden abstimmen (siehe Interview unten), müssen Jäger nicht vor jeder Pirsch die Polizei informieren. „Es gibt Jagdberechtigte, die dort ihrer Tätigkeit nachgehen. Aber die sagen uns vorher nicht Bescheid“, erklärt Feistenberger.

Zumindest ein Vorfall konnte teilweise aufgeklärt werden. Am 8. September wurde die Polizei gegen 22 Uhr alarmiert und fand am Rand der Angerlohe Reste von Böllern. Die Täter waren längst verduftet. Die Polizei vermutet, dass es Jugendliche waren. „Wer es scheppern hört, sollte gleich die 110 anrufen. Der Sache wird auf jeden Fall nachgegangen“, sagt Feistenberger, der bei der PI 44 für Ordnungs- und Schutzaufgaben zuständig ist.

Brigitte Stern wird den Rat beherzigen, sollte sie erneut Schüsse hören: „Man kommt sich erst blöd vor. Aber ich finde, dass man sich das nicht gefallen lassen muss.“ Ob sich der Krimi auflöst, bleibt abzuwarten. ul

Hallo München-Interview

„Die Bürger sind gerade besonders sensibilisiert.“

Rund 1000 Genehmigungen für Dreharbeiten auf öffentlichem Grund erteilt das Filmbüro im Kreisverwaltungsreferat (KVR) pro Jahr. Bei actionreichen Krimi-Produktionen soll’s dabei ab und zu auch knallen. Robert Neuner (47), Leiter des Filmbüros, erklärt im Hallo-Interview, was dabei zu beachten ist und welche Auswirkungen der Münchner Amoklauf auf die Filmbranche hat.

Darf bei Dreharbeiten im öffentlichen Raum generell geschossen oder gesprengt werden?
„Die Verwendung von Spielzeugwaffen oder Attrappen ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Wir arbeiten hier eng mit dem Polizeipräsidium zusammen und prüfen bei jedem Einzelfall, ob eine Genehmigung möglich ist. In der Drehgenehmigung gibt es dann Auflagen, zum Beispiel, dass Passanten auf die Dreharbeiten hingewiesen werden müssen. Zusätzlich werden die unmittelbaren Anwohner informiert. Vor Beginn der Aufnahmen muss die Produktionsfirma nochmals die Einsatzzentrale der Polizei informieren, für den Fall, dass doch verunsicherte Bürger die 110 wählen.“
Und auf Privatgrund?
„Dort muss der Grundstückseigentümer die Film­aufnahmen erlauben. Bei Sprengungen ist aber auch hier eine Genehmigung der Waffenbehörde notwendig. Wir empfehlen, bei einem Dreh auf Privatgrund ebenfalls die Polizei zu informieren.“
Wie oft werden entsprechende Anträge gestellt?
„Wir erteilen pro Jahr rund 1000 Drehgenehmigungen für öffentlichen Grund und städtische Grünanlagen. Die Anträge mit Schusswaffengebrauch werden dabei zahlenmäßig nicht erfasst. Da in München aber viele Krimis gedreht werden, kommt nach unseren Beobachtungen aber schon eine ganz beträchtliche Zahl zusammen. Die Zahl der Sprengungen ist nach Auskunft der Waffenbehörde eher rückläufig, da sich dies im Zeitalter der digitalen Nachbearbeitung einfach als zu teuer und zu aufwändig erweist.“
Gibt es bestimmte Schwerpunkte im Stadtgebiet, wo besonders gerne gefilmt wird?
„Nein. Solche Anfragen erreichen uns für das gesamte Stadtgebiet – vom Banküberfall in Schwabing bis zur Explosion im Kieswerk.“
Hat der Amoklauf Ende Juli zu Veränderungen in der Genehmigungspraxis geführt?
„In Zeiten, in denen die Bevölkerung im Hinblick auf Schuss- und Explosionsgeräusche besonders sensibilisiert ist – ich meine konkret den Amoklauf am OEZ oder auch das Entschärfen der Fliegerbombe in Schwabing 2012 –, müssen wir natürlich bei der Erteilung von Drehgenehmigungen mit besonders viel Fingerspitzengefühl vorgehen. Über den FilmFernsehFonds Bayern stimmen wir mögliche Einschränkungen mit der Filmbranche ab. Die meisten Produktionsfirmen haben für derartige Restriktionen jedoch Verständnis und planen ihre Drehs bei Bedarf entsprechend um.“

Das Interview führte Ursula Löschau.

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