Anwohner empört

Trotz Kartierung: Stadt genehmigt 27 Wohnungen plus Kita im Biotop

+
Uwe Geuß bat die Bürgerversammlung um Unterstützung gegen ein Bauvorhaben auf der Biotopfläche an der Ganzenmüllerstaße. Der Bauantrag wurde zwischenzeitlich genehmigt.

Als ein Anwohner auf der Grünfläche einen Stellplatz anlegen wollte, hat die Stadt das verboten, weil es sich um ein Biotop handelt. Jetzt dürfen dort 27 Wohnungen und eine Kita gebaut werden...

Untermenzing – Die Bewohner der Ganzenmüllerstraße sind sauer: Auf der Wiese entlang der Bahnstrecke zwischen Allacher und Pfarrer-Grimm-Straße darf die Johann Friedl und Eugen Haaf GmbH acht Reihenhäuser mit 27 Wohneinheiten plus Kindertagesstätte und Tiefgarage bauen. Und das, obwohl die Fläche in der amtlichen Stadtbiotopkartierung des Bayerischen Landesamts für Umwelt erfasst ist. 

„Wie kann es sein, dass da ein Biotop zerstört werden darf?“, fragt Anwohner Uwe Geuß (45). In der jüngsten Bürgerversammlung für Allach-Untermenzing hat er mit Zustimmung der Mehrheit gefordert, dass die Stadt einen entsprechenden Bauantrag ablehnet. Kurz darauf genehmigte die Lokalbaukommission (LBK) das Vorhaben, wie deren Sprecher Thorsten Vogel auf Hallo-Anfrage bestätigt.

Biotopfläche sei nicht gesetzlich geschützt

„Der eine oder andere sieht unser Grundstück eventuell als Biotop an. Es ist aber keinesfalls ein ausgewiesenes, gesetzlich geschütztes Biotop“, erklärt Bauherr Johann Friedl, der seit Herbst 2018 für die Freien Wähler im Landtag sitzt und in den Unterausschüssen Umwelt sowie Bauen, Wohnen, Verkehr aktiv ist. 

Er berichtet: „Als wir das Grundstück 2013 erwarben, wussten wir, dass die Untere Naturschutzbehörde forderte, entlang der Bahn einen fünf Meter breiten Streifen für die Biotopvernetzung anzulegen.“ Inzwischen hat Friedl die Auflage, dort einen zehn Meter breiten Streifen als Ausgleichsfläche anzulegen, inklusive einer Artenschutzmaßnahme für Zauneidechsen. 

Der LBK-Sprecher erläutert: „Bei weitem nicht alle Biotope sind gesetzlich geschützt und die Biotopkartierung führt auch nicht zu einem naturschutzrechtlichen Schutz der kartierten Flächen. Insbesondere verhindert sie nicht, dass eine Fläche bebaut werden darf.“ Zudem lasse sich aus der Kartierung auch keine Verpflichtung zur Biotoppflege ableiten.

Anwohner wurde vor einigen Jahren um Nutzung vertröstet

Für Anwohner wie Helmut Artmeier (71) ist das ein Schlag ins Gesicht. Als er vor vielen Jahren einen schmalen Streifen der Fläche anmieten und als Parkplatz nutzen wollte, habe die LBK das mit Hinweis auf das kartierte Biotop untersagt. Der Eigentümer jedoch habe im Frühjahr 2016 ungestraft Bäume und Sträucher abholzen dürfen. Damals hatte Friedls Firma einen genehmigten Bauvorbescheid für eine Wohnanlage in Händen. Dagegen haben Anwohner geklagt und gewonnen.

„Wir waren erleichtert und haben gedacht, dass das Biotop nun bestehen bleibt. Die Natur hat sich die Fläche auch wieder zurückgeholt“, sagt der 45-Jährige. Umso überraschter waren er und seine Nachbarn, als Friedl heuer einen Bauantrag stellte. 

„Es geht hier um Gerechtigkeit und um den Erhalt des Biotops“, sagt Geuß und fügt hinzu: „Wenn auf dem Kirschgelände hier um die Ecke 1200 Wohnungen gebaut werden, brauchen wir diese Grünfläche erst recht.“ Die Anwohner suchen jetzt juristischen Rat.

Ursula Löschau

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Sendemast in Flammen – Feuerwehr muss Skylift anfordern
Sendemast in Flammen – Feuerwehr muss Skylift anfordern
Bayerns erste Kultur-Streetworkerin
Bayerns erste Kultur-Streetworkerin
Verspätet und überfüllt – Bus-Chaos bereitet Schülern Probleme
Verspätet und überfüllt – Bus-Chaos bereitet Schülern Probleme
Dorfstraße im Stau – Anwohner kämpfen gegen Ampel
Dorfstraße im Stau – Anwohner kämpfen gegen Ampel

Kommentare