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Kirschgelände: Anwohner warnen vor Schnellschuss bei der Planung

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Die geplante Umwandlung des Kirschgeländes von einem Gewerbe- in ein Wohngebiet ruft bei Rainer Friedl (zweiter von links) und weiteren Nachbarn viele Fragen auf. Sie befürchten, dass die Stadt vorschnelle Beschlüsse zugunsten von Investoreninteressen fasst.

1200 Wohnungen, eine Grundschule, fünf Häuser für Kinder – aber kein Verkehrskonzept: Mit dieser Planung für das 12,1 Hektar große Kirschgelände hadern viele Anwohner.

Untermenzing – Im Oktober soll der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan fürs Kirschgelände in Untermenzing fassen. Erst im Juli wurden der BA und die Öffentlichkeit über die Eckdaten – 1200 Wohnungen anstelle von Gewerbe, eine Grundschule, fünf Häuser für Kinder und eine Grünfläche – informiert (Hallo berichtete).

Anwohnern wie Rainer Friedl (42) geht das gerade viel zu schnell. Er fordert: „Über so wichtige Entscheidungen müssen die Bürger im Viertel informiert werden und mitreden können, bevor alles beschlossene Sache ist.“

Was ihn und zahlreiche Nachbarn besonders beunruhigt: „Der Stadtbezirk wird massiv vergrößert und die Infrastruktur zieht nicht nach, angefangen bei den Verkehrswegen bis hin zu Schulen und Horten.“ Bevor die Weichen für ein Neubaugebiet dieser Größe gestellt werden, erwarten die Untermenzinger deshalb zumindest ein Verkehrskonzept. 

Anwohner kritisieren mangelnde Verkehrs- und Arbeitsangebote

Zudem fragt Friedl: „Ist es klug, nur Wohnraum zu schaffen? Wo bleibt die Münchner Mischung, die eine Vernetzung von Wohnen und Arbeiten berücksichtigt?“ Er hält auch Flächen für Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe für nötig. 

Vor allem anderen aber fordern die Anwohner einen offenen Dialog mit der Stadt und der Büschl-Gruppe, der das 12,1 Hektar große Areal gehört – und zwar bevor der Stadtrat die Eckdaten festlegt.

Dieser Beschluss ist nach Auskunft von Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats, für Mittwoch, 23. Oktober, vorgesehen. Er sagt: „Im Beschluss­entwurf wird die Festsetzung eines allgemeinen Wohngebiets vorgeschlagen, was eine untergeordnete, nicht störende gewerbliche Nutzung grundsätzlich nicht ausschließt.“ 

Aktueller Planungsstand ermögliche derzeit noch Änderungen

Außerdem weist er darauf hin, dass das Bebauungsplanverfahren noch ganz am Anfang stehe. „Folglich können sich insbesondere nach der Durchführung der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligungen noch Änderungen ergeben.“

Dass noch lange nicht alles entschieden sei, betonte auch Viertel-Chefin Heike Kainz (CSU) in der jüngsten BA-Sitzung. Zuvor hatte Rainer Friedl seine Bedenken in der Bürgersprechstunde des Bezirksausschusses Allach-Untermenzing zum Ausdruck gebracht. 

Kainz erklärte: „Das ist ein Planungs- und Bauvorgang, der sich sicher über ein Jahrzehnt erstrecken wird, inklusive diverser Bürgerbeteiligungen.“ Um dem Informationsbedürfnis der Bürger entgegenzukommen, bot sie eine Diskussionsgruppe „im kleinen Kreis“ an. Ein konkreter Termin war bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Ursula Löschau

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