Bayerns erste Flüchtlingskirche

Neue Gedenktafel: Vertriebenengemeinde in der Gerberau als Wiege der heutigen Pfarrei

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Die erste Flüchtlingskirche Bayerns stand in der BMW-Siedlung, der heutigen Gerberau, in Allach.

Von dem eigentlichen Bauwerk existiert nur noch ein winziges Bruchstück. Doch die Geschichte der Kirche der Vertriebenengemeinde in der heutigen Gerberau sollte nicht vergessen werden.

Allach – Die erste Flüchtlingskirche Bayerns stand einst auf Allacher Flur: Von 1949 bis 1967 fanden in der damaligen BMW-Wohnsiedlung – 1957 in Gerberau umbenannt – Vertriebene des Zweiten Weltkriegs einen Hort des Glaubens. Die Notkirche ist mittlerweile abgerissen. Eine Tafel soll nun an sie erinnern.

„Die Kirche war gleichzeitig die Wiege für die heutige Pfarrei St. Josef in Karlsfeld“, sagt Ilsa Oberbauer, Historikerin des Heimatmuseums Karlsfeld. Unter den Vertriebenen in der BMW-Siedlung befand sich auch Pfarrer Erich Goldammer aus Gartitz bei Aussig im Sudetenland. Auf ihn geht der Kirchenbau letztlich zurück.

Kardinal von Faulhaber vollzog die Weihe

Mit freiwilligen Helfern begann er im Sommer 1948 mit dem Bau der Barackenkirche, die die Hausnummer 13 bekam. „Das Geld dafür sammelte er mit einer Spendenbüchse“, erzählt Oberbauer. Am 21. August 1949 weihte Kardinal Michael von Faulhaber die erste Flüchtlingskirche Bayerns.

Als das Flüchtlingslager allmählich aufgelöst wurde, wurden viele der Vertriebenen in Karlsfeld sesshaft. Dort entstand schließlich die Pfarrei St. Josef, mit deren Leitung Pfarrer Goldammer betraut wurde.

So endete die Geschichte des Gebäudes

Ilsa Oberbauer und Horst Rubröder zeigen die Spendenbüchse und die Hausnummer, die an den Kirchenbau erinnern.

„Mitte der 2000er-Jahre wurde die Kirche für einen Parkplatz der Firma MAN abgerissen“, berichtet Horst Rubröder, Sprecher des Heimatmuseums. Heute ist auch dieser überbaut. Von der Kirche konnte nur die Hausnummer gerettet werden.

Damit deren Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, will das Heimatmuseum eine Erinnerungstafel an einem Straßenschild anbringen. Der Be­zirksausschuss Allach-Untermenzing begrüßt das Vorhaben und will sich bei der Stadt dafür einsetzen, dass vor Ort angemessen an die einstige Kirche erinnert wird.

Andreas Daschner

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