Bauernhof weicht Neubau-Plänen

Bodendenkmal unter Trümmern? Das sagen Stadt und Denkmalamt

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Der Hof an der Eversbuschstraße stand lange leer. Jetzt weicht er einem Mehrfamilienhaus.

An prominenter Stelle wurde jetzt ein alter Bauernhof abgerissen. Der Abriss wirft Fragen zum Denkmalschutz auf: Stadt und Landesamt für Denkmalschutz klären auf.

Allach – Der Abriss eines alten Bauernhofes an der Eversbuschstraße 143 sorgt für Aufregung. Es geht um Denkmalschutz-Fragen.

Update 15. Mai:

Der Abbruch eines Bauernhofes aus dem 19. Jahrhundert an der Eversbuschstraße 143 ist ohne Genehmigung zulässig. Das hat der Architekt des Bauherrn vom Landesamt für Denkmalpflege mittlerweile schriftlich. 

Auf Hallo-Anfrage bestätigt Landesamts-Sprecherin Dorothee Ott: „Es liegen im Augenblick keine Hinweise für die Vermutung von Bodendenkmälern vor. Daher ist für das Vorhaben derzeit keine denkmalrechtliche Erlaubnis gemäß Artikel sieben des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes nötig.“ Die Stadt schließt sich dem an: „Nachdem aus Sicht des Landesamts für Denkmalpflege keine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erforderlich war, war der Abbruch rechtmäßig“, sagt Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats.

Nach wie vor gilt jedoch – wie generell für jeden Bürger – eine Meldepflicht für Bodendenkmäler. Dar­über, und über den Denkmalbestand in Bayern, informiert das Landesamt tagesaktuell im Bayerischen Denkmalatlas, zu finden unter www.denkmal.bayern.de im Internet.

Dorothee Ott erklärt: „In der Münchner Altstadt werden bei Bodeneingriffen vor allem Funde und Befunde aufgedeckt, die von der Bebauung und der Besiedlung im Mittelalter und der Neuzeit zeugen. Außerhalb der Altstadt kommen Ergebnisse aus der Vorgeschichte, etwa der Eisen- oder Bronzezeit, häufiger vor.“

Die bedeutendsten archäologischen Untersuchungen in jüngerer Zeit in München gab es am Marienhof, in Freiham und in Pasing. „Dass Privatpersonen Funde melden, kommt in München sehr selten vor“, so Ott. Zum geplanten Neubau an der Eversbuschstraße prüft die Stadt derzeit eine Bauvor­anfrage. Der Architekt ist mit Detailangaben daher noch vorsichtig. Nur so viel: Angestrebt werden zwischen zehn und 20 „kleinere Mietwohnungen“. ul

Erstmeldung:

Das Anwesen selbst steht nach Auskunft von Dorothee Ott vom Landesamt für Denkmalpflege nicht unter Denkmalschutz. In den Unterlagen wird es als „Bauernhaus, Hakenhof, aus dem 19. Jahrhundert“ beschrieben. Bis 2010 war es noch Teil des ensemblegeschützten Allacher Ortskerns, der sich laut Ott in südlicher Richtung früher bis zur Eversbuschstraße 138 erstreckte. Jetzt beginnt das Ensemble nördlich des Paul-Ehrlich-Wegs und des betreffenden Hofs.

Zwar ist das Anwesen an der Eversbuschstraße 143 nicht mehr Teil des ensemblegeschützten Ortskerns. Die Stadt prüft allerdings, ob es in dem Bereich Bodendenkmäler geben könnte.

Auf den Abriss aufmerksam wurde die Lokalbaukommission (LBK) durch einen Hinweis aus dem Bezirksausschuss (BA) Allach-Untermenzing. „Die Untere Denkmalschutzbehörde ist mit dem Bauherrn in Kontakt. Das müssen wir uns jetzt anschauen und prüfen, ob Bodendenkmäler vorhanden sind. Und wenn ja, wie die weiteren Schritte sind“, erklärt Trömer.

Parallel bearbeitet die LBK seit April eine Bauvoranfrage für das Areal. Geplant sei der „Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage oder Parkliftgarage“. Details kann Trömer nicht nennen. „Es ist jetzt noch zu früh, um über eine Anzahl an Wohneinheiten zu sprechen. Grundsätzlich gilt, dass sich der Neubau an der Bebauung der Umgebung zu orientieren hat.“

Der BA hat die Unterlagen zur Eversbuschstraße 143 angefordert. „An dieser prominenten Stelle wird sich der BA das ganz genau anschauen“, kündigt Viertel-Chefin Heike Kainz (CSU) an.

Konkrete Hinweise auf ein Bodendenkmal an der Eversbuschstraße 143 gibt es nach Informationen von Dorothee Ott derzeit keine. „Sofern im Zuge der Baumaßnahmen Bodendenkmäler aufgefunden werden, besteht eine Meldepflicht. Funde müssen dem Landesamt für Denkmalpflege oder der Unteren Denkmalschutzbehörde gemeldet werden“, sagt sie.

Ursula Löschau

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