Diese Pläne sind ihnen nicht grün

Neues Gewofag-Konzept mit weniger Wohnungen – trotzdem protestieren Allacher

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Acht Häuser sollen an der Erwin-Schleich-Straße (Blick von Westen) um eine zentrale Freifläche entstehen.

Allach - Die Pläne der Gewofag für das Projekt an der Franz-Albert-Straße sollten den Wünschen der Anwohner entgegenkommen. Doch eine Bürgerinitiative kämpft trotzdem weiter

52 statt 85 Wohnungen vor allem für Familien, 32 anstelle von 27 Stellplätzen, acht kleinere Baukörper mit je zwei Geschossen plus Satteldach, dafür alle mit Keller: Das sind die neuen Pläne der Gewofag für das Wohnen für alle-Projekt an der Franz-Albert-Straße, genauer der Erwin-Schleich-Straße. So heißt nun die Stichstraße, die von der Naßlstraße in die geplante Wohnanlage für rund 150 Menschen führen soll. Für Gewofag-Bauleiter Michael Hardi ist klar: „Das fügt sich sehr gut in die Umgebung ein.“ Die Anwohner sehen das nach wie vor anders. Bei der Präsentation der neuen Pläne forderten sie jetzt vor rund 180 Teilnehmern erneut den Erhalt der Grünfläche. 

Die Bürgerinitiative Grünflächenerhalt um Wilhelm Nedezky, Kurt Parsiegla und Robert Betz (Foto, v.li.) kämpft trotzdem weiter gegen das Projekt der Gewofag.

Eine Bürgerinitiative kämpft unter anderem mit der Online-Petition „Kampf dem Flächenfraß“ um die Wiese und hat bereits rund 1850 Unterschriften gesammelt. Die Fläche gehe „für nachfolgende Generationen verloren“, klagte eine Anliegerin. Ein Bürger hat dort seltene Pflanzen wie den Kleinen Klappertopf ausgemacht und fordert deshalb einen Bauverzicht.

Die Bürger fühlen sich hinters Licht geführt

Andere kritisierten das Verfahren und den Umgang mit den Bürgern: „Ich fühle mich verarscht“, sagte ein Allacher unter dem Applaus der Zuhörer. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass der zugrundeliegende Bebauungsplan von 1994 nur 16 Wohnungen vorsehe. In der Zwischenzeit sei die Zahl erst auf 35, dann auf 85 gestiegen, was laut Stadtverwaltung nicht genehmigungsfähig war und zur Neuplanung führte (Hallo berichtete). Das neue Konzept erfülle die Vorgaben, so Ulrike Klar vom Planungsreferat. Dazu eine Anwohnerin: „Ich habe kein Vertrauen mehr in das, was uns gesagt wird.“ 

Probleme haben einige Gegner auch mit der Belegung: Nach dem Wohnen für alle-Programm sollen 51 Prozent anerkannte Flüchtlinge und 49 Prozent „förderfähige Haushalte“ einziehen. Monika Betzenbichler vom Amt für Wohnen und Migration sicherte eine individuelle Auswahl der Bewerber und eine soziale Betreuung vor Ort zu. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese Mischung funktioniert“, sagte sie. Dennoch äußerten Anwohner Angst vor „Überfremdung“ und „Ghettobildung“. „Diese Angst teile ich nicht. Es kommen Menschen“, antwortete Betzenbichler. 

Der hohe Familienanteil ist ebenfalls ein Thema

Für Diskussionen sorgte nicht zuletzt der höhere Familienanteil, der nun einziehen soll. „Wo sollen die Kinder betreut werden? Wir haben jetzt schon zu wenig Betreuungsplätze“, so der Einwurf einer Bürgerin. Betzenbichler sagte, dass es zunächst Betreuungsgruppen in der Anlage geben werde. Ihr sei bewusst: „Die Regel­einrichtungen sind belegt.“ Heike Kainz, Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Allach-Untermenzing, hat sich diesen und weitere Aspekte aus der Diskussion notiert. Sie kündigte eine BA-Sondersitzung zu dem Projekt an. „Wir werden uns dazu eine Meinung bilden und Stellung nehmen.“ Gewofag-Geschäftsführer Klaus-Michael Dengler hofft, dass er die Planung zügig weiterführen und Anfang 2019 mit dem Bau beginnen kann, um Ende 2019 fertig zu sein.

Ursula Löschau

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