Münchner Höhlenforscher wollen im Luftschutzraum ein Vereinsheim einrichten

Neue Heimat: Aus den Höhlen in den Bunker?

Gisela und Christian Brack (Foto) vom Münchner Verein für Höhlenkunde halten die früheren Luftschutzräume an der Franz-Nißl-Straße für sehr geeignet, um dort ein neues Vereinsheim einzurichten.
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Gisela und Christian Brack (Foto) vom Münchner Verein für Höhlenkunde halten die früheren Luftschutzräume an der Franz-Nißl-Straße für sehr geeignet, um dort ein neues Vereinsheim einzurichten.
Höhlen – wie die Demänovskla-Friedenshöhle in der Slowakei – und alte Bergbauschächte sind für das Ehepaar Brack eine Leidenschaft. 
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Höhlen – wie die Demänovskla-Friedenshöhle in der Slowakei – und alte Bergbauschächte sind für das Ehepaar Brack eine Leidenschaft. 
Da sie an fensterlose Umgebungen gewöhnt sind, halten die Mitglieder des Vereins für Höhlenkunde München (VHM) den Allacher Hochbunker als geeignet für ein Vereinsheim. Das Foto zeigt eine Gasschleuse im 1. OG.
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Da sie an fensterlose Umgebungen gewöhnt sind, halten die Mitglieder des Vereins für Höhlenkunde München (VHM) den Allacher Hochbunker als geeignet für ein Vereinsheim. Das Foto zeigt eine Gasschleuse im 1. OG.
Innerhalb des Bunkers bewegt man sich durch enge Gänge und Treppenhäuser mit niedriger Deckenhöhe.
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Innerhalb des Bunkers bewegt man sich durch enge Gänge und Treppenhäuser mit niedriger Deckenhöhe.
Im 3. OG befindet sich ein Luftschutzraum mit einer integrierten Lüftungsanlage.
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Im 3. OG befindet sich ein Luftschutzraum mit einer integrierten Lüftungsanlage.
Über das Treppenhaus im 3. OG gelangt man zu einer Reihe von Sanitärräumen.
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Über das Treppenhaus im 3. OG gelangt man zu einer Reihe von Sanitärräumen.
„Wir sind sehr anspruchslos. Durch uns genutzte Räume müssen kein Tageslicht haben. In den Höhlen haben wir auch keins“, sagt das Ehepaar.
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„Wir sind sehr anspruchslos. Durch uns genutzte Räume müssen kein Tageslicht haben. In den Höhlen haben wir auch keins“, sagt das Ehepaar.
Das Foto zeigt Gisela Brack und ihre Tochter Renate bei der Bergbau Jungfrauzeche in Österreich.
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Das Foto zeigt Gisela Brack und ihre Tochter Renate bei der Bergbau Jungfrauzeche in Österreich.

Allach – Höhlenforscher im alten Hochbunker in Allach? Warum nicht, sagen Gisela und Christian Brack vom Münchner Verein für Höhlenkunde, der seit über zwei Jahren ein neues Vereinsheim sucht

Höhlen und alte Berg­bauschächte sind ihre Leidenschaft. „Es ist einfach dieser Entdeckerdrang. Keine Höhle ist wie die andere“, erklärt Gisela Brack (70), warum sie mit ihrem Mann Christian (75) seit Anfang der 70er-Jahre Höhlen erkundet. Ebenso lang ist das Paar aus Germering im Verein für Höhlenkunde München (VHM) aktiv. Im Moment vor allem in Sachen Vereinsheimsuche, denn der 1954 gegründete Verein ist seit 2016 heimatlos. Jetzt haben sich die Höhlenforscher um Räume im Allacher Hochbunker an der Franz-Nißl-Straße beworben.

„Das Hauptforschungsgebiet ist der bayerische Alpenanteil – aber nicht ausschließlich. Auch in anderen Ländern Europas, Asiens und Amerikas sind die Mitglieder des VHM unterwegs“, berichtet der 75-Jährige. „Alleine 2017 entdeckten unsere Leute über zwei Kilometer Neuland“, ergänzt seine Frau. Und nicht nur das: Vereinsmitglieder machen unter anderem Fledermauszählungen in der Wendelsteinhöhle oder Eismessungen der „Eiskapelle“ am Fuße der Watzmann-Ostwand und liefern damit wichtige Infos für den Arten- und Klimaschutz.

Ihre Erkenntnisse dokumentieren die rund 120 Vereinsmitglieder im Alter zwischen 16 und 88 Jahren in einem Kataster. „Außerdem haben wir eine der umfangreichsten höhlen- und karstkundlichen Bibliotheken in Deutschland“, betont Christian Brack. Doch: Seit die früheren Vereinsräume an der Schleißheimer Straße abgerissen wurden, sind Bücher, Pläne, Forschungsmaterial und Ausrüstungsgegenstände auf unterschiedlichste Plätze verteilt und für die Mitglieder nur schwer zugänglich. Vereinsveranstaltungen finden in der Regel in der Jesus-Christus-Kirche in Germering statt.

Insgesamt kein Dauerzustand, „da ohne ein Vereinsheim die Gefahr droht, dass sich der Verein nach fast 65 Jahren auflöst“, heißt es in einem Hilferuf an den Bezirksausschuss (BA) Allach-Untermenzing. Benötigt werden 120 bis 150 Quadratmeter – gerne Räume im Allacher Hochbunker, die die Vereinsmitglieder in Eigenleistung herrichten wollen. „Solange die Räume trocken sind, ist für Höhlenforscher auch ein Keller ohne Fenster kein Problem“, so Brack, „denn in den Höhlen haben wir ja auch kein Tageslicht“.

Ursula Löschau

Nähere Informationen über den Verein für Höhlenkunde München gibt es auf der Internetseite www.vhm-muenchen.de oder bei Christian Brack unter Telefon 89 42 74 36. Am Mittwoch, 12. Dezember, veranstaltet der Verein in der Jesus-Christus-Kirche in Germering (Hartstraße 6-8) einen weihnachtlichen Abend. Beginn ist um 19 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen.

Was die Stadt sagt

Der Luftschutzhochbunker neben der Mittelschule an der Franz-Nißl-Straße gehört dem Kommunalreferat, der Grund, auf dem er steht, zur einen Hälfte der Stadt, zur anderen der Kirche. Andreas Sigl vom Kommunalreferat erklärt auf Hallo-Anfrage: „Eine dauerhafte Übertragung kommt aufgrund des Schulbaus nicht in Frage. Denkbar ist höchstens eine zeitlich befristete Überlassung im Rahmen einer Zwischennutzung.“ Dies erfordere eine Ausschreibung, zudem müssten baurechtliche Fragen geklärt und verschiedene Auflagen erfüllt werden. 

Daten zum Luftschutzhochbunker Franz-Nißl-Straße 53 

Der Luftschutzhochbunker an der Franz-Nißl-Straße 53 wurde 1941 als öffentlicher Luftschutzbunker für 380 Personen von der Baufirma Stock& Söhne gebaut. Der Hochbunker wurde als Rechteck mit 14 Metern Seitenlänge und einer Höhe bis zum Dach mit zwölf Metern sowie einem Spitzdach ausgeführt. Das Dach hat eine Höhe von acht Metern. Der Dachstuhl selbst hat keine Funktion. Er diente nur als Tarnung. Der größte Einzelraum hat eine Fläche von 21 Quadratmetern. Die Gesamtfläche beträgt 320 Quadratmeter. Der Luftschutzbunker hat ein Kellergeschoß, Erdgeschoss sowie erstes, zweites und drittes Obergeschoss. Die Heizungsanlage befindet sich im Kellergeschoss, die Lüftungsanlage im dritten Obergeschoss. Beide sind nicht mehr funktionsfähig. Die Wandstärke im Keller beträgt drei Meter, im ersten bis dritten Obergeschoss 2,05 bis 2,15 Meter. Der Allacher Luftschutzhochbunker ist der letzte dieser Art in München, der noch im Originalzustand erhalten ist. Bisher steht er nicht unter Denkmalschutz.
Quelle: LaK Luftschutzarchiv Kümmel

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