„Schuld daran ist die Nachverdichtung und der Wohnungsbau um jeden Preis“

Gartenstadt ohne Gärten?

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Wie lange werden die kleinen Häuschen mit ihren Gärten noch bestehen bleiben?

Obermenzing – Münchens Gartenstädte sterben. Kleinere Einfamilienhäuser mit Garten werden von Apartmentblocks ersetzt. Jetzt soll der Versiegelung des Viertels der Kampf angesagt werden

Andreas Ellmaier aus Obermenzing sagt der Versiegelung seines Viertels jetzt den Kampf an.

Wo früher eine Familie in einem Haus mit Garten lebte, entstehen jetzt große Mehrparteienblöcke mit kaum mehr einem Grünstreifen – die Beobachtung kann man in Obermenzing fast in jeder Straße machen. „Alles wird versiegelt“, beschwert sich Andreas Ellmaier (59), CSU-Politiker und ehemaliger Bezirksausschussvorsitzender. „Dabei ist Obermenzing doch bekannt für alte Häuser und Gärten.“ Doch im Münchner Neubaukompass sind gerade dort viele Bauvorhaben ausgewiesen, bei denen aus einem Einfamilienhaus mit Satteldach ein dreistöckiger Kubus wird. 

Apartmentblocks reihen sich neben alte Einfamilienhäuser.

Diese dichte Bebauung und die Versiegelung sieht Ellmaier, der auch im Grünflächenverein Obermenzing aktiv ist, als größte Bedrohung für den Charakter Obermenzings und das Ökosystem der Stadt. „Es wird in den Gartenstädten zuviel gerodet, das Baurecht ausgenutzt“, betont Ellmaier. „Wohnraum, ja, aber es darf nicht alles versiegelt werden.“

Dem Sterben der Gartenstadt will jetzt das Bündnis Gartenstadt München, in dem sich auch Ellmaier engagiert, etwas entgegensetzen.

Initiativen aus ganz München schließen sich zusammen, um konkrete Forderungen gegen Nachverdichtung und zunehmende Flächenversiegelung zu stellen.

Die rund 30 Initiativen wollen Rahmenpläne und Petitionen an den Landtag vorbereiten. Unter anderem die Einführung einer städtebaulichen Erhaltungssatzung und die Wiedereinführung der fünf Meter Bauten-Abstandsregelung aus dem Jahr 1973, statt der derzeitigen drei Meter. 

„Schuld daran ist die Nachverdichtung und der Wohnungsbau um jeden Preis“, klagt Andreas Ellmaier.

Cornelius Mager, Leiter der städtischen Lokalbaukommission, kennt die Problematik, sagt aber auch: „Einen Vorstoß für erweiterte Abstandsflächen gab es im Jahr 2000. Damals haben die Gerichte argumentiert: erweiterte Abstandsflächen können nicht durch Ortsrecht erreicht werden.“ Der Lokalbaukommission seien in Punkto Baurecht und Zahl der Wohneinheiten die Hände gebunden: „Letztendlich entscheiden die Gerichte.“ Er setzt auf eine andere neue Entwicklung: „Der Stadtrat hat drei Stellen für Kontrolle und Ersatzpflanzungen bewilligt. Ich denke, diese Maßnahmen werden Erfolge bringen.“

Kleinere Einfamilienhäuser mit Garten werden von Apartmentblocks ersetzt, wie viele Beispiele aus Obermenzing zeigen.

Ellmaier gibt sich damit nicht zufrieden. Er hält die Zeit für ideal: „Wenn wir jetzt in Bayern das Volksbegehren für Artenschutz gewinnen, bewegt sich auch die Staatsregierung. Es wird höchste Zeit – sonst ist bald der letzte Garten in Obermenzing verschwunden.“

Marie-Julie Hlawica

Das Bündnis

Das Bündnis Gartenstadt München ist ein Zusammenschluss von rund 30 Initiativen, die gegen Nachverdichtung, für den Erhalt von Grünflachen sind. Ein Bürgerbegehren und eine Petition sind geplant. Mehr Infos unter: www.gartenstadt-harlaching.de

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