Panzerlärm

Kampfansage: Bürger protestieren gegen Allacher Rüstungsunternehmen

Christine Röhrl, Petra Kolmann, Christina Zametzer, Winfried Banholzer, Rainer Schamel, Susanne Veit, Willi Veit und Karin Sperl (v.li.) geht der Panzerlärm durch Mark und Bein.
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Christine Röhrl, Petra Kolmann, Christina Zametzer, Winfried Banholzer, Rainer Schamel, Susanne Veit, Willi Veit und Karin Sperl (v.li.) geht der Panzerlärm durch Mark und Bein.

Allach - „Wenn ich auf meiner Terrasse sitze, denke ich manchmal, ich bin im Krieg“, sagt Susanne Veit. Die Anwohnerin und andere Nachbarn wollen sich jetzt wehren

Den Bewohnern der Waldkolonie reicht’s. Sie leiden unter Panzerlärm, der von der Teststrecke der benachbarten Firma Krauss-Maffei Wegmann kommt. Bisher haben sich die Bürger nicht gegen die seit 1964 bestehende Anlage gewehrt. Doch mit einem Antrag auf Betriebszeitverlängerung von werktags 7 bis 17 auf 7 bis 20 Uhr hat der Rüstungskonzern nun den Widerstand geweckt. „Statt einer Verlängerung fordern wir eine Verlagerung der Panzertests“, sagt Anwohnerin Susanne Veit. So weit geht der Bezirks­ausschuss (BA) Allach-Untermenzing nicht. Die Verlängerung hat er in seiner jüngsten Sitzung jedoch abgelehnt und fordert jetzt nähere Informationen. 

Neben der Betriebsdauer geht es bei dem Verfahren nämlich auch um die Bestandsgenehmigung insgesamt. Das bestätigt Firmensprecher Kurt Braatz: „Wir wollen den Betrieb der Teststrecke, die vor längerer Zeit als Altanlage angemeldet und legalisiert wurde, auf die heutigen Rechtsgrundlagen stellen.“ Zudem habe sich die Nutzung der Anlage geändert: „Heute werden deutlich mehr Rad- als Kettenfahrzeuge getestet“, sagt er, was weniger Lärm bedeuten würde. Die Anwohner dagegen berichten von klirrenden Gläsern in den Vitrinen und einem „Lärm, der einem den Atem nimmt“, so Rainer Schamel. Der Filmtonmeister arbeitet viel zuhause und sagt: „Ich muss Telefonate abbrechen, weil ich mich wegen des Lärms nicht mehr verständigen kann. Das Schlimmste dabei ist der sogenannte Infraschall, den spürt man körperlich.“ 

Für Susanne Veit steht deshalb fest: „Allach wird immer dichter bebaut. Die Panzerteststrecke hier ist nicht mehr zeitgemäß.“ Viertelchefin Heike Kainz kündigt an, dass der BA „die Interessen der Anwohner, die Rechtslage und die Belange der Firma genau betrachten“ werde, bevor er gegebenenfalls nochmal Stellung nimmt. Dazu sollen Vertreter der Stadt und des Unternehmens in die nächste BA-Sitzung am Dienstag, 20. März, kommen. Die aktuelle Tendenz im BA lautet: „Eine Ausweitung der Zeiten geht gar nicht. Montag bis Freitag sollten als Betriebszeiten genügen“, so Kainz. Der Betrieb auf der Panzerteststrecke der Firma Krauss-Maffei Wegmann ist laut Pressestelle des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) rechtlich legal. 1964 seien solche Anlagen noch nicht genehmigungspflichtig gewesen. Inzwischen gelte für die Altanlage Bestandsschutz. In solchen Fällen haben die Betreiber nach Auskunft aus dem RGU „die Möglichkeit, freiwillig ein Bestandsgenehmigungsverfahren zu beantragen“.ul

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