„Ich stelle mit Erstaunen fest, dass es keinen mehr interessiert“

80 Jahre Eingemeindung Obermenzings – und niemand nimmt Notiz

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Für Dorfschreiber Adolf Thurner ist der Jahrestag der Eingemeindung zwar kein Grund zum Feiern, ihn aber ohne jegliche Notiz verstreichen zu lassen, ist für ihn inakzeptabel.

Obermenzing – Dorfschreiber Adolf Thurner ärgert sich: Die Eingemeindung des Viertels jährt sich heuer zum 80. Mal – doch niemand scheint sich dafür zu interessieren

Die Eingemeindung Obermenzings zur Stadt München jährt sich heuer am 1. Dezember zum 80. Mal. Für Dorfschreiber Adolf Thurner ist das zwar kein Grund zum Feiern. Er spricht von der „Zwangseingemeindung“. Den Jahrestag völlig unbemerkt verstreichen zu lassen, findet der 77-Jährige aber auch nicht in Ordnung: „Ich stelle mit Erstaunen fest, dass es keinen mehr interessiert. Dabei wäre es heute umso wichtiger, daran zu erinnern, was die Stadt uns damals versprochen hat und wie sie sich ihren Bürgern gegenüber zu verhalten hat.“

Was ihn am meisten ärgert: „Wir werden eingekastelt. Was da überall gebaut wird – und wie, das ist ungeheuerlich“, sagt er. „Und das Schlimmste: Es gibt keine ausreichende Verkehrserschließung.“ Das wären Themen, die Thurner zum 80. Jahrestag – einer Gelegenheit zur Mahnung – ansprechen würde. Zumal es bisher große Jahrestags-Feiern gegeben habe, meist organisiert von örtlichen Vereinen, früher auch mal vom Obermenzinger Bezirksausschuss (BA). „Aber wahrscheinlich sind alle noch erschöpft vom Jubiläum 1200 Jahre Menzing“, frotzelt der Dorfschreiber.

Frieder Vogelsgesang, Vorsitzender der Bürgervereinigung Obermenzing, BA-Mitglied und Stadtrat, sieht kein Versäumnis: „Wir haben alle fünf Jahre der eher ungeliebten Eingemeindung Obermenzings nach München gedacht, zuletzt 2013. Eine würdige Veranstaltung vorzubereiten, die nicht nur im Gestern verhaftet ist, bedarf allerdings durchaus eines gewissen Organisationsaufwands.“ Er selbst habe sich „in Anbetracht vieler Aufgaben“ mit dieser Frage diesmal nicht vertieft beschäftigt, „da das Festjahr 2017 noch nicht einmal abschließend abgewickelt ist.“

Mit Obermenzing wurden am 1. Dezember 1938 übrigens auch die ehemaligen Vororte und Gemeinden Ludwigsfeld, Allach, Untermenzing und Solln eingemeindet. Adolf Thurner zeigt auf unserem Bild (s.o.) zwei der Festkrüge aus seinem Stadtteilarchiv, die damals zu diesem Anlass herausgegeben wurden.

Ursula Löschau

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