Raus aus dem schwarzen Loch

Einsam daheim: Seniorenbegleiter helfen Obermenzingern

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Monika Keilberth (re.) steht Inge Maier als Seniorenbegleiterin zur Seite. Die 59-Jährige freut sich, älteren Mitbürgern helfen zu können, „den Alltag etwas leichter zu bewältigen“.

Obermenzing - Sie haben ihre Liebsten verloren und isolieren sich: Damit Senioren im Viertel aus dem Schneckenhaus kommen, wurde das ASZ aktiv

Mit dem Tod ihres Mannes im vergangenen Mai hat sich Inge Maiers Leben völlig verändert. „Seitdem falle ich oft in ein schwarzes Loch“, sagt die 86-jährige Obermenzingerin. Dazu kamen mehrere Stürze mit Knochenbrüchen und einer Kopfverletzung. Oft ist ihr schwindelig. „Ich geh’ kaum alleine raus und bin froh, wenn mir jemand hilft.“ Deshalb hat sie sich ans Alten-Service-Zentrum (ASZ) Obermenzing gewandt und kam genau richtig zum Start eines neuen Angebots: der Seniorenbegleiter. „Damit möchten wir älteren, isoliert lebenden Obermenzingern Kontaktmöglichkeiten anbieten“, erklärt ASZ-Leiter Tobias Deger. Es gehe um gemeinsame Unternehmungen wie Spaziergänge, Besorgungen, Zeitung lesen oder einen Besuch im ASZ – im Schnitt ein Aufwand von zwei Stunden pro Woche. 14 Ehrenamtliche haben sich bisher dafür gemeldet und im ASZ einen kurzen Einführungskurs absolviert. „Jetzt müssen wir nur noch an die Menschen herankommen, die den Bedarf haben“, sagt Deger. Denn er weiß: „Das sind die Menschen, die durch Alter, Krankheit oder eine schwierige Lebenssituation ohnehin wenig Kontakte haben.“ Inge Maier, die selbst nach Hilfe fragte, ist laut Deger die Ausnahme. Umso glücklicher ist die 86-Jährige, dass sie in Monika Keilberth (59) aus Obermenzing eine passende Stütze fand: „Sie begleitet mich zum Arzt oder zum Einkaufen. Das ist eine große Beruhigung für mich.“ Und: „Neben der Hilfe geht es natürlich auch um die Gesellschaft, darum, nicht allein zu sein.“ Parallel zu den Seniorenbegleitern bietet das ASZ Obermenzing bald auch präventive Hausbesuche nach dem Konzept ASZ plus an. ul

ASZ plus bald überall

In München leben rund 32 500 Menschen im Alter über 80 Jahren allein. Um sie besser erreichen zu können, wurde 2015 und 2016 in 13 Alten-Service-Zentren ein zusätzliches Angebot mit so genannten präventiven Hausbesuchen eingeführt. ASZ-Mitarbeiter klären bei Senioren zuhause ab, welche Wünsche und Probleme sie haben, welche Lösungen es dafür gibt und vermitteln die passenden Kontakte und Partner. Dieses ASZ plus-Konzept hat sich nach Auskunft aus dem Sozialreferat bewährt und soll im Rahmen des Gesamtkonzepts „Münchner Altenhilfe“ bis Anfang des zweiten Halbjahrs 2018 auf alle Münchner ASZs ausgedehnt werden. Die Träger von 18 weiteren Einrichtungen haben ab sofort die Mittel, die Teams um jeweils eineinhalb Stellen aufzustocken.

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