Bürger-Antrag gegen Leinenpflicht

Aufstand der Hundehalter

Solidarität unter Hundefreunden: Rita Laetsch (re.) bekommt immer mehr Rückendeckung.
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Solidarität unter Hundefreunden: Rita Laetsch (re.) bekommt immer mehr Rückendeckung.

Das gabs noch nie im BA: Eine Bürgerin wurde von der Polizei abgeführt. Der Grund: Sie kämpft verbissen gegen die Leinenpflicht im Landschaftsschutzgebiet

Im Viertel an der Angerlohe beherrscht ein Thema die Gespräche beim Bäcker, auf der Straße und natürlich beim Spaziergang im Lohwald: der Kampf der Hundefreunde gegen eine Leinenpflicht in dem Landschaftsschutzgebiet. Die Bewegungsfreiheit für die Vierbeiner führte jetzt sogar zu einem gewaltigen Eklat im Bezirks­ausschuss (BA) Allach-Untermenzing. Viertelchefin Heike Kainz (CSU) machte von ihrem Hausrecht Gebrauch und ließ Rita Laetsch (61) von einem anwesenden Polizisten aus dem Saal bringen. Davor hatte die Bürgerin gefordert, dass sich in der Angerlohe nichts ändern soll – keine Umwidmung in ein Naturschutzgebiet und erst recht kein Leinenzwang für Hunde. „Ich wollte einiges richtigstellen und kam einfach nicht dazu. Das hat mich immer wütender gemacht, bis ich gebrüllt habe“, sagt die Bürgerin. Noch immer ist die Hundebesitzerin aus Untermenzing tief enttäuscht: „So bin ich in meinem ganzen Leben noch nie behandelt worden“, sagt sie und kämpft erst recht weiter. „Bis wir es vom BA schriftlich haben, dass alles beim Alten bleibt. Wir haben ja sonst keine Ausweichmöglichkeiten“, betont die 61-Jährige. 

Seit kurzem sammeln sie und weitere Mitstreiter Unterschriften gegen einen Leinenzwang. „Hunde haben ein Recht auf freie Bewegung“, sagt Johanna Eberl und ergänzt: „Die Angerlohe ist vor allem auch eine beliebte Erlebniswelt für die Kinder. Die dürften sich in einem streng reglementierten Naturschutzgebiet auch nicht mehr frei bewegen.“ Die Idee, die Angerlohe zum Naturschutzgebiet zu erklären, wurde Anfang des Jahres von Falk Lamkewitz (Grüne) im BA ins Gespräch gebracht. Davor hatte die Stadt einen Antrag von ihm auf Leinenpflicht dort abgelehnt. Der Vorsitzende des Umweltausschusses sagt: „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass eine Leinenpflicht für Hunde in der Angerlohe dringend notwendig ist. Gerade Jogger, Spaziergänger und die vielen kleinen Kinder sind durch freilaufende Hunde gefährdet.“ Aber: „Es war nur eine Überlegung mit dem Naturschutzgebiet, und das wird nicht gehen. Man müsste sonst auch die Waldkindergärten aufgeben.“ 

Nichtsdestotrotz wird Rita Laetschs Antrag im BA nun behandelt. „Wir werden das im Unterausschuss Umwelt besprechen und gegebenenfalls die städtische Mediationsstelle einschalten.“ Auch Kainz steckt der Streit im BA noch in den Knochen: „So etwas habe ich noch nicht erlebt, und es macht mir keine Freude, so zu handeln.“ Beim Thema Angerlohe wird sich der BA dann auch um ein dortiges Biotop kümmern. „Wir haben gehört, dass einige Hundebesitzer ihre Tiere dort baden lassen. Das geht zu weit“, sagt Kainz. „Wir müssen es schaffen, ein gutes Zusammenleben hinzubekommen“, betont Hundehalterin Veronique Hartmann-Alvera. Sie ärgert sich besonders über „Idioten“, die mit Hundekot gefüllte Plastikbeutel in den Wald werfen oder anderen Müll dort entsorgen. „Es gibt aber andere Wege, um das Bewusstsein für die Angerlohe zu schärfen. Wie wär’s zum Beispiel mit Führungen?“ ul

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