Tunnel am Mittleren Ring Südwest

Hinein in die Mega-Röhre!

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Ruhe vor dem Ansturm: Derzeit laufen im Tunnel Tests, ob alles funktioniert. Johann Wittmann (unten) vom Baureferat hat Hallo-Redakteurin Daniela Schmitt vorab schon mal Einblicke gewährt.

Tunnel am Mittleren Ring Südwest in vier Wochen befahrbar: Hallo erklärt das Mammut-Projekt

Einzigartiges Event: Am 23. Juli traben 1500 Läufer durch Münchens neuen Mega-Tunnel. Johann Wittmann

läuft nicht mit. Er hat seinen Marathon schon hinter sich und mit seinem Team Rekorde aufgestellt: sechs Jahre Bauzeit, 10 091w Bohrpfähle, 240 000 Kubikmeter Beton, 31 000 Tonnen Stahl (dreimal so schwer wie der Eiffelturm), über 52 000 Quadratmeter Wandverkleidung – die beeindruckenden Zahlen zum Mammut-Projekt am Mittleren Ring Südwest. Jetzt ist der teilweise zweistöckige Tunnel fast fertig: Am 27. und 28. Juli wird die insgesamt 2,5 Kilometer lange Röhre am Luise-Kiesselbach-Platz für den Verkehr geöffnet. „Das war das größte Projekt in meinem Berufsleben. Insgesamt waren 24 Firmen beteiligt. Die mussten alle koordiniert werden. Das war eine logistische Herausforderung“, sagt Ingenieur Wittmann, der seit fast 38 Jahren beim Baureferat arbeitet. Allein am Einbau der Löschwasserleitungen seien drei Firmen beteiligt gewesen.

Was sich im Inneren des Tunnels alles verbirgt und wo alle Leitungen zusammenlaufen, zeigt der Tunnel-Experte Hallo-Redakteurin Daniela Schmitt hier – von A bis Z. Daniela Schmitt

Johann Wittmann (63) vom Baureferat erklärt die Mega-Röhre von A bis Z

Anfänge: 1996 haben die Bürger mit hauchdünner Mehrheit den Bau von drei Tunneln am Mittleren Ring – Richard-Strauss-, Petuelring- und am Mittleren Ring Südwest – im Rahmen eines Bürgerentscheids erzwungen, nachdem der Stadtrat 1990 alle Planungen gestoppt hatte. 1997 kam es zu Neuplanungen für den Luise-Kiesselbach-Tunnel. Der Planfeststellungsbeschluss erging im Februar 2003.

Bohrpfähle: 10 091 Bohrpfähle stützen die Betondecke. Die Pfähle sind zwischen zwölf und 35 Metern lang und bis zu 1,50 Meter dick.

Chapeau! Nach rund sechs Jahren Bauzeit wird der Tunnel termingerecht am 27. und 28. Juli für den Verkehr freigegeben.

Deckelbauweise hat den Vorteil, dass der Verkehr während der ganzen Bauzeit aufrecht erhalten werden konnte. Bei der Deckelbauweise entsteht zuerst der komplette Rahmen – Seitenwände, Mittelstützen und Deckel. Erst danach erfolgte der Aushub.

Entlastung: 1998 wurden an der Garmischer Straße rund 100 000 Fahrzeuge gezählt. Nach Prognosen für 2015 werden es nach der Öffnung an der Oberfläche circa noch 5000 sein. Am Luise-Kiesselbach-Platz werden die Fahrzeuge um über 60 Prozent von etwa 120 000 auf 40 000 reduziert.

Finanzen: Die gesamte Baumaßnahme kostet 398,5 Millionen Euro. Wir halten die genehmigten Kosten ein.

Garmischer Straße: An der Garmischer Straße/Luise-Kiesselbach-Platz werden circa 1500 Meter, an der Heckenstallerstraße 620 Meter untertunnelt. Der Trog an der Heckenstallerstraße ist circa 400 Meter lang. Insgesamt entstehen etwa 2,5 Kilometer unterirdische Fahrbahn.

Heckenstallerpark: Auf 27 000 Quadratmetern wird zwischen Passauer und Höglwörther Straße sowie Friedrich-Hebbel-Straße eine grüne Freizeitanlage mit Sportplatz, Kletterwand, und Spielplätzen angelegt. Der Heckenstallerpark soll im Sommer 2017 nutzbar sein.

Interesse am Projekt war riesig. Es gab viele Führungen, auch mit internationalen Gästen – für Kinder, Erwachsene, Studenten, Fachleute. Der Infocontainer am Luise-Kiesselbach-Platz wird nach der Öffnung donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet sein.

Jogger: Die 1500 Teilnehmerplätze für den Tunnel-Lauf am 23. Juli sind schon vergeben. Auf einer Strecke von rund sieben Kilometern können Laufbegeisterte die Tunnel zu Fuß erkunden. Start ist um 19 Uhr. Die große Eröffnungsfeier findet dann im Rahmen eines Bürgerfests am 25. Juli statt.

Kubikmeter: Es wurden ungefähr 800 000 Kubikmeter Kies und Erde ausgehoben. Das entspricht etwa 53 000 Lkw-Ladungen. Das Material wurde auf einer Fläche an der Autobahn in Freiham zwischengelagert. Ein Teil der Erde wurde dann zum Hinterfüllen wiederverwendet – der Boden über dem Tunneldeckel ist etwa 1,50 Meter dick.

Lärmschutz: Es wird an der gesamten Strecke an der Oberfläche viel leiser. Momentan haben wir ungefähr 74 Dezibel. In größeren Bereichen wird es eine Entlastung bis zu 15 Dezibel geben. Zehn Dezibel geringer bedeuten eine Halbierung des Lärms.

Markierungen: Im Tunnel gibt es 16 Kilometer Markierungslinien.

Notausgänge und Pannenbuchten befinden sich alle 350 Meter im Tunnel. Die Öffnungen für die Not- ausgänge wurden am Schluss mit einer Seilsäge in die Bohrpfahl-Außenwand geschnitten. Fluchttüren in der Mittelwand gibt es alle 60 Meter.

Ost-West, West-Ost: Wir hatten über 200 große und kleine Spurverschwenkungen. Die größte Umstellung war an der Waldfriedhof-/Albert-Roßhaupter-Straße, wo es temporär kein Linksabbiegen mehr gab. Das war anfangs für die Autofahrer schwer verständlich.

Promenade: Die begrünte Mittelpromenade an der Garmischer Straße stellt eine Verbindung vom Westpark zum Luise-Kiesselbach-Platz her und wird das Stadtviertel wieder verknüpfen.

Qualm: Die Strahlenventilatoren drücken bei einem Brand den Rauch in Fahrtrichtung aus dem Tunnel.

Radarmessgeräte: Im Tunnel darf maximal 60 Kilometer pro Stunde gefahren werden. Es gibt sechs Radarmessgeräte.

Sicherheit wird sowohl durch die Geschwindigkeitsüberwachung als auch durch die rund 30 Millionen Euro teure Sicherheitstechnik gewährleistet. Auch wenn der Strom ausfallen sollte, kann die Technik im Tunnel mit einer Notstromversorgung aufrecht erhalten werden – in jeder Betriebsstation befindet sich ein Dieselaggregat plus Batterien.

Technik: Die gesamte Versorgung des Tunnels erfolgt über vier vierstöckige Betriebsstationen mit jeweils einem Pumpwerk in bis zu 21 Metern Tiefe an der Preßburger Straße, der Bernrieder Straße, am Luise-Kiesselbach-Platz und an der Heckenstallerstraße. Die Betriebsstation ist aufgeschaltet in die Verkehrsleitzentrale in der Schragenhofstraße, von der aus alles gesteuert wird.

U-Bahn: Der Tunnel in der Garmischer Straße wird von der U-Bahnlinie U6 unterquert.

Verkehrseinschränkung gibt es an der Murnauer Straße, beim „Stahlgruber“: Weil aus Platzgründen die Einfahrtsrampe bis zur Tunnelfreigabe noch überfahren wird, kann sie erst danach fertiggestellt werden. Bis etwa Mai 2016 werden die Arbeiten abgeschlossen sein.

Wartung: Der Tunnel wird jedes halbe Jahr gewartet. Dafür wird er in der Nacht gesperrt.

Xundheit: Arbeitsschutz ist ein sehr wichtiges Thema – für uns und für alle ausführenden Firmen. Wöchentlich gab es eine Begehung von Sicherheitsbeauftragten, die kontrolliert haben, ob die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden.

Y-Tours: Die Bundeswehr ist noch nicht durch den Tunnel gefahren, nur die Polizei. Der Tunnel war so vorbereitet, dass Obama hätte durchfahren können – ist er aber nicht.

Zukunft: Derzeit laufen Machbarkeitsstudien für drei weitere Tunnelprojekte in München: an der Landshuter Allee, an der Tegernseer Landstraße und am Englischen Garten. Eine Entscheidung des Stadtrats steht aus.

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