Im Gespräch mit Hallo München

Thomas Helmer: „Es gab die Chance, die Bayern zu stürzen“

Thomas Helmer im Gespräch mit Hallo München.
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Thomas Helmer im Gespräch mit Hallo München.

Als Profi wurde er 1996 Europameister, mit dem FC Bayern gewann er drei deutsche Meistertitel. Nach seiner aktiven Karriere ging er zum Fernsehen und moderiert seit fünf Jahren den Fußball-Talk „Doppelpass“. Wie er den Bundesliga- Start am 18. September einschätzt und den Fußball in Corona-Zeiten erlebt, verrät er hier. 

Herr Helmer, wie haben Sie die vergangene Bundesligasaison erlebt?
Das Niveau war trotz allen Begleitumständen sehr hoch. Ich fand es spannend, ohne Zuschauer die Kommandos der Spieler zu hören. Außerdem habe ich mehr auf das Spiel selbst geachtet. Aber natürlich fehlten die Stimmung und die Atmosphäre. Trotzdem gab es für mich keine Alternative zu den Spielen ohne Zuschauer. Man muss anerkennen, dass es die Bundesliga als erste Liga geschafft hat, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Kommende Saison werden in einigen Stadien wieder Fans zugelassen. Allerdings unterscheidet sich die Anzahl je nach Standort. Was halten Sie davon?
Ich hoffe, dass die Fans vernünftig sind, die Regeln beachten und sich einfach freuen, dass es wieder Fußball gibt. Dass in einem Stadion 300 Zuschauer zugelassen sind und im anderen 8500, ist ein bisschen unglücklich. Vor allem in kleineren Stadien wie der Alten Försterei von Union Berlin profitieren die Vereine von den Fans.

Der FC Bayern muss voraussichtlich komplett ohne Zuschauer starten. Trotzdem bleiben die Münchner der große Favorit, oder?
Ich kann mich gar nicht erinnern, wann die Bayern unter Hansi Flick das letzte Mal verloren haben. Ihr unbedingter Wille vergangene Saison war beeindruckend. Sie waren immer voll konzentriert und haben auch nach einer 3:0-Führung weitergemacht. Außerdem haben sie ein Selbstvertrauen ausgestrahlt, das viele Gegner verunsichert hat. Auch ihr toller Teamgeist war wichtig. Und mit Manuel Neuer haben sie einen Torwart, der auch in der Champions League den Unterschied ausgemacht hat. Für mich sind sie derzeit die beste Mannschaft der Welt.

Wer könnte ihnen in der Bundesliga gefährlich werden?
In den vergangenen beiden Jahren gab es die Chance, die Bayern zu stürzen. Dortmund war schon nah dran und wird auch diese Saison wieder der größte Herausforderer sein. Sie haben tolle junge Spieler und scouten sehr gut. Bei Leipzig wiegt der Verlust von Timo Werner schwer. 

Vor der Coronapause haben vor allem die Fanproteste gegen Dietmar Hopp und die Kommerzialisierung des Fußballs die Bundesliga beschäftigt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Es ist ein brisantes Thema. Die Beleidigungen gegen Dietmar Hopp halte ich für falsch. Trotzdem bin ich hin und her gerissen, denn ich verstehe beide Seiten – auch dass manchen Fans die Kommerzialisierung in Teilen zu weit geht. Corona hat aber gezeigt, wie schwierig die finanzielle Situation für einige Clubs ist. Die Vereine brauchen die Fans und sollten den Dialog suchen. Wenn die Zuschauer das Gefühl haben, dass ihre Interessen geachtet werden, bekommen wir vielleicht wieder ein wenig Normalität hin. 

Sie moderieren seit fünf Jahren den Fußball-Talk „Doppelpass“, der am Sonntag seinen 25. Geburtstag feiert. An welche Sendung können Sie sich noch besonders gut erinnern?
Ein Anruf von Uli Hoeneß in der Sendung war mein Highlight. In der Werbepause ist plötzlich totale Hektik ausgebrochen und es hieß „Uli ist in der Leitung“. Ich wusste erst nicht, worum es geht und ich habe ihn nach der Werbung einfach gefragt: „Uli, was hast du auf dem Herzen?“ Er hat dann Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic gegen die Kritik aus der Runde verteidigt.

Was reizt Sie an der Arbeit bei „Doppelpass“?
Interessant sind die Sendungen, vor denen ein Trainer entlassen wurde. Dann wird alles umgeschmissen und das meiste passiert auf Zuruf. Das ist eine Herausforderung, macht mir aber auch viel Spaß.

Rückkehr vor Fans aus Pappe: So konnte der Talk nach der Corona-Zwangspause wieder starten.

Fussball-Talk „Doppelpass" feiert Geburtstag - Hallo verlost dazu das Buch „Doppelpass: Geschichten rund um die Kultsendung“

Zur Person Thomas Helmer

Fußball, seine große Liebe: Thomas Helmer, geboren am 21. April 1965 in Herford (Nordrhein-Westfalen), spielte für Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, den FC Bayern und Hertha BSC insgesamt 389 Partien in der Fußballbundesliga. 

Bei den Münchnern war er zwei Jahre lang Kapitän und gewann dreimal die deutsche Meisterschaft und zweimal den DFB-Pokal. Mit der Nationalmannschaft holte er 1996 den Europameistertitel. Nach seiner aktiven Karriere war Helmer für das DSF als Reporter bei EM- und WM-Turnieren im Einsatz und moderierte die Zweitligasendung „Hattrick“. Seit fünf Jahren moderiert er den Fußball-Talk „Doppelpass“auf Sport 1. 

Helmer lebt inzwischen in Hamburg und ist seit 15 Jahren mit der Schauspielerin Yasmina Filali verheiratet. „Kurios ist, dass sich meine Frau überhaupt nicht für Fußball interessiert“, sagt Helmer. Mit ihr hat er zwei Kinder sowie zwei Söhne aus erster Ehe.

von ANDREAS SCHWARZBAUER

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