Langjährige Verlegerin

Trauer in München: Anneliese Friedmann ist tot

Die Gesellschafterin der SZ und langjährige Verlegerin der Abendzeitung, starb mit 93 Jahren in München.
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Die Gesellschafterin der SZ und langjährige Verlegerin der Abendzeitung, starb mit 93 Jahren in München.

Sie war Gesellschafterin der SZ und langjährige Verlegerin der Münchner „Abendzeitung“. Auch diente sie als Vorbild für die Serie „Kir Royal“. Nun ist Anneliese Friedmann im Alter von 93 Jahren gestorben.

  • Traurige Nachrichten in München: Anneliese Friedmann ist gestrorben.
  • Sie war Gesellschafterin der SZ und Verlegerin der Abendzeitung.
  • Anneliese Friedmann wurde 93 Jahre alt.

München - Anneliese Friedmann ist tot. Die Gesellschafterin der Süddeutschen Zeitung (SZ) und langjährige Verlegerin der Münchner Abendzeitung (AZ) starb am Samstag im Alter von 93 Jahren in München, wie die SZ mitteilte.

Friedmann machte nicht nur Karriere als Verlegerin und Herausgeberin, sondern auch als Journalistin. Sie hatte nach ihrem Studium der Kunstgeschichte und der Theaterkritik, ab 1948 ein Voluntariat bei der SZ absolviert. Dort blieb sie bis 1960 Redakteurin.

Nach dem Tod ihres Mannes Werner Friedmann, der bis 1960 SZ-Chefredakteur war, trat sie 1969 in den Kreis der Gesellschafter des Süddeutschen Verlages ein, in dem die Süddeutsche Zeitung erscheint. Zudem übernahm Anneliese Friedmann für viele Jahre als Herausgeberin die Leitung der Abendzeitung.

Bundesweit bekannt wurde Anneliese Friedmann mit ihrer Kolumne im Magazin Stern, die unter dem Pseudonym „Sibylle“ erschien. Die Texte befassten sich mit Politik, Gesellschaft, Mode und Stil.

Vorbild für die Kult-Fernsehserie „Kir Royal“?

Später diente sie Helmut Dietl als Vorbild für seine Fernsehserie „Kir Royal“, in der es um das Leben einer Boulevardzeitungs-Verlegerin und eines Klatschreporters in der Münchner Schickeria der 1980er-Jahre geht.

2013 erhielt Friedmann eine der wichtigsten Journalismus-Auszeichnungen in Deutschland: den Henri-Nannen-Preis für ihr publizistisches Lebenswerk.

OB Dieter Reiter kondoliert zum Tod von Anneliese Friedmann

Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht dem Sohn der ehemaligen Verlegerin Anneliese Friedmann sein Beileid aus:

„Mit großer Bestürzung habe ich vom Tod Ihrer verehrten Mutter Anneliese Friedmann erfahren. Zu diesem schmerzlichen Verlust spreche ich Ihnen, Ihrer Familie und allen Angehörigen im Namen des Stadtrats der Landeshauptstadt München und vor allem persönlich mein herzliches Mitgefühl aus. Anneliese Friedmann war eine großartige Journalistin, Kolumnistin und Verlegerin. In einer Zeit, in der es für Frauen noch ungleich schwieriger war, speziell in dieser Branche Fuß zu fassen und Anerkennung zu erringen, schaffte sie es, vom legendären Gründer des ‚Stern‘, Henri Nannen, für eine Kolumne in seinem berühmten Magazin umworben zu werden. Sie schrieb diese Kolumne gegen den Willen ihres Mannes Werner Friedmann, dem damaligen Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Diese kleine Episode zeigt, dass Anneliese Friedmann noch weit mehr war: eine emanzipierte, blitzgescheite Frau mit Haltung. Sie legte sich auch mit den Großen in der Politik an und verabscheute Heuchelei in jeder Form. Es sagt auch viel über sie aus, dass sie ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis zu Dr. Hans-Jochen Vogel hatte, dem im Sommer verstorbenen Altoberbürgermeister der Landeshauptstadt München.  Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie Verlegerin der Münchner Abendzeitung und unter ihrer Ägide wurde das Blatt zum ‚Zentralorgan‘ der ‚Münchner Gesellschaft, die mal Bussi-Bussi, mal Schickeria‘ genannt wurde, wie man dem Nachruf auf Anneliese Friedmann in der heutigen Tagespresse entnehmen kann, und die in der legendären Fernsehserie ‚Kir Royal‘ so pointiert wie treffend abgebildet wurde. Dass Anneliese Friedmann als Vorbild für die Verlegerin in dieser Produktion diente, setzt ihr ein verdientes mediales Denkmal.  Wir verneigen uns vor einer journalistischen und unternehmerischen Lebensleistung, welche die Medienlandschaft hier in München entscheidend geprägt hat. Hierfür wurde Anneliese Friedmann zu Recht vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Publizistikpreis der Landeshauptstadt München und mit dem Henri-Nannen-Preis.  Ihre Haltung, ihre innere Einstellung waren es sicher auch, die Anneliese Friedmann zur Gründung der Werner-Friedmann-Stiftung veranlassten, die zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern sowie Journalistinnen und Journalisten Hilfe und Unterstützung bietet. Nicht zuletzt für dieses soziale Engagement wurde sie von ihrer Heimatstadt mit der Medaille ‚München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens‘ in Gold ausgezeichnet.  Für die kommende Zeit der Trauer wünsche ich Ihnen und allen Angehörigen gerade unter den aktuellen schwierigen Umständen, die ein gemeinsames Abschiednehmen so schwer zulassen, viel Kraft und alles Gute. Wir werden uns stets in Dankbarkeit und Ehrerbietung an die große Dame des geschriebenen Wortes erinnern.“

Dieter Reiter

Süddeutsche Zeitung/Landeshauptstadt München/fb

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