»Wir wollen hier nicht noch mehr Krawallos«

Streetworker-Büro geplant: Anwohner des Einkaufszentrums in der Blumenau befürchten noch mehr Lärm

Hadern-Blumenau Es brodelt im und rund um das Einkaufszentrum in der Blumenau: „Wir wollen hier kein Streetworker-Büro, weil wir fürchten, dass dadurch noch mehr Jugendliche abends und nachts hier hin kommen und noch mehr Lärm machen als bisher“, bringt es Anwohnerin Charlett Gewitz auf den Punkt. Seit bekannt wurde, dass die Stadt überlegt, in dem ausblutenden Einkaufszentrum möglicherweise ein Streetworker-Büro als Anlaufstelle für Problem-Jugendliche zu etablieren, laufen die Anwohner Sturm. Sie fürchten „noch mehr Krawallos“. Und von diesem Sturm wurde auch der Haderner Bezirksausschuss überrascht, bei dem die Anwohner ihrem Ärger jetzt Luft machten. Ihren Worten nach gebe es fast jeden Abend Probleme mit Jugendlichen aus der Umgebung, die sich trotz strikten Verbots des Hauseigentümers auch nach 20 Uhr auf dem Gelände des Einkaufszentrums aufhalten, Fußball spielen, Lärm machen und das Areal verschmutzen. Manche Anwohner berichten von zahlreichen Straftaten und regelmäßigen Polizeieinsätzen in der Nacht. „Sie verursachen so viel Lärm, dass ich keine Nacht schlafen kann. Ermahnt man dann die Jugendlichen, das Gelände zu verlassen, wird man wüst beschimpft“, schildert etwa Anwohner Bekim Behrani das Problem. „In diesem Innenhof hallt es so extrem, dass man kein Fenster aufmachen kann bei dem Lärm“, ergänzt Charlett Gewitz. So wie sie haben auch viele andere Mieter Zimmer in den Innenhof hinaus. „Auch wir Geschäftsleute haben damit Probleme, wenn diese Gruppen ab etwa 16 Uhr hier rumhängen, dann haben Kunden und Anwohner Angst, überhaupt rein oder raus zu gehen“, sagt Renate Lippert, die im Einkaufszentrum eine Änderungsschneiderei betreibt. „Oder wenn sie Langeweile haben, kommen sie geballt in Gruppen in meinen Laden und klauen“, sagt Helmut Haslinger aus dem Laden „Fankurve“. So wie er berichten auch andere Anwohner von fast täglichen Beschimpfungen, Beleidigungen und Behinderungen durch einzelne Gruppen von Jugendlichen. „Die wohnen nicht hier im Einkaufszentrum, aber wir müssen all das hinnehmen. Dann ist es doch die Höhe, dass jetzt auch noch ein festes Büro hier hinkommen soll“, wettert ein Betroffener. Dass das schon existierende Streetwork-Programm durchaus sinnvoll ist, wird von einigen Anwohnern auch gar nicht bezweifelt; nur wollen sie es nicht im Einkaufszentrum. „Eine Polizei-Außenstelle wäre wichtiger als solch ein Büro“, bemerkte ein Blumenauer bei der Bezirksausschuss-Sitzung. Anke Wittmann, Jugendbeauftragte des Haderner Bezirksausschusses, versucht, die aufgebrachte Stimmung zu beruhigen: „Wir wissen um die Nöte der Menschen in der Blumenau. Wir arbeiten und versuchen – auch mit den Streetworkern – ihre Situation zu verbessern.“ Michael Hellbrück, einer der Sozialarbeiter, die in der Blumenau tätig sind, bringt die Situation auf den Punkt: „Die Jugendlichen waren auch vor einem Jahr schon da, das ist eine gesamt-gesellschftliche Geschichte, die sich entwickelt hat und in zwei Wochen nicht gelöst werden kann.“ Wenn überhaupt, könne es eine Lösung auf Dauer nur geben, wenn alle Beteiligten den Willen zur Zusammenarbeit zeigen. Jochen Schröder

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