Marode Wasserleitungen

Gartler sitzen auf dem Trockenen

Über 50 Jahre alte Leitungen in vielen der 83 Anlagen: Rost, Rohrbrüche, Wasserverlust und hohe Kosten.

Die braunen Fensterläden sind verrammelt, Gießkannen, Pflanzkübel und Gartengeräte ducken sich an die Lauben, die Wege sind verwaist. Die Kleingartenanlage an der Siegenburger Straße liegt im Winterschlaf. Noch. Denn die Gartler stehen bereits für die nächste Saison in den Startlöchern. Doch die Vorfreude auf blühende Krokusse, saftige Tomaten und knackige Karotten ist getrübt.  Der Grund: Die Wasserleitungen auf der gut 60 Jahre alten Anlage sind in einem desolaten Zustand. 

Rost, Rohrbrüche und Lecks machen das Kommando „Wasser marsch“ seit Jahren zu einer wahren Lotterie. „Der Wasserwart traut sich im Frühjahr schon gar nicht mehr aufzudrehen“, sagt der stellvertretende Vorstand der Anlage, Anton Wenger. Denn immer öfter bleiben die Hähne in den 106 Gärten trocken. Dafür schießt dann mitten in der Wiese oder den Beeten plötzlich eine Fontäne in den Himmel. Zum Ärger der Gartler: „Unsere Pächter sind stinksauer“, sagt Wenger. 

Mit ihrem Problem stehen die Gartler an der Siegenburger Straße nicht allein da. Insgesamt 83 Anlagen mit 8700 Parzellen zählt der Kleingartenverband München. Und viele von ihnen haben mit maroden Leitungen zu kämpfen. „Die Rohre sind zum Teil über 50 Jahre alt“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Helmut Schmidt. Seit Jahren kämpfen die Gartler gegen den schleichenden Verfall, gehen auf die Suche nach Lecks, graben Leitungen aus und lassen sie für teures Geld reparieren. 

Dabei fühlen sie sich eigentlich gar nicht zuständig. Schon lange fordern die Kleingärtner von der Stadt als Eigentümerin der Anlagen, endlich etwas zu unternehmen. Und vor zwei Jahren schien es auch so, als hätten sie damit Erfolg. Das Baureferat rückte an, machte eine Schadensaufnahme und erstellte eine Prioritätenliste, welche Anlagen zuerst saniert werden sollten. Die Leitungen in der Anlage NO 59 an der Denninger Straße sind nach Angaben des Baureferats bereits repariert. Bei den anderen besonders sanierungsbedürftigen Gartenkomplexen, darunter jener an der Siegenburger Straße, seien wegen des „konjunkturell bedingten Preisanstiegs aber nur noch Teile der Planungsleistungen finanzierbar“ gewesen. Momentan prüft die Stadt nach Angaben des Baureferats, ob eine Erhöhung der Mittel möglich ist. Immerhin: In der Anlage an der Siegenburger Straße ist der Beginn der Sanierung für diesen Sommer geplant. 

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