Verzwickte Vorstandssuche

Alpenvereins-Sektionen tun sich immer schwerer, Funktionäre zu finden

Sendling-Westpark Rund 1500 Mitglieder hat die Sektion „Bergbund“ des Deutschen Alpenvereins – aber den Vorsitz will niemand übernehmen. Seit etwa einem Jahr sucht der Vorsitzende Karl Lichtinger schon nach einem Nachfolger. Bisher ohne Erfolg. „Noch ist keiner aus der Deckung gekommen“, sagt er. Zu wenig Zeit, zu viel Stress im Beruf – das bekommt Lichtinger bei den Absagen zu hören. Bei der Mitgliederversammlung im Mai will der 72-Jährige sein Amt als Vorsitzender nach neun Jahren abgeben, aus gesundheitlichen Gründen. Findet sich bis dahin kein neuer Vereins-Chef, droht der Sektion, die ihr Vereinslokal in der Hinterbärenbadstraße hat, die Auflösung. Schon einmal hat eine Münchner Sektion dieses Schicksal erleiden müssen. Die „Sulzenau“ löste sich 2007 auf, weil sich kein neuer Vorsitzender fand. „Noch sind das Einzelfälle“, sagt Peter Brill, Ortsausschuss-Sprecher der 26 Münchner DAV-Sektionen. „Aber es ist zu befürchten, dass es nicht dabei bleibt.“ Dabei gehen die Mitgliederzahlen beim Alpenverein ständig nach oben. Die Angebote, ob Wandertouren, Skiausflüge oder Übernachtung in vereinseigenen Hütten, locken viele Bergfreunde. „Aber Ehrenämter sind immer weniger gefragt,“ weiß Brill. Da geht es dem DAV nicht besser als vielen Sportvereinen. Die großen Münchner Sektionen – wie „München“ und „Oberland“ mit zusammen 120000 Mitgliedern – haben eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichen Mitarbeitern. Das können sich die kleineren Gruppen nicht leisten, so bleibt die Arbeit bei der Vorstandschaft. „Es hängt sehr viel dran“, erklärt Karl Lichtinger. Mitgliederverwaltung, Schriftverkehr, wöchentliche Vereinsabende in der Hinterbärenbadstraße, dazu kommt die Verantwortung für die beiden Hütten, die der „Bergbund“ am Spitzingsee unterhält. Auch deshalb schrecken viele Mitglieder davor zurück, an der Spitze zu stehen. Die Renovierung des 72 Jahre alten Taubensteinhauses hat die Ehrenamtlichen in den letzten Jahren auf Trab gehalten – der Verein hat viel Geld investiert, Mitglieder haben unzählige Arbeitsstunden geleistet. Als Mann vom Fach, als Bauingenieur, war Lichtinger immer dabei. Noch hofft der 72-Jährige, dass seine Arbeit fortgeführt wird. Ein Aufruf in der Vereinszeitung soll helfen. Seit Kurzem haben die Sektionen die Möglichkeit ihren Vorständen 500 Euro pro Jahr als Entgelt zu bezhalen. Dazu müsste die Satzung geändert werden. „Ich denke, dass wir noch jemanden mobilisieren können, wenn es eng wird“, sagt Lichtinger. „Alles andere wäre sehr ernüchternd.“ Andreas Raith

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