Während der Verlängerung der U5 müssen Anwohner ihren Grund abtreten

U-Bahn-Bau im Garten

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Das Gartenhaus und die Zucchini von Helmut Schmidt müssen wegen des U-Bahn-Baus weg.

Laim – Das grüne Paradies von Helmut Schmidt ist in Gefahr: Er muss für mindestens drei Jahre ein Drittel seines Gartens für den Bau der U-Bahn nach Pasing abtreten – Er ist nicht der einzige

In der einen Ecke seines Gartens wachsen unter einer Überdachung Tomaten und Gurken, auf seinem Kompost hat Helmut Schmidt Zucchini angebaut. Auch Auberginen, Paprika, Knoblauch und Chili erntet er regelmäßig. Für die Bienen hat der Laimer zahlreiche Blumen und Sträucher angepflanzt. Akkurat geschnittener Rollrasen bedeckt den Boden. „Meine Frau und ich verbringen jeden Tag im Garten“, sagt Schmidt. Doch nun bedroht die Verlängerung der U-Bahn bis nach Pasing sein grünes Paradies an der Gotthardstraße.

Die Stadt benötigt etwa ein Drittel seines Gartens, um dort während der Bauzeit provisorische Straßen sowie Fuß- und Radwege anzulegen. Denn die U-Bahn-Trasse unter der Gotthardstraße muss ab 2021 in offener Bauweise errichtet werden. Das 1,2 Kilometer lange Teilstück wird komplett aufgerissen (Hallo berichtete). „Aufgrund der beengten Platzverhältnisse können die Provisorien nicht ausschließlich auf städtischem Grund hergestellt werden“, teilte Dagmar Rümenapf, Sprecherin des Baureferats, mit.

„Ich war geschockt, als ich davon erfahren habe“, sagt Schmidt. Natürlich habe er sich auf Einschränkungen und Baulärm eingestellt. „Aber wir haben gedacht, das findet außerhalb des Gartens statt.“ Ein etwa drei Meter breiter Streifen fällt während der Bauarbeiten, die rund drei Jahre dauern sollen, weg. Sein Gartenhäuschen muss ebenso weichen wie der Zaun, den er erst vergangenes Jahr aufgestellt hat.

Das Baureferat versichert, dass der ursprüngliche Zustand am Ende wiederhergestellt wird

„Nach Beendigung der Baumaßnahme werden die Vorgärten sowie auch vorhandene Bepflanzungen und Einbauten (zum Beispiel Tonnenhäuschen, Zäune) entsprechend des ursprünglichen Zustands wiederhergestellt“, versichert Rümenapf. Das kann sich Schmidt nicht vorstellen. Außerdem seien drei Jahre eine lange Zeit. „Vielleicht dauert es ja auch vier oder fünf Jahre“, befürchtet er. Auch die Entschädigung, die die Eigentümer zusätzlich erhalten, kann ihn nicht trösten.

Er erwartet auch nach dem Bau Probleme. „Ich habe eine Zisterne für Regenwasser im Garten und befürchtete, dass sie durch die Erschütterung der U-Bahn Risse bekommt. Das bekomme ich dann nie wieder dicht.“ Dieselbe Furcht hat er auch wegen seines Kellers. Rümenapf sagt: „Für die betroffenen Grundstücke wird rechtzeitig vor Baubeginn und auf Kosten der Stadt eine Beweissicherung des Vorgartenbereichs sowie der Gebäude durchgeführt.“ Schäden bezahle die Stadt. Schmidt ist skeptisch und lässt traurig den Blick durch den Garten schweifen. „Ich hoffe auf ein Wunder.“

Andreas Schwarzbauer

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