Altes Handwerk

Das Fass fürs Bier entsteht hier

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Eine kraftraubende Arbeit, die aber auch Feingefühl erfordert: Juniorchef Peter Schmid bereitet das Holz vor (oben), während Mitarbeiter Peter Grassy ein altes Fass auf Vordermann bringt (unten rechts).

LAIM Ein Laimer Traditionsbetrieb stellt seit 100 Jahren Holzbehälter her – unter anderem auch für die Wiesn

Pech hat Peter Schmid mehr als genug. Der 25-Jährige ist Juniorchef der Fassfabrik Schmid in Laim. Diese braucht die schwarze, zähe Flüssigkeit für die Herstellung ihrer Fässer. Und im Moment benötigen die Schäffler besonders viel davon: Schließlich herrscht in der letzten verbliebenen Fassfabrik Münchens vor der Wiesnzeit immer Hochbetrieb. Alleine von den „Hirschen“ – so nennt man die großen 200-Liter-Fässer – haben die Mitarbeiter in den letzten Tagen 50 Stück hergestellt. Dazu kommen noch zahlreiche andere Größen.

Peter Grassy (49) ist einer von sechs Mitarbeiternder Fassfabrik. Schon seit 1980 hilft er bei der Herstellung und Reparatur von Fässern. „Diese werden bei uns komplett fertig gemacht, von der Holz- und Metallbearbeitung bis hin zum Pichen – der Behandlung mit Pech“, sagt Grassy. Dadurch werde verhindert, dass das Bier mit dem Holz in Berührung kommt. Und das Fass sei dann auch leichter zu reinigen. Dicht werden die Fässer dagegen alleine durch die Genauigkeit bei der Fertigung.

Die Herstellung eines solchen Fasses: eine kraftraubende Arbeit. Schließlich wiegt jeder der „Hirschen“ schon leer um die 85 Kilogramm. Aber auch Feingefühl ist bei der Arbeit gefragt.

Und die Mühe scheint sich zu lohnen: „Viele Leute sagen, dass das Bier aus Holzfässern einfach besser schmeckt“, erklärt Grassy. Das Bier in Edelstahlfässern könne nicht atmen. „Das aus unseren Eichenholzfässern dagegen schon. Es hat etwas weniger Kohlensäure und ist dadurch bekömmlicher.“

Trotzdem kommt das Bier in den meisten Festzelten längst aus großen Edelstahltanks. Eine Ausnahme ist Augustiner. Diese Brauerei bringt ihr Bier noch in traditionellen „Hirschen“ auf die Wiesn. Für sie sind auch die Fässer aus Laim.

Wenn es auf der Wiesn in diesem Jahr wieder „O’zapft is“ heißt, können die Mitarbeiter der Laimer Fassfabrik fürs Erste aufatmen. Dann haben sie ihren Teil geleistet, damit die anderen schön feiern können. Und auch in Laim gibt es dieses Jahr Grund zum Anstoßen: Die Fassfabrik wurde 1914 gegründet – der Traditionsbetrieb feiert in diesem Jahr also 100-jähriges Bestehen. rfe

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