Alter Südlicher Friedhof

Museum bewegt die Gemüter

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Jeden Tag ist Rosina Losch am alten Südfriedhof. Sie hätte nichts gegen das Museum, andere Besucher aber sind skeptisch.

Das Viertel diskutiert, wie viele Touristen der alte südliche Friedhof verträgt. Die verschiedenen Meinungen lesen Sie hier.

Zwischen Gräbern lesen, ratschen oder einfach nur die Ruhe genießen: Der alte südliche Friedhof ist zu einem Entspannungsort geworden. Doch das Flair könnte sich verändern: Es gibt Überlegungen, eine Informationsstelle und ein Bestattungsmuseum einzurichten. Der Stadtrat hat sich bereits dafür ausgesprochen und auch das Referat für Gesundheit und Umwelt befürwortet genauere Planungen. Angedacht ist, das Grundstück an der Pestalozzistraße 62 neu zu bebauen. In dem Gebäude könnten dann Räumlichkeiten für die Straßenreinigung, Büros und eben die Friedhofsausstellung entstehen.

Doch nicht alle sind davon überzeugt. Armin Müller, 72, wohnt in der Nähe des Friedhofs und gerne geht er darin spazieren. Von dem Vorhaben hält er „überhaupt nichts“. Er findet schon die Führungen etwas unpassend, durch ein zusätzliches Angebot befürchtet er noch mehr Trubel. „Das stört die Ruhe“, befürchtet er.

Tatsächlich rechnet die Stadt damit, dass künftig mehr Touristen zum Südfriedhof kommen, auch weil die städtischen Friedhöfe jetzt Mitglied in der Vereinigung bedeutender Friedhöfe in Europa sind. Der BA Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt ist nicht begeistert von dieser Aussicht. „Die Intensivierung von Besucherströmen ist nicht im Interesse unserer Bürger“, schreibt Beate Bidjanbeg (SPD) in einer Stellungnahme. Sie wünscht sich, dass sich die Stadt bei dem Bestattungsmuseum nicht vorschnell auf einen Standort festlegt und dass der BA in alle Planungen miteinbezogen wird. Als Anregung schlug sie beispielsweise vor, die Gräber so auszustatten, dass man über das Handys Infos darüber bekommt. Denn Interesse an der Friedhofsgeschichte haben auch Stammbesucher: „Ich würde mir ein Museum schon anschauen“, sagt zum Beispiel Marion Freundenreich. Sie hätte nichts gegen die Einrichtungen: „So lange es nicht mit zu starkem Lärm verbunden ist.“ Auch Rosina Losch sieht die Sache gelassen. Täglich ist die 84-jährige im Friedhof: „Wenn mehr Leute kommen, stört mich das nicht“, sagt sie. „Tourismus ist auch wichtig.“
Claudia Schuri

Wände beschmiert
Nicht jeder schätzt den alten Südfriedhof als Kulturerbe. Das bemängelt CSU-Stadtrat Richard Quaas in einer Anfrage. Er ärgert sich über den Zustand der Friedhofsmauer mit den roten Ziegeln. „Leider ‚zieren‘ fast flächendeckend Schmierereien und Graffitis bis zu einer Höhe von etwas über zwei Metern diese wunderbare alte Mauer und verunstalten damit das Baudenkmal massiv“, schreibt er.

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