Slackline: Stunk am laufenden Band

Stunk wegen Slacklines: Laimer BA will den Hobbysport in städtischen Parks komplett verbieten

Auf einem elastischen Band zeigen Slackliner ihre Kunstwerke, zum Beispiel wie hier im Englischen Garten. Doch Kritiker befürchten Schäden an den Bäumen und fordern ein Verbot.
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Auf einem elastischen Band zeigen Slackliner ihre Kunstwerke, zum Beispiel wie hier im Englischen Garten. Doch Kritiker befürchten Schäden an den Bäumen und fordern ein Verbot.

Laim/Sendling-Westpark: Dem Laimer BA reicht’s: Er fordert ein stadtweites Slackline-Verbot. Den Lokalpolitikern ist der Tanz auf dem Band ein Dorn im Auge, besonders im Westpark.

Es ist ein bisschen wie Schweben. Um in der Luft zu spazieren oder artistische Kunststücke zu machen, brauchen Slackliner nur ein Schlauchband und zwei Befestigungspunkte. Gerade jetzt im Sommer sieht man häufig in Parks und Grünflächen eine Leine zwischen zwei Bäume gespannt, auf der Hobbysportler balancieren. Damit soll jetzt Schluss sein. Der Laimer Bezirks­ausschuss hat beantragt, dass die Stadt das Anbringen von Slackline-Bändern in städtischen Grünanlagen verbieten soll.

„Es ist erwiesen, dass es durch die Druckstellen Schädigungen an den Bäumen gibt“, erklärt Anette Zöllner (CSU). Durch das gespannte Seil könnten Quetschungen unter der Borke entstehen, die zu Pilzbefall und zum Absterben der Rinde und der Wurzelpartien führen. Im Westpark beispielsweise sei die Gefahr besonders groß, da dort viele Bäume einen Stamm mit unter 30 Zentimeter Durchmesser haben.

Im Englischen Garten wird der Umgang mit dem Sport seit Jahren diskutiert. Schließlich hat die bayerische Schlösser- und Seenverwaltung mit der Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) einen Kompromiss ausgearbeitet. „Das Slacklinen ist im Englischen Garten nicht verboten“, erklärt Franziska Hölzle von der Schlösser- und Seenverwaltung. „Aber wir möchten die Sportler dafür sensibilisieren, mit dem Sport unsere wertvollen Baumbestände nicht zu gefährden.“ Denn Schäden würden erst in einigen Jahren sichtbar. Doch dass sich nicht alle Sportler an die Baumschutz-Regeln (siehe unten) halten, beobachtet auch Andreas Geiß von der JDAV: „Es ist traurig, wenn man sieht, dass es den Leuten egal ist. Wir werden unsere Aufklärung wieder auffrischen“, erklärt er. Bis jetzt sei die Situation „gerade noch so hinnehmbar“, sagt Hölzle. Doch: „Nimmt die Zahl der Rücksichtslosen zu stark zu, sind wir gegebenenfalls zu einem Verbot gezwungen.“

Bei der Stadt sieht man keinen Handlungsbedarf. „Die Grundregeln werden in den allermeisten Fällen berücksichtigt“, erklärt Dagmar Rümenapf, Sprecherin des Baureferats. „Grundsätzlich wird darauf geachtet, dass nur Bäume mit einem Umfang von 90 bis 100 Zentimetern genutzt werden“, sagt sie.

Um den Sport nicht komplett zu verbieten, schlägt der Laimer Bezirksausschuss vor, stabile Pfosten als Baumersatz zu errichten. Die Stadt testet das gerade in Riem. „Ob der hohe Aufwand für Slackline-Poller in vertretbarem Verhältnis zu deren Akzeptanz steht, muss im Einzelfall geprüft werden“, sagt Rümenapf. Andreas Geiß von der JDAV ist skeptisch. Er befürchtet, dass es „ein bisschen unrealistisch“ sei, die Pfosten-Idee praktikabel und attraktiv umzusetzen. „Es wäre schade, wenn man den Sport nicht mehr ausüben könnte“, sagt er. „Wenn man alles richtig macht, gibt es keine Gefährdung für die Bäume.“
C. Schuri

Regeln fürs Slacklinen

Die JDAV hat mit der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung Verhaltensregeln für baumfreundliches Slacklinen im Englischen Garten aufgestellt, die auch in anderen Grünanlagen beachtet werden sollen. Demnach dürfen die Leinen nur an Bäume mit einem Durchmesser über 30 Zentimeter angebracht werden. Bewegt sich ein Baum, ist er nicht geeignet. In der Wachstums­phase (März, April, Mai) soll man auf dickere Bäume mit grober Rinde ausweichen. Es ist verboten, im Englischen Garten die dünnen Bäume im Südteil unterhalb des Monopteros zu nutzen. Die Sportler müssen Baumschlingen mit einer Breite von mindestens fünf Zentimeter verwenden und den Baumstamm rundum mit einem ausreichend großen Baumschutz schonen. Um Reibungen und Scheuerungen auf der Rinde zu verhindern ist dazu abriebfestes Material zu verwenden. Laut der JDAV sind neben einem professionellen Schutz zum Beispiel auch Teppichreste geeignet.

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