Verkehr in Hadern

Der Stiftsbogen als Rennstrecke?

+
Am Stiftsbogen gilt Tempo-30. „Doch kaum einer hält sich daran“, monierte Bernd Lehmann bei der Bürgerversammlung.

Bürger monieren Geschwindigkeitsüberschreitungen und fordern bessere Markierungen.

Seit 32 Jahren schon lebt Bernd Lehmann am Stiftsbogen. Alle Veränderungen dort hat er miterlebt. Doch eine Entwicklung gefällt ihm ganz und gar nicht. „In den letzten Jahren hat der Verkehr stark zugenommen“, erklärte er in der Bürgerversammlung. Daran stört ihn vor allem eines: „Kaum ein Verkehrsteilnehmer hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h.“ Stattdessen würden die Autofahrer teilweise sogar mit bis zu 80 km/h durch die Straßen rasen. Morgens, wenn viele Pendler den Stau auf der Autobahn umfahren, sei das Problem besonders schlimm. Auch nachts hätte sich der Stiftsbogen im Laufe der Jahre zu einer Rennstrecke entwickelt.

„Es wird einfach immer schneller gefahren“, so Lehmann. Dies sei nicht nur sein Eindruck: „Ich habe mit mindestens 50 Leuten gesprochen, die sagen alle das gleiche.“

Die Statistiken der Verkehrsüberwachung dagegen sind nicht ganz so eindeutig. Laut Stefan Schmidt vom Kreisverwaltungsreferat hat es im Jahr 2015 Messungen gegeben. Über 51 Stunden sei die Geschwindigkeit überwacht worden. Das Ergebnis: Eine Beanstandunsquote von 13,8 Prozent, das ist leicht über dem Schnitt im Viertel. Dieses Jahr waren es bis jetzt 26 Messungen, das bedeutet 37 Stunden und 56 Minuten Tempokontrollen. 12,63 Prozent aller Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs.

Um diese Zahl zu verringern stellte Bernd Lehmann in der Bürgerversammlung einen Antrag: Auf der Straße sollen Asphaltfolien mit der erlaubten Geschwindigkeit angebracht werden, um durch die Markierungen das Tempo-Limit präsenter zu machen. „Das ist eine Maßnahme, die mit geringen Mitteln möglich wäre“, argumentierte er. Die Mehrheit der anderen Haderner bei der Bürgerversammlugn sah das ähnlich. Die Bürger stimmten dem Vorschlag zu.

Dass er umgesetzt wird ist trotzdem nicht wahrscheinlich, wie Stefan Schmidt vom Kreisverwaltungsreferat noch bei der Versammlung deutlich machte. Denn München hat viele Tempo-30-Zonen, in denen öfters zu schnell gefahren wird. Überall Markierungen anzubringen wäre teuer. Deshalb gab es bereits im Jahr 2002 einen Stadtratsbeschluss zu dem Thema. „Markierungen gibt es normalerweise nur bei über 20 Prozent Beanstandungsquoten“, erklärte er.

Immerhin muss sich die Stadt wegen des Bürgerversammlungsantrags jetzt noch einmal mit dem Thema beschäftigen.

Bernd Lehmann hofft, dass doch noch irgendwann etwas passiert. Ansonsten sieht er die Verkehrssituation pessimistisch. „Eines Tages passiert noch irgendwas“, prophezeit er. „Es ist nur eine Frage der Zeit bis am Ende sogar ein Kind angefahren wird.“

Claudia Schuri

Verkehr in Hadern

Bei der Bürgerversammlung hat Peter Gloël, Direktor der Polizeiinspektion 41, eine Übersicht über den Verkehr in Hadern von Oktober 2015 bis jetzt gegeben. Hier die wichtigsten Aspekte: Verkehrsunfälle (Laim und Hadern zusammen): An einem Tag passieren durchschnittlich sieben Unfälle, zumeist sind es Kleinunfälle. Einen tödlichen Unfall gab es bis jetzt nicht. Die Zahl der Fahrradunfälle hat sich um rund zwölf Prozent verringert, die Dunkelziffer ist hier aber hoch. Etwa 90 Prozent der an Unfällen beteiligten Radfahrer wurden verletzt. Acht Schüler unter 16 Jahren verletzten sich bei Schulwegunfällen, das sind sechs mehr als im Vorjahr.

Berauschte Autofahrer: Die Polizei erwischte 118 alkoholisierte Verkehrsteilnehmer und 108 Verkehrs–teilnehmer unter Drogen: Vor allem letzteres macht den Beamten Sorgen: Bei den Drogen gab es in einem Jahr eine Steigerung um 58 Prozent. Zu schnell unterwegs: Die Polizei hat 619 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. Der schnellste erwischte Raser war ein Motorradfahrer: Er war mit 111 km/h auf einer Straße unterwegs, für die Tempo 50 vorgeschrieben ist.

Auch interessant:

Meistgelesen

100 Meter Zukunft: Studenten wollen Schwanthalerstraße zu autofreier Zone erklären
100 Meter Zukunft: Studenten wollen Schwanthalerstraße zu autofreier Zone erklären
Bei Personenkontrolle am Hauptbahnhof: Mann leistet Widerstand gegen Beamte aus und verletzt einen Polizisten
Bei Personenkontrolle am Hauptbahnhof: Mann leistet Widerstand gegen Beamte aus und verletzt einen Polizisten
Öffentlichkeitsfahndung – 20-Jähriger vermisst – Zuletzt bei Hackerbrücke gesehen
Öffentlichkeitsfahndung – 20-Jähriger vermisst – Zuletzt bei Hackerbrücke gesehen
Sexuelle Belästigung im Regional-Express nach München – Zeugen gesucht
Sexuelle Belästigung im Regional-Express nach München – Zeugen gesucht

Kommentare