Jährlich nach der Wiesn müssen Eigentümer ihr Wohnhaus für teures Geld sanieren

„Die Stadt lässt uns im Stich“

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Anwohner Mario Baierschimpft: „Wenn die Tür aufgeht, weil ein Auto von innen aus der Garage kommt, nutzen die Besoffenen die Gunst um einzudringen. Da wird der Wildbiesler hochaktiv.“

Ludwigsvorstadt – Wiesn: Das bedeutet 14-tägiger Ausnahmezustand für München – Doch einige Wiesn-Anwohner werden auch Wochen nach dem Fest, noch an die vorbeiziehenden Menschenmassen erinnert

Es gibt Wiesn-Liebhaber, es gibt Wiesn-Gegner. Diese kommen dem Trubel weitestgehend aus, indem sie einfach nicht hingehen. Und dann gibt es noch Wiesn-Anwohner, so wie Mario Baier, die auch Wochen nach dem Fest, noch an die vorbeiziehenden Menschenmassen erinnert werden. Der 59-Jährige lebt nur wenige hundert Meter Luftlinie von der Theresienwiese entfernt, jedes Jahr muss er im Herbst durch Oktoberfest-Besucher entstandene Schäden an seinem Haus auf eigene Kosten entfernen.

2011 ist Baier in das denkmalgeschützte Haus von 1888 an der Bayerstraße eingezogen, er ist Eigentümer und Beirat der Wohungseigentümergemeinschaft. „Heuer brauchen wir einen Maler für die versiffte Fassade. Außerdem einen Schreiner, der die mit Schnitzereien verzierte Tür wieder in Ordnung bringt. Der Elektriker war bereits da. Irgendein Witzbold hat nämlich Bier in die Klingelanlage gekippt“, klagt Baier. Jedes Jahr müssten die Eigentümer des Hauses im Schnitt 3000 bis 5000 Euro in die Hand nehmen, um Schäden zu beheben (Hallo berichtete).

Wiesn-Anwohner, wie Mario Baier, werden auch Wochen nach dem Fest, noch an die vorbeiziehenden Menschenmassen erinnert.

Von der Stadt fühlt sich Baier im Stich gelassen: „Ich weiß nicht, was die Stadt in Bezug auf unser Viertel im Sinn hat. Aber ich habe das Gefühl, dass diejenigen, die hier noch wohnen, vertrieben werden sollen. Dann kann man schön noch eine Spielhalle neben noch ein Hotel neben noch eine Behörde setzen.“ Dabei lebt der gebürtige Münchner gerne im südlichen Bahnhofsviertel, hat sich ganz bewusst entschieden, hierher zu ziehen: „Hier sieht man einen Querschnitt durch die Weltbevölkerung, dieses Viertel lebt. Gerade das macht es so reizvoll“, sagt Baier.

Das Problem sei oftmals, dass die Menschen gar nicht wissen, dass hier jemand wohnt. „Die meinen hier sind Büros, dabei leben in dem Haus 28 Parteien“, sagt Baier. Er fordert, den innerstädtischen Bereich zu stärken, die Anwohner zu schützen. „Und wenn sie nur mal während der Wiesn eine Fußstreife hier abstellen. Vor einem Uniformierten hat der Besoffene wenigstens noch so viel Respekt, dass er kein Messer in die Tür haut.“

Seitens der Stadt gibt es seit 2016 einen Service für Wiesn-Anwohner, die sogenannte „Reinigungshotline“ (Hallo berichtete): Wird eine Verschmutzung gemeldet, rückt ein mobiles Reinigungsteam aus und entfernt die Verunreinigungen. Die Nutzerzahlen sind überschaubar: „2016 kamen neun Anrufe, im Jahr darauf, bereits 13 Anrufe. 2018 gingen 31 Anrufe über die Hotline ein“, sagt Gabriele Papke vom Referat für Arbeit und Wirtschaft. Allerdings gebe es keine Möglichkeit, Kosten von Reparaturarbeiten für von Oktoberfestbesuchern verursachte Schäden bei der Stadt einzufordern, sagt Papke und weist daraufhin, dass weitere Serviceangebote für Anwohner nicht in Planung seien.

Bei der „Reinigungshotline“ habe Baier übrigens noch nie angerufen: „Hätte man mal machen können.“ Andererseits sei das Vertrauen in die Stadt, dass diese wirklich etwas für die Anwohner tun wolle, nicht vorhanden.

Daniela Borsutzky

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