Bürger fordert künstlichen Regen an Münchens Hauptverkehrsstraßen

Eine Dusche für den Ring

Sorgt sich über Feinstaub am Mittleren Ring: Patrik Lachmair hat ein Konzept dagegen entwickelt.

Reine Luft am Mittleren Ring – mit Wasser wär’s möglich, findet Patrik Lachmair. Der Anwohner fordert Sprinkler, um die Luft vom Feinstaub zu säubern. Was die Stadt von der Idee mit dem künstlichen Regen hält, was Umweltverbände sagen, lesen Sie hier.

Der Mittlere Ring soll nass werden – der Umwelt zuliebe. Das ist die Idee von Patrik Lachmair (50, großes Foto). Der Patentanwalt und Ingenieur hat dem Bezirksausschuss (BA) Schwan­thalerhöhe und der Stadt ein Konzept vorgestellt, mit dem die Feinstaubbelastung an Münchens Hauptverkehrsstraßen reduziert werden soll. Der 50-Jährige hat Umweltschutztechnik studiert und lebt ganz in der Nähe des Rings. „Ich bin dem Problem täglich ausgesetzt und es passiert nichts“, sagt er. Also hat er sich selbst auf die Suche nach einer Lösung gemacht.

Und ist – davon ist er überzeugt – auf ein Geheimrezept gestoßen: Wasser. „Die Schadstoffe werden von Wassermolekülen angezogen“, erklärt er. Lachmair regt deshalb an, Module am Straßenrand aufzustellen. Eine eingebaute Pumpe soll Wasser nach oben pressen, das über Düsen verteilt wird. Es wäre wie künstlicher Regen. „Die Schadstoffe werden von den Wassermolekülen angezogen und gebunden“, sagt Lachmair. Gemeinsam regnen Wassertropfen und Feinstaub anschließend ab. „Weil die Partikel nicht mehr in der Luft sind, können sie nicht in die Lunge gelangen“, sagt Lachmair. „In der Theorie müsste es funktionieren.“ Praxisversuche gibt es noch nicht, Patrik Lachmair hat sich an verschiedene Wissenschaftler und Institutionen gewandt und hofft auf Unterstützung bei der Entwicklung eines Prototyps.

Von der Stadt München hat er bereits eine Rückmeldung bekommen: Sein Vorschlag könne nicht abschließend beurteilt werden. Gesundheits- und Umweltreferentin Stefanie Jacobs fehlen Nachweise zur Wirksamkeit und zur Verkehrssicherheit. Es müsse unter anderem geklärt werden, ob es zu Glättebildung kommen kann, wie sich das Sprühwasser auf die Sicht und die Fußgänger auswirkt, wie die Abwasser­entsorgung funktioniert und wie umweltverträglich die Maßnahme ist.

Auch bei der Münchner Umweltschutzorganisation „Green City“ ist man unschlüssig. „Man verbraucht viele Ressourcen“, sagt Andreas Schuster. „Und es ist besser, gleich bei den Verursachern anzusetzen: bei den Autos.“ Schuster befürchtet aber auch, dass es nicht gelingen wird, überall den Autoverkehr stark zu reduzieren. Und: „Nach unseren Messungen ist an Regentagen die Feinstaubbelastung niedriger“, sagt er. „Vielleicht sollte man es deshalb an einzelnen Stellen einfach mal probieren.“

Immerhin stehen innovative Maßnahmen zur Luftreinhaltung bei der Stadt auf der Agenda (siehe Info unten). Die Kommune hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, bei dem verschiedene Möglichkeiten untersucht werden. Eine Stadtratsvorlage ist geplant. Der Bezirks­ausschuss Schwanthalerhöhe hat zudem beschlossen, eine Fachtagung zu dem Thema anzuregen, zu der auch Lachmair eingeladen werden soll. Claudia Schuri

Kuriose Ideen gegen Smog

Bei dem Kampf gegen Feinstaub werden neben konventionellen Maßnahmen wie Fahrverbote oder Umweltzonen auch einige innovative Konzepte diskutiert – wie diese hier:

Mooswände: Bei dieser Anlage sollen Pflanzen die Luft reinigen. Wände mit Mooskulturen werden an vielbefahrene Straßen gestellt. Die Pflanzen nehmen über die Blattoberfläche Schadstoffe auf, filtern sie und produzieren frischen Sauerstoff.

Feinstaubkleber: Hier wird eine Calcium-Magnesium­acetat-Lösung auf die Straßen gesprüht, auf der sich die Feinstoffpartikel ablagern sollen.

Smog-Free-Tower: Ein Niederländer hat einen Turm entwickelt, der wie ein Staubsauger schädliche Stoffe einsaugt. Dadurch sollen einzelne Gebiete entstehen, bei denen die Luft sauberer ist als in der restlichen Umgebung.

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